"Braunschweiger Land" als starke gemeinsame Marke: Regionalverband stellt neues Konzept für Tourismus und Naherholung vor
Mit dem Anspruch „Eine Region – ein Konzept“ hat der Regionalverband Großraum Braunschweig (RGB) gemeinsam mit zahlreichen Akteuren aus Tourismus, Kommunen und Institutionen das neue „Regionale Naherholungs- und Tourismuskonzept für das Braunschweiger Land“ fertiggestellt. Nach einjähriger Entwicklungsphase liegt nun ein strategischer Fahrplan vor, der die Lebensqualität für die Bevölkerung steigern und die touristische Attraktivität der Region nachhaltig stärken soll.
Menschen suchen Entspannung und Naturerlebnisse – nicht nur im Urlaub, sondern vermehrt auch als „kleine Fluchten“ im Alltag oder am Wochenende. Die Attraktivität der eigenen Region ist damit ein entscheidender Faktor für die Daseinsvorsorge. Da Einheimische und auswärtige Gäste oft dieselben Infrastrukturen nutzen, hat sich der Regionalverband dazu entschieden, beide Gruppen in einem gemeinsamen Konzept zu betrachten.
„Uns war die Verknüpfung von Naherholung und Tourismus wichtig: Es ist sinnvoll, die oft identischen Standortfaktoren zu stärken und Synergieeffekte zu nutzen“, begründet Verbandsdirektor Ralf Sygusch den Ansatz. „Ob Ausflugsziele, der ÖPNV, Rad- und Wanderwege, Gastronomie oder Kulturangebote – von einer guten Infrastruktur profitieren alle. Zudem sind beide Bereiche wesentliche Motoren für die regionale Wirtschaft und die Lebensqualität.“
Breite Beteiligung als Erfolgsfaktor
Das Konzept ist das Ergebnis eines intensiven Dialogs. Neben der Analyse touristischer Kennzahlen wurde die Bevölkerung befragt; zudem fanden Workshops mit Wirtschaftsförderungen, kommunalen Vertretungen und Verbänden statt. Dr. Alexander Schuler, Geschäftsführer des begleitenden Büros BTE Tourismus- und Regionalberatung, betont die Komplexität: „Die Region ist sehr heterogen – mit unterschiedlichsten Landschaften und vielen Akteuren. Die Analyse hat uns klare Potenziale, aber auch Schwachstellen aufgezeigt. Durch den breiten Beteiligungsprozess konnten sich die Akteure darauf verständigen, Chancen künftig gemeinsam besser zu nutzen.“
Ein Kernelement des Konzepts ist das „Braunschweiger Land“ als verbindende Dachmarke. Die Botschaft der beteiligten Institutionen ist deutlich: Man will „an einem Strang ziehen“, um die interkommunale Zusammenarbeit zu intensivieren und Fördermittel des Landes Niedersachsen gezielter abzurufen.
Wirtschaftsfaktor Naherholung
Die Zahlen belegen die Bedeutung des Sektors: Die Einwohner der Region unternehmen jährlich rund 10,3 Millionen Ausflüge innerhalb des Verbandsgebiets. Besonders beliebt sind Wanderungen und Naturerlebnisse (über 60 Prozent). „Regionale Naherholung ist ein echter Wirtschaftstreiber. Kaufkraft wird vor Ort gebunden und die Identifikation mit der Region gestärkt“, so Sygusch.
Während sich das Beherbergungsangebot bisher stark auf die städtischen Zentren und den Harz konzentriert, sieht das Konzept in anderen Teilbereichen – etwa im Landkreis Helmstedt – noch deutlichen Entwicklungsbedarf. Der Landkreis Goslar wurde aufgrund seiner Zugehörigkeit zur Destination „Harz“ touristisch nicht gesondert betrachtet, spielt jedoch als wichtigstes Naherholungsziel der Region eine zentrale Rolle im Konzept.
Blick in die Zukunft: Vernetzung und Digitalisierung
Um langfristig erfolgreich zu sein, fordert das Konzept professionellere Strukturen. Ein modernes Destinationsmanagement mit klaren Finanzierungsgrundlagen ist Voraussetzung für Landesförderungen. Parallel dazu sollen die Digitalisierung des öffentlichen Raums sowie die ÖPNV-Anbindung verbessert werden.
Anna Weyde, Leiterin der Abteilung Regionalentwicklung beim RGB, sieht den Verband hier in der Pflicht: „Mit unserem Regionalplan sichern wir die nötigen Frei- und Grünflächen. Wir verfolgen eine nachhaltige Raumentwicklung, zu der attraktive Freizeitangebote wie die Rad-Rundtour Braunschweiger Land maßgeblich beitragen.“
Jörn Pache, Vorsitzender der TourismusRegion BraunschweigerLAND ergänzt: „Das Konzept wird von allen getragen. Wir haben eine gute Ausgangslage und wollen die nächsten Schritte nun konsequent gemeinsam umsetzen.“
Eine Kurzfassung des Konzepts ist online verfügbar unter: Regionalverband Großraum Braunschweig - Die Region für Erholung & Erlebnis
Die wichtigsten Zahlen im Überblick:
- Gesamtübernachtungen (2025): 2,19 Mio. (Tendenz stabil)
- Geschäftsreiseanteil: Durchschnittlich 22 % (Spitzenwert Wolfsburg: 80 Prozent)
- Aufenthaltsdauer: Durchschnittlich zwei Tage
- Tagesausflüge der Einwohnerschaft: zirka 10,3 Millionen pro Jahr (Radius eine Stunde Fahrzeit)
- Akzeptanz: 73 Prozent der Bevölkerung bewerten den Tourismus als positiv für Wirtschaft und Lebensqualität.
- Größte Herausforderungen laut Bevölkerung:
- ÖPNV-Erreichbarkeit (55 Prozent)
- Digitalisierung im öffentlichen Raum (45 Prozent)
- Klimafreundlichkeit und Nachhaltigkeit (43 Prozent)