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Datum: 30.04.2026

Kommunale Wärmeplanung in Wolfenbüttel: Stadt setzt auf Zusammenarbeit und schnelle Umsetzung bis 2040

Die Stadt Wolfenbüttel treibt ihre kommunale Wärmeplanung weiter voran.

Blick von hinten auf ein voll besetztes Publikum in einem Saal, vorne ist eine Bühne mit Projektionsfläche und einer stehenden vortragenden Person zu sehen. © Stadt Wolfenbüttel
Rund 100 Besucherinnen und Besucher sind der Einladung zur Informationsveranstaltung zur Wärmeplanung der Stadt Wolfenbüttel gefolgt.

Bei einer gut besuchten Informationsveranstaltung am Mittwoch, 29. April 2026, stellten Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Stadtwerken und Fachbüros den aktuellen Stand sowie die nächsten Schritte auf dem Weg zur treibhausgasneutralen Wärmeversorgung bis 2040 vor. In einer Expertenrunde wurde im Anschluss noch gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern diskutiert – und über offene Fragen gesprochen.

Hintergrund der Wärmeplanung ist, bis 2040 die Wärmeversorgung in der Stadt CO₂-frei zu gestalten – eine Herausforderung, die laut Stadtbaurat Klaus Benscheidt „kein langfristiges Projekt, sondern eine dringende Aufgabe“ ist. Nur 14 Jahre bleiben, um die Wärmeversorgung klimaneutral umzustellen.

14 Jahre bis zur Klimaneutralität: „Starten statt warten“

„Manche fragen sich, warum sie erst kurz vor Weihnachten an Geschenke denken – ähnlich ist es mit der Wärmewende“, sagte Benscheidt zu Beginn der Veranstaltung. „Bis 2040 müssen wir die Wärmeversorgung in Wolfenbüttel komplett umstellen, und das ist ein ambitioniertes Ziel.“ Dieses Ziel sei auf Landes-, Regional- und kommunaler Ebene verbindlich gesetzt.

Im Zentrum der Veranstaltung stand die kommunale Wärmeplanung, die als strategisches Instrument Orientierung für Bürgerinnen und Bürger bieten soll. „Es bleibt am Ende Ihre Aufgabe, sich um die eigene Wärmeversorgung zu kümmern – aber wir begleiten und unterstützen Sie dabei“, betonte Benscheidt. Gleichzeitig rief er dazu auf, nicht auf fertige Gesamtlösungen zu warten: Wer bereits jetzt eine nachhaltige Lösung für sein Gebäude umsetzen könne, solle dies tun.

Eine sprechende Person steht mit Mikrofon vor technischem Equipment und Stehtischen in einem Veranstaltungsraum. © Stadt Wolfenbüttel
Emma Brandebusemeyer, Koordinatorin für die Kommunale Wärmeplanung der Stadt Wolfenbüttel.

Der Wärmeplan teilt das Stadtgebiet in 46 Teilgebiete ein, für die unterschiedliche Szenarien entwickelt wurden. Dabei kristallisieren sich zwei Hauptwege heraus: der Ausbau zentraler Wärmenetze in dicht besiedelten Gebieten und dezentrale Lösungen – vor allem Wärmepumpen – in Gebieten mit Einfamilienhausbebauung. Rund 600 Gigawattstunden Wärme werden derzeit jährlich in der Stadt verbraucht – über 90 Prozent davon stammen noch aus fossilen Energieträgern. „Nur etwa sechs Prozent kommen aus erneuerbaren Quellen“, erklärte Emma Brandebusemeyer, Koordinatorin für die Kommunale Wärmeplanung der Stadt Wolfenbüttel. Die Wärmeplanung, die fast abgeschlossen ist, soll als strategische Grundlage dienen. Sie ist rechtlich unverbindlich, bietet aber Orientierung für Eigentümer, Vermieter und Unternehmen. „Es kommt auf jeden Einzelnen an“, betonte Brandebusemeyer. Besonders deutlich wurde dabei die Rolle der Wohngebäude: Rund 86 Prozent aller beheizten Gebäude sind Wohngebäude, etwa 73 Prozent des Wärmeverbrauchs entfallen auf diesen Bereich. Gewerbe, Industrie und öffentliche Gebäude spielen im Vergleich eine deutlich kleinere Rolle.

Zwei Szenarien für die Zukunft

Auf Basis der Daten über den Häuserbestand in Wolfenbüttel und wie diese aktuell beheizt werden, die, wie Julian Haerkötter berichtete, von der IP SYSCON GmbH erhoben wurden, wurden zwei Entwicklungsszenarien bis 2040 erarbeitet. Beide sehen das komplette Zurückfahren fossiler Energieträger vor und setzen verstärkt auf Wärmepumpen sowie den Ausbau von Wärmenetzen. Während Szenario A stärker auf zentrale Lösungen mit Wärmenetzen setzt, verfolgt Szenario B einen etwas dezentraleren Ansatz. In beiden Fällen wird deutlich: Ohne einen massiven Ausbau erneuerbarer Technologien und eine kontinuierliche Gebäudesanierung sind die Klimaziele nicht erreichbar.

Wärmepumpen und Wärmenetze: Kein Widerspruch, sondern Ergänzung

Podiumsdiskussion mit mehreren sitzenden Personen auf einer Bühne, einige halten Mikrofone, vor einer Projektion und mit einem Publikum im Vordergrund. © Stadt Wolfenbüttel
Die Expertenrunde (von links): Jürgen Häfner, Geschäftsführer der Elm Energieberatung, Michael Stöhr, technischer Bereichsleiter Netz der Stadtwerke Wolfenbüttel, Stadtbaurat Klaus Benscheidt, Chris Stöckmann vom Planungsbüro Energielenker, Julian Haerkötter, IP SYSCON GmbH, Jörn Gallert, stellvertretender SHK-Innungsobermeister, Emma Brandebusemeyer, Koordinatorin für die Kommunale Wärmeplanung der Stadt und Florian Jürgens, Leiter Fachbereich für Stadtentwicklung und Bauaufsicht, der die Runde moderierte.

Ein zentrales Thema der Veranstaltung war somit die Frage, ob Wärmenetze oder dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen die bessere Wahl sind. „Beides gehört zusammen“, sagte Chris Stöckmann vom beteiligten Planungsbüro Energielenker. „In dicht besiedelten Gebieten können Wärmenetze sinnvoll sein, während in Einfamilienhausgebieten Wärmepumpen oft die effizientere Lösung darstellen.“

Insgesamt wurden 35 Maßnahmen erarbeitet, darunter acht prioritäre „Top-Maßnahmen“. Ein besonderer Fokus liegt auf Information und Beratung, der Zusammenarbeit mit dem Handwerk sowie der weiteren Untersuchung von Wärmenetzlösungen. Aktuell prüft die Stadt zum Beispiel mehrere Quartiere auf ihre Eignung für Wärmenetze, darunter das Gebiet rund um das Theodor-Heuss-Gymnasium. „Hier gibt es viele öffentliche Gebäude und Mehrfamilienhäuser – ein ideales Potenzial für ein Nahwärmenetz“, so Brandebusemeyer.

Stadtwerke: Infrastruktur muss massiv ausgebaut werden

Die Stadtwerke Wolfenbüttel stehen vor einer großen Herausforderung: Der Ausbau der Stromnetze, um den steigenden Bedarf durch Wärmepumpen und Elektromobilität zu decken. „Wir müssen in den nächsten 15 Jahren rund 180 Kilometer neue Niederspannungsleitungen verlegen – das entspricht der Strecke von Wolfenbüttel nach Erfurt“, sagte Michael Stöhr, technischer Bereichsleiter Netz der Stadtwerke Wolfenbüttel in seinem Kurz-Beitrag. Zudem seien 150 neue Trafostationen und leistungsstärkere Transformatoren nötig. „Die Baustellen werden zunehmen, und das wird für die Bürgerinnen und Bürger spürbar sein“, räumte er ein. „Wir bitten um Verständnis – die Energiewende ist ein Gemeinschaftsprojekt.“

Handwerk und Energieberatung: Schlüsselakteure der Wärmewende

Großer Veranstaltungsraum mit dicht besetztem Publikum auf Stuhlreihen, die Teilnehmenden blicken nach vorne in Richtung einer nicht sichtbaren Bühne. © Stadt Wolfenbüttel
Rund 100 Besucherinnen und Besucher sind der Einladung zur Informationsveranstaltung zur Wärmeplanung der Stadt Wolfenbüttel gefolgt.

Ein weiterer Fokus lag auf der Rolle des Handwerks. „Die Wärmepumpe ist die Zukunft“, sagte Jörn Gallert, stellvertretender Obermeister der SHK-Innung. „Die Technik wird immer effizienter, und es gibt mittlerweile Lösungen für fast jedes Gebäude – auch für ältere Häuser.“ Allerdings müsse die Planung individuell erfolgen, um eine optimale Auslegung zu gewährleisten.

Energieberater Jürgen Häfner von der Elm Energieberatung und tätig für die Verbraucherzentrale betonte die Bedeutung der Gebäudesanierung: „Bevor man über neue Heizsysteme nachdenkt, sollte man prüfen, wie man den Energiebedarf senken kann.“ Staatliche und eine landkreisweite Förderung gebe es zwar, aber nur, wenn die Maßnahmen vor der Umsetzung beantragt werden.

Nächste Schritte: Öffentliche Auslegung und Bürgerbeteiligung

Der Wärmeplan wird ab sofort öffentlich ausgelegt (im Bürgeramt zu den Öffnungszeiten sowie auf wolfenbuettel.de/waermeplanung) und kann bis Ende Mai eingesehen werden. Bürgerinnen und Bürger sowie Träger öffentlicher Belange haben in dieser Zeit die Möglichkeit, Stellungnahmen abzugeben. „Wir erwarten keine grundlegenden Änderungen, aber wir wollen alle Perspektiven einbeziehen“, sagte Benscheidt. Die finale Version soll dann als Grundlage für die weitere Umsetzung dienen. „Mit dem geplanten Beschluss der Wärmeplanung durch die Politik im September ist die Arbeit nicht beendet – dann beginnt die eigentliche Umsetzung“, betonte Benscheidt abschließend. Die zentrale Botschaft des Abends: Der Rahmen steht, doch für den Erfolg der Wärmewende kommt es auf jeden Einzelnen an.

Weitere Informationen

auf der städtischen Internetseite:

  1. Präsentation: Kommunale Wärmeplanung der Stadt Wolfenbüttel (29. April 2026)

    © Stadt Wolfenbüttel

Kontakt

Frau Emma Brandebusemeyer

Stadtverwaltung Wolfenbüttel
Klimaschutz und Umwelt
Koordinatorin für die Kommunale Wärmeplanung

Stadtmarkt 3–6
38300 Wolfenbüttel