Stadt Wolfenbüttel beim Landeswettbewerb "Klima kommunal 2026" ausgezeichnet: Teilautarke Kläranlage setzt Maßstäbe für die lokale Energiewende
Die Gewinner des niedersächsischen Klimawettbewerbs „Klima kommunal“ 2026 stehen fest. Bei der feierlichen Preisverleihung am Donnerstag, 20. August 2026, überreichte Umweltminister Christian Meyer in Hannover die Auszeichnungen für besonders klimafreundliche Projekte auf kommunaler Ebene. Unter den acht prämierten Leuchtturmprojekten befindet sich auch die Stadt Wolfenbüttel, die mit der teilautarken Kläranlage im Rahmen des Forschungsprojekts „Fluxlicon“ überzeugte.
Anerkennung für wegweisende Klimaprojekte in Niedersachsen
Der seit 2010 alle zwei Jahre stattfindende Wettbewerb „Klima kommunal“ wird vom Umweltministerium und den kommunalen Spitzenverbänden Niedersachsens ausgerichtet. Mit Preisgeldern in Höhe von insgesamt 190.000 Euro werden kreative und innovative Maßnahmen zum Klimaschutz sowie zur Klimafolgenanpassung gefördert. Der Wettbewerb zeigt, dass nachhaltige Projekte auch bei angespannten kommunalen Haushaltslagen realisierbar sind und langfristig einen Gewinn für die Städte und Gemeinden darstellen.
„Die ausgezeichneten Kommunen haben mit ihren innovativen und vielfältigen Projekten eindrucksvoll gezeigt, wie engagiert und kreativ in Niedersachsen an Klimaschutz und Klimaanpassung gearbeitet wird. Sie sind mit ihren Ideen und ihrem Einsatz echte Vorbilder – nicht nur für andere Kommunen, sondern für die gesamte Gesellschaft“, freut sich Minister Meyer, „Ihr Beitrag macht Niedersachsen lebenswerter und zukunftsfähiger. Für dieses herausragende Engagement danke ich allen Preisträgerinnen und Preisträgern herzlich.“
Aus 85 Einreichungen aus 56 Kommunen wählte die Fachjury in diesem Jahr die Stadt Lohne und die Samtgemeinde Gellersen als „Niedersächsische Klimakommunen 2026“ aus. Darüber hinaus wurden acht weitere Kommunen für ihre speziellen Vorhaben gewürdigt. Zu den ausgezeichneten Initiativen zählen die Anschlussbündelung kommunaler Liegenschaften in der Gemeinde Bakum, das Projekt zur gemeinsamen Anpassung an den Klimawandel (COABS) in Braunschweig sowie die Sommerhilfe für wohnungslose Menschen in Hildesheim. Ebenfalls prämiert wurden Schülerprojekte wie die „Klima-Ballerina“ in Jever, das „Klimaportal für Alle“ des Landkreises Lüneburg, das Osnabrücker Energie- und Wärmeinformationszentrum, das „Green Team“ aus Papenburg. Die Stadt Wolfenbüttel sicherte sich die Auszeichnung als Klimaschutz-Leuchtturm mit der erfolgreichen Umsetzung einer teilautarken Kläranlage. Den Zukunftspreis erhielt das Projekt klimaresiliente Radrouten im Landkreis Stade.
Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft kommunaler Spitzenverbände, Dr. Jan Arning (NST), freute sich: „Die heute ausgezeichneten Projekte verdienen unsere besondere Anerkennung. Sie zeigen, dass Klimaschutz und Klimafolgenanpassung nicht im Gegensatz zu einer verantwortungsvollen Haushaltsführung stehen müssen. Investitionen in klimaresiliente Städte und Gemeinden sind Investitionen in die Zukunftsfähigkeit unserer Kommunen. Sie vermeiden langfristig Schäden, stärken die Daseinsvorsorge und erhöhen die Lebensqualität der Menschen vor Ort“.
Meilenstein für die Energieneutralität in Wolfenbüttel
Das mit 15.000 Euro prämierte Wolfenbütteler Projekt basiert auf einer leistungsstarken Photovoltaik-Freiflächenanlage, die im April 2026 auf dem Gelände der städtischen Kläranlage in Betrieb genommen wurde. Da die Gebläse für die Belebungsbecken rund um die Uhr Sauerstoff bereitstellen müssen, gehört die Anlage mit einem Jahresbedarf von rund 1,4 Millionen Kilowattstunden zu den größten kommunalen Stromverbrauchern. Bisher wurde dieser Bedarf vollständig aus dem öffentlichen Netz gedeckt.
Ingo Schultz, technischer Geschäftsführer der Stadtwerke und Betriebsleiter des Abwasserbeseitigungsbetriebs Stadt Wolfenbüttel (ABW), betonte bei der Inbetriebnahme die Bedeutung des Vorhabens für die Wirtschaftlichkeit und Klimaneutralität der Infrastruktur. Mit der knapp einen Megawatt-Peak leistenden Anlage können fortan bis zu 40 Prozent des Strombedarfs der Kläranlage aus Sonnenenergie gedeckt werden. Jährlich produziert die Anlage etwa 850.000 Kilowattstunden Strom.
Innovative Speichertechnologie durch Second-Life-Batterien
Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist die Speicherung der Energie. Hierfür kommt ein Batteriespeicher zum Einsatz, der aus recycelten Fahrzeugbatterien verschiedener Hersteller besteht. Dieses System wurde im Rahmen des Forschungsprojektes „Fluxlicon“ aufgestellt und ermöglicht eine optimale Nutzung des Solarstroms auch in den Nachtstunden. Wolfenbüttel ist neben Ludwigsburg bundesweit eine von nur zwei Kommunen, die für dieses Speicher-Projekt ausgewählt wurden.
Vorbereitung auf gesetzliche Vorgaben und wirtschaftliche Stabilität
Das Projekt ist auch eine direkte Antwort auf die seit Anfang 2025 geltende Kommunalabwasserrichtlinie (KARL), die eine schrittweise Energieneutralität aller deutschen Kläranlagen bis 2040 vorschreibt. In Kombination mit dem neuen Batteriespeicher und dem bereits bestehenden Klärgas-Blockheizkraftwerk (BHKW) sieht Schultz den Betrieb in Wolfenbüttel bereits heute auf einem sehr guten Weg, diese strengen gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen.