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Datum: 04.06.2026

Zeitreise durch das Braunschweiger Land: Eckhard Schimpf begeistert Gäste im Wolfenbütteler Logenhaus

Nachwuchssorgen sind ein verbreitetes Phänomen, vor dem auch traditionsreiche Institutionen nicht haltmachen. Die Wolfenbütteler Freimaurerloge „Wilhelm zu den drei Säulen“ begegnet dieser Herausforderung mit einer neuen Strategie der Offenheit. Unter der Leitung ihres Vorsitzenden (Meister vom Stuhl), Thomas Stechert, öffnet sich die Loge verstärkt der Öffentlichkeit.

Blick in einen voll besetzten Zuschauerraum. © Regio-Press
Ausverkauftes Haus: Der Festsaal der Loge bot die passende Kulisse für den gut besuchten Vortragsabend.

Neben Rundgängen durch das historische Logenhaus in der Kanzleistraße 4 und Mitmachaktionen setzt die Loge neuerdings auf hochkarätige Vortragsabende. „Wir wollen spürbar mehr in das öffentliche Bewusstsein rücken“, erklärt Stechert. „Vielleicht wecken wir so auch bei jüngeren Generationen das Interesse an einer Mitgliedschaft.“

Dass dieses Konzept aufgeht, zeigte sich am vergangenen Donnerstag: Mehr als 100 Besucher füllten den Festsaal, um einen Abend mit dem charmanten Publizisten Eckhard Schimpf zu erleben. Der ehemalige stellvertretende Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung hat sich seit seinem Ruhestand als profilierter Buchautor und Vortragsredner zur Regionalgeschichte einen Namen gemacht.

Familiengeschichte zwischen Tradition und Zeitgeschehen

Zwei Männer sitzen in Sesseln nebeneinander. © Regio-Press
Einstige Kollegen im Dialog: Logenmeister Thomas Stechert (links) und Gastreferent Eckhard Schimpf

Der 1938 geborene Schimpf blickt auf ein bewegtes Leben im Braunschweiger Land zurück. Eindringlich schilderte er seine Erinnerungen an die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs, die er als Kind an der Hand seiner Mutter miterlebte. Ein Schwerpunkt des Abends lag jedoch auf seinen engen Verbindungen nach Wolfenbüttel: Schimpfs Großvater war der Firmengründer Wilhelm Mast; Jägermeister-Erfinder Curt Mast war sein Onkel. „Curt Mast hat in meinem Leben eine bedeutende Rolle gespielt, ebenso wie in dieser Loge“, betonte der Referent.

Trotz seiner bald 88 Jahre beeindruckte Schimpf mit starker Bühnenpräsenz und einem präzisen Gedächtnis. Er nahm die Gäste mit auf eine Reise ins Jahr 1846, dem Geburtsjahr seines Großvaters, und zitierte aus den Aufzeichnungen seiner Mutter Lotte. Diese Dokumente verdeutlichten die damaligen Lebensumstände – etwa eine zweitägige Reise von Wieda nach Braunschweig, die teils zu Fuß und per Postkutsche bewältigt werden musste.

Vom „Siebenmonats-Kind“ zum Motorsport-Pionier

Schimpf berichtete zudem von seiner engen Bindung zu seiner Mutter, die ihm durch das Erzählen von Geschichten über die entbehrungsreiche Nachkriegszeit hinhalf. Diese Besuche bei der Verwandtschaft im weitgehend unzerstörten Wolfenbüttel blieben ihm als „Idyll“ in Erinnerung.

Später wurde Schimpf durch einen Zufall Teil der Marketinggeschichte: 1972 schlug er seinem Cousin Günter Mast vor, einen Rennwagen mit dem Jägermeister-Hirschkopf zu bekleben. Dies war die Geburtsstunde des legendären „Jägermeister Racing-Teams“, das Schimpf daraufhin 30 Jahre lang leitete.

Ein Abend voller Anekdoten

Der Abend endete nach 90 Minuten unter großem Applaus, wobei Schimpf das Publikum bis zuletzt mit Anekdoten aus seiner weitverzweigten Familie unterhielt. Er berichtete humorvoll von einem Vorfahren, der vor Kamerun einem Hai zum Opfer fiel, und von einer „Ehekrise“, die durch den Kauf eines rostigen Motorrad-Wracks für 11.500 D-Mark ausgelöst wurde – ein Investment, das sich Jahrzehnte später durch einen Verkaufserlös von 120.000 Pfund als goldrichtig erwies.

Thomas Stechert und sein Team planen bereits die Fortsetzung der Veranstaltungsreihe, um das Logenhaus weiterhin als Ort der Begegnung und des Austauschs zu etablieren.

Die nächsten Termine:

  • Montag, 8. Juni, 19.30 Uhr: Vortrag von Ex-Bundesminister Sigmar Gabriel (Achtung: Dieser Termin findet im Lessingtheater statt).
  • Montag, 2. November, 19 Uhr: Mitmach-Abend in Kooperation mit der „Tanzschule am Park“. Erste Tanzschritte im historischen Logensaal.

Kontakt

Freimaurerloge Wilhelm zu den drei Säulen