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Das Goldene Buch als Spiegel der Stadtgeschichte Wolfenbüttels

Das Goldene Buch ist das Ehrenbuch der Stadt Wolfenbüttel und dient als schriftliches Gedächtnis für besondere Begegnungen.

Externer Link: Das Goldene Buch der Stadt Wolfenbüttel
© Stadt Wolfenbüttel 

Seit 1938 finden hier Ereignisse ihren Platz, bei denen die Stadt im Zeichen herausragender Besuche steht – von protokollarischen Terminen bis zu Jubiläen und Feiern. Wie in vielen anderen Städten im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert etabliert, schlägt auch das Wolfenbütteler Exemplar eine Brücke zwischen offiziellem Protokoll und lebendiger Erinnerung. Es dokumentiert fortlaufend, welchen Gästen die Stadt Ehre erweist und welche Zusammenkünfte sie als historisch bedeutsam festhält.

Vom schwierigen Erbe zum demokratischen Neuanfang

Das Wolfenbütteler Goldene Buch wurde am 1. Dezember 1938 begonnen. Die ersten Einträge stammen aus der Zeit des Nationalsozialismus und spiegeln in Sprache und Anlass die damalige politische Linie wider. Eine ursprüngliche Einleitung, die noch ausdrücklich auf die sogenannte Machtergreifung verwies, wurde in den 1960er-Jahren entfernt. Heute dokumentiert an dieser Stelle lediglich eine schlichte Datumsangabe den Beginn des Buches, ohne die frühere politische Aussage zu wiederholen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ruhte das Buch über Jahre hinweg. Erst 1962 nahm die Stadt die Praxis der Eintragungen im Rahmen der demokratischen Ordnung der Bundesrepublik wieder auf. Empfänge zum Tag der Arbeit, Besuche niedersächsischer Landesminister und die Tagung des Niedersächsischen Städtetages markierten Wolfenbüttel fortan als aktiven Standort im neu entstehenden Landes- und Kommunalsystem.

Wirtschaftlicher Aufschwung und internationale Vernetzung

Im Verlauf der 1960er-Jahre traten Themen in den Vordergrund, die den wirtschaftlichen Aufschwung, den Ausbau der kommunalen Infrastruktur und die kulturelle Profilierung der Stadt zum Ausdruck brachten. Prägnante Beispiele sind die Einweihung des neuen städtischen Krankenhauses im Jahr 1967, Besuche internationaler Fachdelegationen in Schloss und Bibliothek sowie die Dreharbeiten der Neuverfilmung der „Feuerzangenbowle“, für die Wolfenbüttel 1970 als Kulisse diente. Parallel dazu gewannen internationale Kontakte an Bedeutung. Delegationen aus der französischen Partnerstadt Sèvres und aus dem rumänischen Satu Mare standen im Zeichen der europäischen Verständigung. Sie zeigten auf, wie Wolfenbüttel den Ausbau kommunaler Beziehungen trotz der Vorzeichen des Kalten Krieges vorantrieb. Diese Kontakte wurden in den 1970er- und 1980er-Jahren mit der offiziellen Unterzeichnung von Partnerschaftsurkunden dauerhaft festgeschrieben.

Protokollarische Höhepunkte und lokale Verankerung

Neben der internationalen Ausrichtung dokumentiert das Goldene Buch auch die sicherheitspolitische Lage jener Zeit, etwa durch Empfänge für die in Wolfenbüttel stationierten britischen Truppen oder Besuche hochrangiger Militärs und Botschafter. Gleichzeitig würdigte die Stadt lokale Meilensteine wie sportliche Erfolge des MTV im Jugend-Basketball oder Jubiläen der Freiwilligen Feuerwehr, was die immense Bedeutung des Ehrenamts für das Selbstverständnis der Stadtgesellschaft unterstreicht. Die überregionale Sichtbarkeit Wolfenbüttels wurde zudem durch die Besuche der Bundespräsidenten Gustav Heinemann (1972), Walter Scheel (1979) und Richard von Weizsäcker (1984) hervorgehoben, die als protokollarische Höhepunkte dieser Epoche gelten.

Gelebte Erinnerungskultur und ein Blick in die Gegenwart

Seit den 1990er-Jahren setzten sich diese Entwicklungen unter veränderten Vorzeichen fort. Mit dem Ende des Kalten Krieges kamen neue Partnerschaften, unter anderem mit Kamienna Góra und Blankenburg im Harz, hinzu. Parallel trat eine bewusste Erinnerungskultur deutlich stärker in den Vordergrund. Einträge im Zusammenhang mit der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel und Gedenkveranstaltungen für die Opfer der NS-Justiz sowie verfolgte jüdische Bürger machen sichtbar, dass die historische Verantwortung einen festen Platz im städtischen Leben eingenommen hat. Die Einbindung in das politische Zeitgeschehen bleibt dabei ein zentrales Motiv.

Bis in die Gegenwart rückt das Buch zudem lokale Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Sport in den Blick. In der Zusammenschau eröffnet das Ehrenbuch damit einen facettenreichen Zugang zur städtischen Historie. Es formt ein dichtes Panorama seit der Mitte des 20. Jahrhunderts, in dem sich lokale Ereignisse untrennbar mit überregionalen und internationalen Bezügen verbinden. Der Blick in diese Seiten lädt dazu ein, bekannte Stationen der Wolfenbütteler Entwicklung vor dem Hintergrund ihrer Zeit neu zu betrachten.

Ein besonderer Dank geht an Christoph Kießling, M.A. für die Ausarbeitung der beschreibenden Erläuterungen der bisherigen Einträge. Die Stadt Wolfenbüttel dankt auch dem Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Wolfenbüttel für die kostenfreie Erstellung der Digitalisate. Besonderer Dank gilt Dr. Silke Wagener-Fimpel für die unkomplizierte Zusammenarbeit und Herrn Hartig für die sorgfältigen fotografischen Aufnahmen.

Link zum Goldenen Buch:

Kontakt

Büro des Bürgermeisters

Stadtverwaltung Wolfenbüttel

Stadtmarkt 3–6
38300 Wolfenbüttel