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10.09.2020

Ein HospizZentrum für Wolfenbüttel

„Wo ist denn Ihr Haus?“ – eine häufige Frage, wenn in Wolfenbüttel und Umgebung die Rede auf ein Hospiz kommt. Menschen, die in ihrer letzten Lebensphase am besten in einem Hospiz versorgt werden können, sind bislang auf wenige Plätze in umliegenden Städten angewiesen. Das wird sich ändern.

Am 10. September übergab die Stadt Wolfenbüttel das Gutshaus Wendessen an den Hospizverein Wolfenbüttel. Das Ziel: ein HospizZentrum in der Kreisstadt.

„Wir haben uns einige Monate mit dem Projekt beschäftigt und sind schnell zu dem Entschluss gekommen, es ist ein tolles Projekt für Wolfenbüttel und die Region“, resümiert Bürgermeister Thomas Pink bei der offiziellen Schlüsselübergabe. Zuvor schon gab es Beratungen, was in dem Gutshaus entstehen könnte. Ein Treffpunkt, eine Einrichtung zur Kinderbetreuung, eine Begegnungsstätte – Ideen gab es viele, als realisierbar stellte sich am Ende des Tages keine heraus. Mit dem HospizZentrum sei der ideale Nutzungszweck gefunden. „Ich wünsche dem Projekt alles Gute!“

Seit 14 Jahren sind Ehrenamtliche des Vereins in der Sterbebegleitung und Trauerbegleitung engagiert. Sie kommen ins Haus. Denn die meisten Menschen möchten zu Hause sterben. „Wir in der ambulanten Begleitung gehen dorthin, wo die Menschen leben, schenken Zeit und Zuwendung“, berichtet Dagmar Ammon, Gründungsmitglied und seitdem im Vorstand des Vereins. „Im letzten Jahr haben unsere 40 Ehrenamtlichen 72 schwerstkranke und sterbende Menschen und ihre Familien begleitet.“

Aber was ist, wenn Menschen aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr zu Hause versorgt werden können? „Dann bemühen wir uns um einen Hospizplatz in der Umgebung“, erklärt Koordinatorin Eva Reuleke. „Dabei geht es nach Dringlichkeit. Nicht immer bekommt man zügig einen Platz in Braunschweig, Salzgitter oder Wolfsburg. Und wenn der kranke Mensch seinen Platz hat, ist er für die Angehörigen oft nicht gut zu erreichen.“

Eine unbefriedigende Situation. Das hat auch ein Wolfenbütteler Ehepaar erkannt, das mit einer großzügigen Spende den Grundstock für ein stationäres Hospiz gelegt sehen möchte. „Dieses Angebot hat uns regelrecht überwältigt“, so Elke Thomas, die im Vorstand für die Finanzen zuständig ist. „Wir konnten uns bislang schon nicht über mangelnde Spendenbereitschaft der Bürger beklagen. Doch das übertrifft alle Vorstellungen.“


Damit kommt eine gewaltige Herausforderung auf den Verein zu. Die Idee, in Wolfenbüttel ein Hospiz zu bauen, stößt bei den Vertretern der Stadt auf großes Interesse. Die Vorstandsmitglieder kennen bereits einige Hospize. Sie schauen sich weitere Häuser an und wissen bald, was sie sich vorstellen. Zu ihren Wünschen an Lage und Umgebung scheint eine Immobilie besonders gut zu passen: das Gutshaus in Wendessen. Es gehört der Stadt und steht seit 2017 leer. Per Erbbaurechtsvertrag wird geregelt, dass es zum 1. September 2020 zur langfristigen Nutzung an den Hospizverein Wolfenbüttel übergeht.

Der Verein hat sich Großes vorgenommen. Hier soll ein HospizZentrum entstehen: neben dem stationären Hospiz mit acht Einzelzimmern auch ein teilstationäres Angebot: ein Tageshospiz. Das heißt: Schwerkranke Menschen, die zu Hause leben und versorgt werden, können hier tageweise die medizinischen, pflegerischen und therapeutischen Angebote in Anspruch nehmen. In der Gemeinschaft nehmen sie am Leben teil. Ihre Angehörigen werden dadurch für eine gewisse Zeit von der Fürsorge und Pflege rund um die Uhr entlastet.

Unter dem Dach des HospizZentrums wird auch die bewährte ambulante Sterbebegleitung ihr neues Zentrum finden. Hier treffen sich die Ehrenamtlichen zu Gesprächen, Supervisionen und Schulungen. Auch die diversen Angebote für Trauernde werden hier ihren Ort haben. Und nicht zuletzt gibt es Räume für Angehörige medizinischer, pflegender, therapeutischer und seelsorgerischer Berufe, die nach Absprache oder Bedarf besetzt sind. Das HospizZentrum Wolfenbüttel – viel mehr als ein Hospiz, ein Leuchtturmprojekt. Bis die ersten Gäste hier einziehen und versorgt werden können, werden aber noch fast zwei Jahre vergehen. Das Gebäude ist sanierungsbedürftig: Brandschutz, Dach, Heizung, elektrische und sanitäre Leitungen, Böden, Decken, Fenster… Kaum ein Gewerk, das nicht gefragt ist. Ein Fahrstuhl ist unabdingbar. Die Räume müssen den Anforderungen an ein stationäres Hospiz entsprechen. Und nicht zuletzt sollen sie eine wohnliche Atmosphäre ausstrahlen.

„Wir haben schon sehr viele positive Rückmeldungen zu unserem Vorhaben bekommen. Diesen Rückenwind brauchen wir auch“, gibt Vorstandsmitglied Rosemarie Heuer zu bedenken. „Wir freuen uns sehr über den Vertrag mit der Stadt. Dem Stifter-Ehepaar sind wir für die Initiative und den finanziellen Grundstock sehr dankbar. Jetzt setzen wir weiter auf das Spenden-Engagement von Bürgerinnen und Bürgern sowie von Unternehmen aus Stadt und Landkreis Wolfenbüttel. Damit es ein Zentrum für alle wird.“

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