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20.09.2019

Hof Meinecke aus Winnigstedt produziert BIOLAND für den Wochenmarkt

In der Mitte des Marktes finden die Wochenmarktbesucherinnen und Besucher einen neuen Biostand. Hier gibt es Frisches aus dem Bioland-Anbau und endlich damit wieder zwei Angebote aus ökologischer Landwirtschaft. Dass neben der umweltschonenden Produktion der Feldfrüchte auch noch Regionalität gegeben ist, ist besonders erfreulich.

Denn Bärbel Lorenz und Raphael Mühlegger haben seit Frühjahr dieses Jahres den Hof Meinecke in Winnigstedt übernommen und bewirtschaften ihn nach den strengen Bioland-Richtlinien. „Wir sind unheimlich froh, dass der Hofabgeber seinen Hof bereits ein Jahr vor unserem Kommen umgestellt hat, sodass wir dieses Jahr schon biologisch arbeiten können“, erzählt Bärbel Lorenz.


Ein holpriger Start

Sie steht an diesem Tag allein hinter dem neuen Marktstand und sortiert Eier sorgfältig, bis sie wie Pyramiden zwischen dem frischen Gemüse aufgetürmt sind. Auf die 300 Legehennen ist die Gemüsegärtnerin, die sich den Traum von der landwirtschaftlichen Selbstständigkeit erfüllt hat, besonders stolz, da sie nicht nur Eier legen, sondern zugleich auch Dünger liefern.

Ansonsten gibt sie freimütig zu, sei es ein holpriger Start gewesen. „Wir konnten uns dieses Jahr noch keine Bewässerungsanlage anschaffen und auch manche Maschinen und Geräte haben nicht gepasst. Da war viel Handarbeit und Verlust“, erinnert sie sich. Als der Regen dann kam, habe er gleich ein Feld mit Feldsalat unter dem Schlamm begraben.

Landwirtschaft ohne Tradition

Bärbel Lorenz sagt das nicht resigniert. „Wenn etwas nicht klappt, dann darf man sich nicht ärgern und zurückblicken. Man muss vielmehr etwas verändern“, lächelt sie zuversichtlich. Sie und ihr Mann haben die Landwirtschaft bzw. die Gemüsegärtnerei von der Pike auf gelernt. Und das, obwohl der Beruf bis dahin in der Familie keine Tradition hatte.

„Der Vater meines Mannes war Architekt. Meine Schwiegermutter ist ausgebildete Lehrerin. Raphael wollte einfach etwas ganz anderes machen“, erzählt sie während sich zwischendurch Kunden nach dem aktuellen Angebot erkundigen. Gerade sind die ersten Kartoffeln in Schütten aufgetürmt. Vier Sorten werden auf dem Hof Meinecke zur Zeit angebaut.

Gärtner als Traumberuf

Ebenso hat Bärbel Lorenz beruflich familiär Neuland betreten. Sie stammt aus Chemnitz. „Nach der Wende hat meine Mutter eine Sensibilität für ökologische Produkte entwickelt und mir war der Umweltschutz als Kind ebenfalls schon sehr wichtig. Das ist mein Zugang zur ökologischen Landwirtschaft“, erklärt sie. Als Kind pflegte sie bis zu ihrem Auszug ihr eigenes Beet im Garten, wurde durch Urlaube auf Bauernhöfen geprägt, und der Entschluss, in eine Gärtnerei/ Landwirtschaft zu gehen, war damit gefällt.

Raphael Mühlegger durchlief zwei landwirtschaftliche Betriebe während der Ausbildung und er studierte anschließend noch Sozialpädagogik in München, um sein berufliches Tätigkeitsfeld zu erweitern. Bärbel Lorenz war in einem Demeter- und zwei Biolandbetrieben tätig, sammelte in anderen Betrieben Erfahrung, bevor sie 2017 ihren Abschluss als Gärtnermeisterin erhielt.

Die Arbeit in einem sozialen Projekt

Die beiden lernten sich bei einem sozialen Projekt vor den Toren Münchens kennen. Beim „Katholischen Männerfürsorgeverein“ verband Raphael Mühlegger seine Professionen. Bärbel Lorenz war dort als Arbeitsanleiterin im Gemüsebau tätig. Raphael Mühlegger war es schließlich, der den Traum von der landwirtschaftlichen Selbstständigkeit auf den Tisch brachte.

„Ich hätte das nicht mal zu träumen gewagt, dass man so was realisieren kann. Aber der Raphael war da eisern, suchte nach Höfen, bis wir schließlich den Hof Meinecke in Winnigstedt fanden“, lacht sie. Im Dorf fühlen sie sich mit Tochter Lola inzwischen wohl. Auch die Busanbindung, den Kindergarten, die Grundschule und das Dorfangebot findet Bärbel Lorenz super.

Im Landkreis Wolfenbüttel angekommen

Dass die Direktvermarktung auf dem Wolfenbütteler Wochenmarkt jetzt auch angelaufen ist, freut die beiden. „Hier gab es schon Bioware, deshalb musste man nicht extra Werbung machen“, meint sie. Trotzdem müsse sich der neue Stand erstmal herumsprechen. Natürlich sei das Eigenangebot noch nicht so groß, räumt sie ein, aber es wachse stetig. Zugekauft werde dort, wo es die Nachfrage verlange.

Die Rübchen und Kartoffel seien wie die Erbsen dieses Jahr schon gut gekommen. Inzwischen gibt es üppige Salatköpfe, Lauchzwiebeln, Zucchini, Kräuter, Kohlrabi, Kürbis oder Schwarzwurzeln aus eigenem Anbau. Von den Eiern lassen sich die Landwirte Nudeln herstellen. Als Wintergemüse freut sich Bärbel Lorenz etwa auf den Lauch, Rosenkohl und Grünkohl.

Gefreut hat die Marktbeschicker, dass es für die Kunden selbstverständlich war, keine Plastiktüten zu bekommen. Viele hätten sogar ihre eigenen Behältnisse mitgenommen. Die Familie geht jedenfalls mit Optimismus und Tatkraft auf die neuen Aufgaben zu. Dass eine Hoftradition damit wieder belebt werden konnte im Landkreis Wolfenbüttel, ist ebenso erfreulich wie das erweiterte Angebot an nachhaltig produziertem Gemüse und Eiern, das zudem auch noch richtig gut schmeckt.


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