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Bestandsanalyse

Die Bestandsanalyse erfasst systematisch den aktuellen Zustand der Wärmeversorgung in Wolfenbüttel. Sie dokumentiert die räumliche Verteilung der Wärmeverbraucher im Gemeindegebiet. Mit der Bestandanalyse werden zuerst die aktuellen Wärmebedarfs und -verbrauchsdaten sowie die daraus resultierenden Treibhausgasemissionen erfasst. Dafür werden Informationen zu den vorhandenen Gebäudetypen, den Baualtersklassen und der Versorgungsstruktur aus Gas- und Wärmenetzen erhoben. Außerdem wird eine Energie- und Treibhausgasbilanz nach Energieträgern und Sektoren für den zuvor erhobenen Wärmebedarf erstellt. Diese Analyse bildet die Grundlage für die weiteren Planungsschritte und zeigt auf, wo und wie viel Wärme in Wolfenbüttel gebraucht wird.

Mit Stand von Dezember 2025 wurden im Stadtgebiet Wolfenbüttel rund 25.000 beheizte und nicht beheizte Wohn- und Nichtwohngebäude erfasst. Davon sind circa 15.000 Gebäude beheizt. Der Großteil der beheizten Gebäude verteilt sich auf die Nutzung Wohnen mit etwa 86 Prozent, Gewerbe und Industrie mit etwa 6 Prozent. Circa 3 Prozent der Gebäude entfallen auf Handel und Dienstleistungen sowie 5 Prozent auf Öffentliche Gebäude.

Bestandsanalyse - Baualtersklassenverteilung

Die Baualtersklassenverteilung beschreibt die Häufigkeit der Gebäude, die in einem ähnlichen Zeitraum errichtet wurden. Es werden somit alle Baujahre der verschiedensten Jahrhunderte und Jahrzehnte mitaufgenommen. Die meisten der heutigen Gebäude wurden dennoch im 20. und 21. Jahrhunderts erbaut. Die Abschnitte der Baualtersklassen sind nach für die Bauwirtschaft entscheidenden Zeitpunkten eingeteilt, wie beispielsweise die Weltkriege im 20. Jahrhundert und die erste Wärmeschutzverordnung von 1978. Die dominierende Baualtersklasse umfasst die Jahre 1949 bis 1978. Für Wolfenbüttel, als Stadt mit historisch geprägter Bausubstanz, ist es nach Einschätzung der an der kommunalen Wärmeplanung beteiligten Planungsbüro typisch, dass die zweitstärkste Baualtersklasse die Gebäude von vor 1919 darstellen.

Ein horizontales Balkendiagramm zeigt die prozentuale Verteilung beheizter Gebäude nach Baualtersklassen. Die Balken reichen von Gebäuden älter als 1919 bis zu Gebäuden ab 2020. Der größte Anteil entfällt auf die Jahre 1949-1978 mit 42,4 %. Weitere Kategorien liegen zwischen 0,6 % und 16,4 %. © Stadt Wolfenbüttel
Abbildung Baualtersklassen beheizte Gebäude (prozentual)

Bestandsanalyse – Jahresheizenergieverbrauch und Jahresheizenergiebedarf 

Der Jahresheizenergieverbrauch beschreibt die Menge an Endenergie, die einem Verbraucher in Form von zum Beispiel Heizöl, Erdgas, Holz oder Strom in einem Jahr zur Verfügung gestellt und durch ihn tatsächlich genutzt wird. Insgesamt beträgt der durchschnittliche Jahresheizenergieverbrauch für die Stadt Wolfenbüttel für Wärme circa 606.023 MWh pro Jahr, basierend auf dem Datenstand aus Mai 2025. Grundlage der Daten bilden die abgefragten Jahre 2019 bis einschließlich 2023. Mit etwa 73 Prozent entfällt auf Wohngebäude der größte Anteil des Energieverbrauchs für die Wärmebereitstellung. Öffentliche Gebäude benötigen circa 11 Prozent des Jahresheizenergieverbrauchs.

Der gesamte Jahresheizenergieverbrauch unterscheidet sich um circa 13 Prozent vom berechneten Jahresheizenergiebedarf von circa 699.492 MWh/a. Der Jahresheizenergiebedarf bezeichnet jene Energiemenge, die ein Gebäude im Verlauf eines Jahres benötigt, um bei bestimmten Randbedingungen (zum Beispiel Innentemperatur, Außentemperatur, Lüftung etc.) dauerhaft beheizt zu werden. In die Berechnung nach DIN 4108 und DIN 18599 werden circa 70 Parameter und Berechnungsergebnisse pro Gebäude berücksichtigt. Der Unterschied vom realen Verbrauch und berechneten Bedarf kann beispielsweise durch sparsameres Nutzerverhalten entstehen.

Ein Kreisdiagramm zeigt die Anteile verschiedener Sektoren am jährlichen Heizenergieverbrauch von insgesamt 606.023 MWh pro Jahr. Der größte Bereich ist »Wohnen« mit 439.427 MWh bzw. 73 %. »Gewerbe und Industrie« stehen für 55.087 MWh (9 %), »Handel und Dienstleistungen« für 45.331 MWh (7 %) und »Öffentliche Gebäude« für 66.178 MWh (11 %). © Stadt Wolfenbüttel
Abbildung Jahresheizenergieverbrauch nach Sektoren

Bestandsanalyse – Energieträger und Treibhausgasemissionen 

Der Jahresheizenergieverbrauch nach Energieträgern zeigt deutlich die fossile Prägung der Energiebereitstellung im Gebäudebestand. Auf Basis der Daten aus Mai 2025 dominieren etwa 68 Prozent Erdgas und etwa 14 Prozent Heizöl als Wärmequelle (Energieträger). Feste Biomasse, Strom und Flüssiggas für die Wärmeerzeugung kommen auf einstellige Prozentwerte. Die Anteilswerte für Braunkohle, Steinkohle, Grubengas, Deponiegas oder Klärgas liegen jeweils bei um die 0,1 Prozent. Keiner der Energieträger kommt bei Nah- oder Fernwärmenetzen zum Einsatz, da diese Art der Energieverteilung im Stadtgebiet zum aktuellen Zeitpunkt nicht existiert. Näherungsweise mussten circa 11 Prozent der Verbräuche ermittelt werden, da keine spezifischen gemessenen Verbräuche ermittelt werden konnten. Für diese Verbräuche wurden in der weiteren Datenbearbeitung die Emissionen dann näherungsweise an der durchschnittlichen Verteilung der ermittelbaren Energieträger berechnet.

Die Verteilung der Emissionen, verursacht durch die einzelnen Energieträger, spiegelt die fossile Dominanz wider. Erdgas und Heizöl machen etwa 69 Prozent und 17 Prozent der Gesamtemissionen im Wärmebereich von 153.318 Tonnen CO2-Äquivalenten aus. Strom und feste Biomasse sind für circa 1 Prozent beziehungsweise 0,5 Prozent der Emissionen verantwortlich.

Zwei Kreisdiagramme zeigen die prozentualen Anteile verschiedener Energieträger an den jährlichen Treibhausgasemissionen. Das größere Diagramm wird von Erdgas dominiert, weitere Anteile entfallen auf Heizöl, unbekannte Energieträger, Strom und kleinere Kategorien. Das kleinere Diagramm zeigt u. a. Braunkohle, Steinkohle, Deponie- oder Klärgas und weitere Energieträger. © Stadt Wolfenbüttel
Abbildung Jahresheizenergieverbrauch nach Energieträgern in MWh/a

Bestandsanalyse – Wärmeliniendichten 

Die Wärmelinie (auch Wärmeliniendichte) bezeichnet die Wärmemenge, die pro Meter Straßenlänge im Jahr transportiert wird (Einheit in kWh/(m*Jahr). Sie ist ein wichtiger erster Kennwert für die Eignung von Wärmenetzen:

  • Hohe Wärmeliniendichte = mehr potenzielle Abnehmer pro Leitungsmeter Wärmenetz
  • Niedrige Wärmeliniendichte = höhere Wärmeverluste pro transportierter Energieeinheit

In dicht bebauten Gebieten ist die Wärmeliniendichte hoch und ein erster Anhaltswert für die weitere Untersuchung von möglichen Wärmenetzen. In weniger dicht bebauten oder ländlichen Gebieten sinkt sie deutlich, was die Eignung von Wärmenetzen deutlich einschränkt. Für Wolfenbüttel ist erkennbar, dass die Wärmeliniendichten vor allem in der Kernstadt höher sind und nach außen hin größtenteils weiter abnehmen.

Eine Karte zeigt ein Stadtgebiet mit farbigen Linien, die Wärmeliniendichten in verschiedenen Straßen und Bereichen darstellen. © Stadt Wolfenbüttel
Auszug Karte Wärmeliniendichten aus dem digitalen Zwilling