Sprungziele
Hauptmenü
Inhalt

Potenzialanalyse

Die Potenzialanalyse untersucht die lokal verfügbaren Potenziale von unvermeidbarer Abwärme und erneuerbarer Energien, welche zur Wärmeerzeugung und zentralen Speicherung geeignet sein könnten. Gleichzeitig werden Energieeinsparpotenziale abgeschätzt. Ziel ist es, geeignete Versorgungsoptionen zu identifizieren und den Bürgerinnen und Bürgern von Wolfenbüttel Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Ein horizontales Balkendiagramm zeigt erneuerbare Energiepotenziale in GWh pro Jahr für verschiedene Quellen wie Photovoltaik, Solarthermie, Umweltwärme, Geothermie, Wind, Biomasse und Abwasser. Rechts ist ein Kasten mit den Angaben »Gesamtverbrauch: 606 GWh/a« und »Gesamtbedarf: 699 GWh/a«. © Stadt Wolfenbüttel
Übersicht Erneuerbare Energiepotenziale für das Stadtgebiet Wolfenbüttel


Im Folgenden werden die einzelnen ermittelten Potenziale vorgestellt. Dabei handelt es sich um technische Potenziale als Teil eines theoretischen Potenzials. Das theoretische Potenzial beschreibt die gesamt verfügbare Energiemenge, die sich unter idealen Bedingungen ohne Einschränkungen erzielen ließe. Das technische Potenzial ist der Teil des theoretischen Potenzials, das sich mit heutigen Technologien und unter Berücksichtigung physikalischer, gesetzlicher und baulicher Rahmenbedingungen realisieren ließe. Das Nutzen dieser verschiedenen Potenziale erfordert je Grundstück individuelle Berechnungen und gegebenenfalls Genehmigungen.

Potenzialanalyse - Einsparpotenzial durch Sanierungen

Die Einsparpotenziale durch energetische Sanierungen für das ganze Stadtgebiet liegt nach Stand Dezember 2025 durchschnittlich bei etwa 16 Prozent (Teilsanierung) beziehungsweise 41 Prozent (Vollsanierung) ausgehend vom gesamten Jahresheizenergiebedarf aller beheizten Gebäude. Zu einer Teilsanierung gehören dabei die energetische Sanierung von Dachflächen oder obersten Geschossdecken, sowie die Fenster und Außentüren eines Gebäudes. Zu einer Vollsanierung kommen noch die energetische Ertüchtigung der Fassade und Kellerdecke oder Bodenplatte hinzu. Für die zu sanierenden Bauteile werden nach der Sanierung ein verbesserter energetischer Standard gemäß Gebäudeenergiegesetz angesetzt. Bei einer angenommenen Sanierungsrate von 1,25 Prozent pro Jahr und der Durchführung von 90 Prozent Teilsanierungen und 10 Prozent Vollsanierungen, ließen sich bis 2040 circa 7 Prozent des heutigen Wolfenbüttelers Jahresheizenergiebedarfs einsparen.

Bei einer festgelegten Sanierungsrate von 1,25 Prozent wurden dementsprechend für den Jahresheizenergieverbrauch bis zum Zieljahr 2040 mögliche Gesamteinsparungen von bis zu 9 Prozent über das gesamte Stadtgebiet ermittelt. Das bedeutet für den Jahresheizenergieverbrauch von aktuell circa 606 GWh pro Jahr eine Verringerung auf bis zu 549 GWh pro Jahr in 2040.

Sanierungen leisten somit einen wichtigen Beitrag zur Reduktion des Heizenergiebedarfs beziehungsweise -verbrauchs und verhelfen zu langfristig sinkenden Energiekosten. Die Zahlen zeigen gleichzeitig auch, dass der gesamte Energiebedarf der Stadt wahrscheinlich nur im einstelligen Prozentbereich verringert werden kann. Daher braucht es die Kombination aus Erneuerbaren Energien, die fossile Energien ablösen und energetischen Sanierungen, um den Heizenergieverbrauch zu senken und insgesamt zukunftsfähig aufzustellen. Mehr Informationen zur Förderung von Sanierungsmaßnahmen finden Sie unter anderem unter Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz: Bundesförderung für effiziente Gebäude - Einzelmaßnahmen (BEG EM) für private Haushalte.

Eine kostenlose Energie-Erstberatung bietet der Landkreis Wolfenbüttel zusammen mit der Verbraucherzentrale an: Landkreis Wolfenbüttel: Kooperation "Energiewende zu Hause" - Energieberatung und Onlinevorträge.

Potenzialanalyse – Abwassernutzung

Aus dem geklärten Wasser am Ende des Klärprozesses in der Kläranlage könnten, nach Ermittlungsstand September 2025, bis zu 20.475 MWhMWh/a Wärme generiert werden. Aktuell findet dort noch keine Energiegewinnung statt.

Potenzialanalyse - Biomasse

Das mit Stand September 2025 erfasste Biomassepotenzial beträgt circa 26.000 MWh/a im Wolfenbütteler Stadtgebiet. Das Biomassepotenzial untergliedert sich in 

  • Ackerland: circa 21.856 MWh/a
  • Grünland: circa 190 MWh/a
  • Wald (Laub- und Nadelholz): circa 4.047 MWh/a

Dem gegenüber steht ein aktueller Energieverbrauch von fester Biomasse von etwa 32.117 MWh/a. Feste Biomasse wird in der Regel durch Waldrestholz, Sägerestholz und Landschaftspflegeholz hergestellt. Ackerland und Grünland kommen vermehrt in der gasförmigen Biomasseproduktion zum Einsatz. Aus der Gegenüberstellung von aktuellem Verbrauch und Potenzial lässt sich schließen, dass ein signifikanter Ausbau der Biomasse rein aufgrund von Rohstoffangeboten der Flächen des Stadtgebiets nicht zu erwarten ist. Vielmehr wird aktuell schon mehr Biomasse genutzt, als im Stadtgebiet vorhanden ist.

Potenzialanalyse - Unvermeidbare Abwärme

Nach Bundeswirtschaftsministerium ist unvermeidbare Abwärme Wärme, die als Nebenprodukt in einer Industrie- oder Gewerbeanlage oder im tertiären Sektor (etwa IT-Rechenzentren etc.) anfällt und die ungenutzt in Umgebungsluft oder Wasser abgeleitet werden würde. Sie gilt als unvermeidbar, wenn diese im Produktionsprozess nicht nutzbar ist. Die Erfassung der unvermeidbaren Abwärmepotenziale im Stadtgebiet hat anhand einer Abfrage bei den größten Energieverbrauchern stattgefunden. Ebenso besteht ein Austausch über die Stadtgrenzen hinaus mit der Salzgitter Flachstahl GmbH. Bei einer Rückmeldequote von 87 Prozent der Unternehmen waren die Ergebnisse sehr unterschiedlich. Keine oder geringe Abwärmepotenziale liegen bei vier von 13 Unternehmen vor. Geringe bis mittlere Potenziale sollen voraussichtlich bei sechs der 13 Unternehmen durch interne Eigennutzung später genutzt werden. Grundsätzliches Interesse an einer externen Abwärmenutzung durch dritte Akteure haben drei von 13 Unternehmen bekundet. Aus datenschutzrechtlichen Gründen sind zu diesem Zeitpunkt keine genaueren Angaben möglich.

Potenzialanalyse - Photovoltaik-Stromerzeugung auf Dächern und Freiflächen sowie Solarthermienutzung auf Dächern

Die Daten für die Potenziale aus der Nutzung von Solarenergie basieren auf dem SolarDachAtlas des Regionalverbands Braunschweig. Dieser Rechner bietet auch die Möglichkeit für die eigene Immobilie eine erste Berechnung des Dachpotenzials durchzuführen.

Mit Solarthermie auf Dächern könnten im Ganzjahreszeitraum etwa 734.000 MWh Wärme erzeugt werden. Im Winterhalbjahr kann Solarthermie zur Heizungsunterstützung eingesetzt werden mit einem Potenzial von circa 274.000 MWh. Solarthermie auf Freiflächen Wolfenbüttels könnte im gesamten Jahr circa 349.686 MWh und allein im Winterhalbjahr circa 38.209 MWh Wärme bereitstellen. Photovoltaik auf Dachflächen könnte im Ganzjahreszeitraum etwa 213.000 MWh Strom liefern, davon im Winterhalbjahr circa 72.000 MWh. Potenzial für Photovoltaik auf Freiflächen ist vor allem in den rechtlich privilegierten Bereichen entlang der Autobahn 36 und der zweigleisigen Bahnstrecken im Stadtgebiet identifiziert worden. Die Flächen betragen insgesamt circa 200 ha. Die generierbare Energiemenge der genannten Freiflächen insgesamt beträgt im Ganzjahreszeitraum etwa 123.000 MWh, davon im Winterhalbjahr circa 39.000 MWh.

Mehr Informationen zum SolarDachAtlas: Regionalverband Großraum Braunschweig: SolarDachAtlas und Gründachkataster

Potenzialanalyse - Windpotenzialgebiete

In die Potenzialanalyse wurden die sich in der laufenden Planung befindlichen Windvorranggebiete des Regionalverbands Großraum Braunschweig aufgenommen. Die Hauptfläche des Prüfgebiets nördlich von Salzdahlum sind circa 68 ha. Splitterflächen in dem Gebiet umfassen noch einmal knapp 17 ha. Eine weitere Fläche südöstlich von Adersheim hat eine Größe von circa 35 ha. Bei theoretischer Errichtung von drei Windkraftanlagen auf den Flächen (ohne Splitterflächen) mit einer Nennleistung von jeweils 5.500 kW ergibt sich ein theoretisch nutzbares Windstrompotenzial von insgesamt circa 51.000 MWh pro Jahr.

In Kombination mit Wärmepumpentechnologien (typische Arbeitszahl 3–4) könnten aus dem so erzeugten Strom bis zu 153 - 204 GWh/a an Wärme generiert werden. Das bedeutet, dass die Wärmepumpe aus 1 kWh Strom 3 bis 4 kWh Wärme produziert. Der Vorteil gegenüber anderen erneuerbaren Energien liegt in der hohen Ertragsdichte der Windenergie, insbesondere an Standorten mit überdurchschnittlichen Windverhältnissen. Der tatsächliche Zubau von Windenergieanlagen ist abhängig von Genehmigungsverfahren, Akzeptanz vor Ort und der konkreten Ausweisung geeigneter Flächen im Flächennutzungsplan. Die Integration in lokale Wärmeversorgungskonzepte kann darüber hinaus separate Speicherlösungen und gegebenenfalls weitere Netzertüchtigungen erfordern. Das Windenergiepotenzial stellt eine strategisch bedeutende Option zur Versorgung des Wärmesektors mit erneuerbarer Energie dar.

Potenzialanalyse - Geothermiepotenzial

Für oberflächennahe Geothermie mittels Erdwärmekollektoren, im unmittelbaren Bereich von circa 1 bis 2 Meter Tiefe im Erdreich, wurde ein theoretisches Potenzial von etwa 4.267.154 MWh/a identifiziert. Dieses unterteilt sich in 

  • Grundstücke mit Gebäude: 697.247 MWh/a
  • Grundstücke ohne Gebäude: 3.569.907 MWh/a

Das Potenzial der Erdwärmekollektoren ist in Verbindung mit dem Einsatz von Wärmepumpen mit einer Arbeitszahl von 4,0 ermittelt worden. Die Arbeitszahl bildet dabei einen Kennwert wie effizient die Wärmepumpe die Wärmequelle, in diesem Fall das Wasser aus den Erdwärmekollektoren, für die weitere Wärmegewinnung nutzt. Die Berechnungen zur Geothermie richten sich alle nach der Richtlinie VDI 4640. Demnach sind Restriktionsflächen, wie zum Beispiel Friedhöfe, bereits ausgeschlossen worden. Für tiefergehende geothermische Sonden wurde ein theoretisches Potenzial von circa 22.938.253 MWh/a berechnet. Dieses unterteilt sich in

  • Grundstücke mit Gebäude: 3.039.106 MWh/a
  • Grundstücke ohne Gebäude: 19.293.926 MWh/a

Auch dieses Potenzial ist in Verbindung mit dem Einsatz von Wärmepumpen mit einer Leistungszahl von 4,0 ermittelt worden. Die errechneten Wärmemengen stellen zunächst eine sehr große theoretische Energiemenge dar. Gleichzeitig ist zu beachten, dass das hohe Gesamtpotenzial lediglich theoretischer Natur ist und noch wenig über die Realisierbarkeit aussagt. In der Praxis liegen die Umsetzungsquoten sogenannter Erdwärmepumpen unter 10 Prozent. Hohe Investitionskosten und genehmigungsrechtliche Hürden können realisierbare Standorte einschränken. Daher ist eine standortbezogene Prüfung unerlässlich.

Potenzialanalyse - Umweltwärme aus dem Fließgewässer Oker

Die Oker stellt bereits seit der Gründung Wolfenbüttels einen wichtigen vielfältigen Standortfaktor der Stadt dar. Das Potenzial einer Nutzung der Wärme des Gewässers wurde für die kommunale Wärmeplanung mit zwei Ansätzen berechnet. Beim konservativ-vorsichtigen Ansatz beträgt die potenzielle Wärmeentzugsleistung circa 4 MW. Die erzielbare Wärmemenge wurde mit circa 8.500 MWh/a berechnet. Dazu wird eine Fluss-Wasser-Wärmepumpe mit einer Leistungszahl von 3 eingesetzt, die ebenfalls noch Strom für die Wärmegewinnung nutzt. Bei dem progressiv-optimistischen Ansatz wurde die potenzielle Wärmeentzugsleistung mit etwa 105 MW und die erzielbare Wärmemenge mit circa 800.000MWh/a berechnet. Auch hier ist eine Fluss-Wasser-Wärmepumpe mit einer Leistungszahl von 3 in der Berechnung enthalten, die ebenfalls noch Strom für die Wärmegewinnung einsetzt. Diese sehr unterschiedlichen Höhen des Potenzials sind darin begründet, dass verschiedene Parameter, wie Abfluss-/Durchflussmengen, prozentuale Ausnutzungsgrade und Volllaststunden angenommen wurden. Der progressiv-optimistische Ansatz beinhaltet die dann notwendigen Anpassungen bei der Einstellung verschiedener Wehre. Dieses Beispiel für die unterschiedliche Höhe von strategisch relevanten Potenzialen zeigt die Notwendigkeit von weiterführenden Voruntersuchungen auf Basis der Bestands- und Potenzialanalyse schon während der noch laufenden Kommunalen Wärmeplanung. Die verschiedenen erarbeiteten Potenziale der Oker werden somit im Prozess der Kommunalen Wärmeplanung weiter untersucht und evaluiert.

Potenzialanalyse - Luftwärmepotenzial

Das Luftwärmepotenzial im Stadtgebiet lässt sich nicht in einer einzigen Leistungs- oder Wärmemengenangabe zusammenfassen. Durch die umfassende Verfügbarkeit der Umgebungsluft ist ein theoretisches Potenzial nahezu überall gegeben. In der Bestandsanalyse sind die Potenziale der einzelnen Grundstücke berechnet und erfasst worden. Der Anteil der grundsätzlich geeigneten Grundstücke mit mindestens einem zugehörigen beheizten Gebäude beträgt etwa 55 Prozent. Das Potenzial gibt also lediglich an, wo unter technischen und planerischen Gesichtspunkten die Installation von Luftwärmepumpen grundsätzlich möglich wäre. Ob die Flächen in der Praxis tatsächlich genutzt werden können, hängt von weiteren Faktoren ab, wie zum Beispiel Schallemissionen oder konkurrierenden Nutzungen. Andersherum bedeutet es somit nicht, dass circa 45 Prozent der Grundstücke ungeeignet sind. Auch hier kann eine individuelle Betrachtung zeigen, dass beispielsweise in den theoretischen Analysen ein Nebengebäude wie ein Carport den Abstand zum Nachbarn theoretisch „versperrt“, die Wärmepumpe aber statt neben unter das Carport passt und somit doch einen Platz findet. Weitere Informationen zu Wärmepumpen und ihrem Einsatz in Neubau- und Bestandsgebäuden unter Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen: Umweltwärme nutzen