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05.12.2019

Das Bürger Museum zeigt "Made in Wolfenbüttel"

Made in Wolfenbüttel. Gilden – Manufakturen – Globalplayer“ lautet der Titel der Ausstellung, die in der Adventszeit in der Bürgerarchiv-Vitrine des Bürger Museums Wolfenbüttel präsentiert wird. „Die Ausstellung stellt einen kleinen Ausschnitt des vielfältigen Wirtschaftslebens der Stadt Wolfenbüttel dar und zeigt Produkte, die es nicht ein zweites Mal auf der Welt gibt“, erklärte Dr. Sandra Donner, Leiterin des Museums Wolfenbüttel.

„Menschen und ihre Arbeitsleistungen machen Städte aus – so auch Wolfenbüttel. Ihre Ideen, Erfindungen und letzten Endes Produkte sind Gütesiegel und Aushängeschilder ihrer Zunft. Es sind Dienstleistungen und Produkte zwischen Tradition und Weltmarkt“, so Dr. Sandra Donner weiter.

Als erste arbeitstätige Gruppe wurden die Schneider aktenkundig, denen Herzog Heinrich der Jüngere 1538 einen Gildebrief ausstellte. 1573 erhielten die Färber und 1586 die Schuhmacher ihre herzoglichen Gildeprivilegien. Kleider machen Leute: So ist es nicht verwunderlich, dass das Textilgewerbe am Anfang des Wolfenbütteler Handwerks stand. Immerhin musste eine Hofhaltung von knapp 200 Personen gemäß der damals vorgeschriebenen Kleiderordnung eingekleidet werden. Weitere Handwerker siedelten sich an: Schmiede, Fischer, Fleischer, Bäcker, Brauer und viele andere, deren Berufsbezeichnung in vielen heute noch vorhandenen Nachnamen aufgegangen sind – z.B. Metzger, Weber, Schmidt. Sie versorgten mit ihren Erzeugnissen die Stadt und den Hof. Als 1753 die Residenz nach Braunschweig wechselte, stürzte das Handwerk in eine existenzielle Krise. Von rund 10.000 Einwohnern folgten 7.000 dem Hof. Darunter befanden sich auch Menschen aus dem Luxusgewerbe wie die Perückenmacher. Zurückblieben Händler und Handwerker ohne Aufträge. Wolfenbüttel verarmte und wurde infolgedessen als „Lumpenbüttel“ verspottet.


Einen leichten wirtschaftlichen Aufschwung bescherte Anton Christoph Seeliger, indem er einen europaweiten Korn- und Garnhandel in der Okerstadt etablierte. Die Geschäfte liefen so gut, dass das bis heute existierende Bankhaus 1794 am Stadtmarkt gegründet werden konnte. Hinzukamen die zahlreichen Gärtnereien entlang des Neuen Wegs, die ebenfalls für Regung im Wirtschaftsleben sorgten.

Ebenso setzte die 1838 fertiggestellte Eisenbahnverbindung zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel neue Impulse: Der Konkurrenzdruck aus dem benachbarten Oberzentrum kam nun auf Schienen in die Stadt. Um dem entgegenzuwirken, gründeten die hiesigen Gewerbetreibenden einen Handelsverein, der ab 1847 damit begann, in der Vorweihnachtszeit die Wolfenbütteler Produkte auszustellen und zu bewerben. 20 Jahre zuvor entstand der älteste bis heute arbeitende Wolfenbütteler Betrieb – die Schlachterei Röber am Kornmarkt.

Die Industrialisierung brachte Wolfenbüttel nicht nur die Eisenbahn, sondern auch Fabriken. An der Spitze standen die Ravensberger Spinnerei, die Maschinenfabrik Zickerick und die Eisengießerei Luther & Peters mit je mehr als 100 Arbeitern in Lohn und Brot. Europaweites Aufsehen erlangte die Wolfenbütteler Firma Gebrüder Welger nach der Jahrhundertwende. Ihre durch Dampfkraft betriebenen Strohpressen erleichterten die Arbeit auf den Äckern ungemein und machten das manuelle Binden von Korngaben hinfällig.


„Es ist interessant, wie vielfältig das Wirtschaftsleben und nahezu autark die Stadt bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewesen ist. Hier wurden beispielsweise Hüte und Seifen hergestellt. Produkte, die heute erst über viel längere Produktions- und Lieferketten nach Wolfenbüttel gelangen“, sagte Museumsmitarbeiter Sebastian Mönnich, der die Ausstellung zusammengestellt hat.

Ein weiteres Wolfenbütteler Erzeugnis etablierte sich auf den Absatzmärkten. Der seit 1935 produzierte Jägermeister schaffte es 2007 auf die Weltrangliste der am meisten getrunkenen Liköre weltweit. Fast zeitgleich wie die Firma Mast nahm 1938 Bäckerei Richter ihren Betrieb auf und siedelte 1953 von Rautheim nach Wolfenbüttel über.

Im Zweiten Weltkrieg stellten die Wolfenbütteler Betriebe auf die Kriegswirtschaft um. Konservenfabriken wie O. Keune, Mandel und Busch, Barnewitz & Co. mussten jetzt für die deutsche Wehrmacht produzieren. Die Flüchtlinge und Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten entwickelten sich nach 1945 zum Motor der lokalen Wirtschaft, die in den 1950er Jahren boomte. Hervorzuheben ist dabei das Unternehmen Kuba. Gerhardt Kubetschek nahm sich der Sehnsucht der Menschen nach einem behaglichen Wohnen an und erlangte durch seine Tonmöbel Berühmtheit. Ein weiteres Großunternehmen des Wirtschaftswunders ist die Maschinenfabrik Kurt Neubauer. MKN – seit 1962 in Wolfenbüttel – spezialisierte sich auf Großküchen: Mensen, Kantinen und Imbisse braten ihre Koteletts auf Wolfenbütteler Herdplatten, aber auch auf dem Kreuzfahrtschiff Queen Mary 2 wird dank MKN erstklassiges Luxusessen zubereitet.

  • Die Ausstellung „Made in Germany“ ist bis zum 1. März 2020 im Bürgerarchiv zu sehen
  • Eintritt frei
  • Geöffnet: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr

Größere Ausstellung für 2020 in Planung

Das Museum Wolfenbüttel plant mit Beteiligung der Wolfenbüttelerinnen und Wolfenbütteler eine größere Ausstellung zum Thema „Made in Wolfenbüttel“. Wer ein außergewöhnliches, in Wolfenbüttel hergestelltes Produkt mit einem Echtheits-Zertifikat oder auf dem Exponat sichtbaren Schriftzug in Besitz hat, meldet sich bitte unter 05331 9246-0 oder museum@wolfenbuettel.de.

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