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04.03.2019

„Europa beginnt vor Ort“ 

Im „Jahr 1 nach J“ (nach Jubiläum) den Jahresempfang der Stadt mit einem filmischen Rückblick auf die Feiern zum 900-Jährigen Wolfenbüttels zu beginnen versteht sich ja irgendwie von selbst. Und so starteten die rund 280 Gäste des Stadtempfangs in der Lindenhalle mit zahlreichen positiven Erinnerungen an das Jahr 2018 in den Abend. 


Eine positive Bilanz des Jubiläumsjahrs zog dann auch Bürgermeister Thomas Pink in seiner Jahresrede. „Es war großartiges Jahr mit tollen Veranstaltungen“, so Pink. Wie versprochen habe Wolfenbüttel das Jubiläum gebührend gefeiert. Lessingfestival, Summertime-Festival, stars@ndr2, Altstadtfest, Stadtgrabenfest, Kultursommer oder Weihnachtsmarkt, um nur einige Angebote zu nennen – für wohl jeden Geschmack sei etwas dabei gewesen. Die vielen Besucher und positiven Rückmeldungen hätten jedenfalls gezeigt, dass es eine hohe Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit der Stadt Wolfenbüttel gebe. „Die Veranstaltungen waren eine gute Gelegenheit für die Menschen unserer Stadt zusammen zu kommen, zu feiern, miteinander zu reden“, betonte Pink. Das Jubiläumsjahr habe auf die gesamte Region positiv ausgestrahlt.


Ein weiterer Höhepunkt mit großer politischer und ideeller Bedeutung war das 60-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Sèvres. Symbolträchtig sei dabei die Wiederholung des Laufes „1000 Kilometer für Europa“ gewesen. „Ihr wart großartige Repräsentanten der Stadt für ein geeintes Europa“, dankte der Bürgermeister den beteiligten Sportlern. Sèvres-Wolfenbüttel sei eine gelebte Städtepartnerschaft und diese hätten, so Pink, „eine politische Dimension, die wir alle, auch an einem Tag wie heute, nicht vergessen dürfen.“ Der Bürgermeister erinnerte an das zerrüttete Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland nach zwei Weltkriegen. Und dann, nur 13 Jahre nach dem größten Staatsverbrechen aller Zeiten mit Aber-Millionen Toten, die ersten Kontakte zwischen deutschen und französischen Kommunen. Das zarte Pflänzchen Freundschaft begann wieder zu wachsen – dank couragierter Politiker auf beiden Seiten, der Kontakte zwischen den Vereinen, Schulen, zwischen den Menschen. „Da, wo Menschen zusammenkommen und reden, sich austauschen, friedlich diskutieren, entsteht kein Hass, sondern gegenseitiges Verständnis“, betonte Pink.

In diesem Zusammenhang erinnerte er auch an den gemeinsamen Besuch der beiden Partnerstädte im Rahmen des Jubiläums in Verdun. „Dieser war eindrucksvoll, überwältigend und erdrückend aber auch Zuversicht spendend“, so Pink. Unterschiedliche Altersgruppen seien hier gemeinsam gestanden, hätten all die grausamen Erkenntnisse der Geschichte verinnerlicht und die Wertigkeit unserer demokratischen, pluralistischen und freiheitlichen Gesellschaft erkannt. „Ich fordere Sie alle daher auf, geben Sie das Projekt Europa nicht in die Hände von Rechts- und Linksextremisten. Wir brauchen deutlich mehr Europa statt weniger und da sehe ich diese Bundesregierung in der Pflicht. In diesem Jahr ist am 26. Mai Europawahl – die bisher wohl wichtigste Europawahl überhaupt. Es entscheidet sich, ob Europa weiterhin Garant für Frieden und Freiheit sein wird oder ob demokratiefeindliche Kräfte dominieren“, unterstreicht der Rathauschef. Wer Europa in Frage stelle, stelle die Friedensordnung und die Demokratie in Europa in Frage. Und da Europa vor Ort beginne, wird es am 4. Mai auch wieder eine Europa-Veranstaltung der Stadt (vor dem Bankhaus Seeliger) geben.

Der Jahresempfang sei auch eine gute Gelegenheit, die städtischen Projekte vorzustellen. Grundlage des Handelns sei die Strategie „Wolfenbüttel 2021“, ein gemeinsames Programm von Politik und Verwaltung. Ziel sei die zukunftsfähige Entwicklung der Infrastruktur in der Stadt. Projekte wie der Schlossplatz und das Löwentor schreiten, so Pink, mit großen Schritten voran. Beim Schlossplatz werde leider häufig vergessen, dass es sich hier um ein gemeinsam mit Bürgern, Nachbarn und Anliegern entstandenes Projekt handle. Dies sei bedauerlich. Bedauerlich sei auch das Verhalten mancher Einzelhändler in der Stadt. „Eins will ich feststellen. Wir haben, großartige, engagierte und kreative Einzelhändler in dieser Stadt. Aber es gibt auch leider andere Beispiele“, sagte Pink. Diese würden lieber jammern und die Schuld für ihren Misserfolg letzten Endes bei der Stadt suchen. „Ich will nicht wieder aufzählen, was wir hier gemeinsam mit der Politik dieser Stadt entwickeln, um Innenstadt und Einzelhandel zu fördern. Nur, was kommt von der Kritikerseite an weitergehendem Engagement? So gut wie nichts! Wer als Verantwortlicher nicht einmal in all den Jahren einheitliche Öffnungszeiten zum Weihnachtsgeschäft hinbekommt – na ja – der sollte mit Kritik an anderen Akteuren vorsichtig umgehen“, rät der Bürgermeister. Weitere Projekte wie die Meesche („Hier entsteht eine großartige innerstädtische Sportanlage“), die Entwicklung von Baugebieten, die Schaffung von weiteren 250 Betreuungsplätzen in Kindertagesstätten („Allein diese Maßnahmen umfassen ein Investitionsvolumen von etwa sieben Millionen Euro.“), die Ansiedlung der Mansfeld-Löbbecke-Stiftung in Wolfenbüttel, die Ausarbeitung eines zeitgemäßen Parkraumbewirtschaftungskonzepts und vieles mehr fordern die Verwaltung. Und bei allen Maßnahmen müsse auch stets der Haushalt der Stadt im Auge behalten werden.

Umso mehr ärgere sich Pink über die sich häufenden Pöbeleien und Übergriffe gegen Politik, Verwaltung, Feuerwehr und andere Sicherheits- und Rettungskräfte in der Realität und in den sogenannten sozialen Netzwerken. „Dieses ist unsäglich für diesen Staat“, macht Pink klar. Sicherlich könne jeder seine Meinung haben und auch entsprechend argumentieren. Allerdings nicht mit Beleidigungen oder Drohungen bis hin zur körperlichen Gewalt. Sehr löblich sei daher jetzt die Initiative der Regierungskoalition in Niedersachsen, hier eine deutliche Grenze zu ziehen. Denn diese Unkultur, die hier Einzug gehalten habe, sei für den ein oder anderen ein Grund, sich zurückzuziehen – aus der Politik oder aus dem ehrenamtlichen Engagement.

Als sehr positiv empfinde er die derzeitige sehr sachliche Diskussion zur geplanten Anhebung von Gebühren im Krippen- und Hortbereich. „Selbstverständlich kann ich verstehen, dass es Widerspruch gibt, wenn Gebühren, Steuern oder Beiträge angehoben werden sollen. Natürlich kann ich verstehen, dass nicht jeder jede infrastrukturelle Maßnahmen in einer Stadt unterstützt und bejaht. Aber wie sich dann teilweise Protest äußert, ist aktuell in Braunschweig zum Thema Baumfällungen in der Jasperallee zu bestaunen. Aber auch wir in Wolfenbüttel haben zuweilen mit überzogenen Maßlosigkeiten zur Durchsetzung von Einzel- und Partikularinteressen zu leben“, so Wolfenbüttels Bürgermeister.

Als Gastredner konnte in diesem Jahr Friedrich-Carl Heidebroek (persönlich haftender Gesellschafter Bankhaus C. L. Seeliger) gewonnen werden. Die Bank feiert in diesem Jahr ihr 225-jähriges Bestehen, am 1. November 1794 wurde mit der Eröffnung eines Handelsgeschäfts der Grundstein für das Bankhaus gelegt. „So, wie für die Stadt Wolfenbüttel der 900. Geburtstag somit im letzten Jahr was ganz besonderes war, ist für das Bankhaus C.L. Seeliger Das Jahr 2019 ein besonderes Jahr in der Geschichte“, betonte Heidebroek. Immerhin gehöre das Bankhaus zu den zehn ältesten Banken Deutschlands. Die Bank habe das Jubiläum zum Anlass genommen, die eigene Geschichte gründlich recherchieren und objektiv aufarbeiten zu lassen. Das Buch werde im Sommer erscheinen und es werde hierin geschildert, vor welchen Herausforderungen die handelnden Personen der Bank in den Zeiten Napoleons, des Deutschen Reiches, der Weimarer Republik, der NS-Diktatur und in der heutigen Bundesrepublik Deutschland standen und welche Entscheidungen welche Entwicklungen in Gang setzten, die die Bank zu dem werden ließ, was sie heute sei.

Einige von Heidebroek vorgetragenen ersten Ausschnitte aus dem Buch machten deutlich, dass das Bankhaus Seeliger schon immer eng mit der Stadt Wolfenbüttel, aber auch der Stadtverwaltung verbunden war und bis heute ist. Schließlich sei ein Unternehmen in Wolfenbüttel nicht nur gewerblich tätig. Auch die Mitarbeiter seien eng mit der Region verbunden. „Ob Fußball bei Germania, Tanzen im MTV, Freiwillige Feuerwehr oder Basketball, Vorstandstätigkeiten beim Roten Kreuz und in verschieden Stiftungen wie Bürgerverein, Feierabendstiftung, Herzog August Bibliothek. Für unsere Mitarbeiter ist es ganz normal das Leben in Wolfenbüttel zu unterstützen und zu bereichern“, so Heidebroek. Aus Sicht eines Unternehmers wünsche er sich, dass auch zukünftig genügend Baugebiete für Gewerbeansiedlungen ausgewiesen werden. Hier dürften auch die Auflagen nicht zu stark sein, sonst entstünden die Arbeitsplätze woanders. Auch das Thema Baumaßnahmen griff er auf. So gebe es sicherlich verschiedene Meinungen zu den Projekten. „Wenn die Stadt nichts machen würde ist es immer schlechter, als wenn man was macht. Und dann muss man auch Entscheidungen treffen, die nicht jedem gefallen“, unterstrich er.

Grundsätzlich wünsche man sich als Kaufmann schnellere Entscheidungen und Umsetzungen. Individualrechte seien am Ende zwar schön und gut, allerdings müsse man auch aufpassen, dass es nicht zu einem Stillstand in Deutschland komme. „Es gibt vieles in unserem Land was gut läuft. Die Wirtschaft brummt seit Jahren, der Arbeitsmarkt ist praktisch leer gefegt. Den meisten Menschen geht es gut- und doch jammern wir Deutschen immer wieder. Nach dem Motto früher war alles besser. Aber das ist Unfug“, so Heidebroek, ob wirtschaftlich, in der Stadt, im Verein, in der Familie, oder im Ehrenamt und das man auch demokratische Mehrheitsbeschlüsse akzeptiert - sonst werden wir in Deutschland weiter zurückfallen. Jeder kann irgendwo helfen. Nicht jammern und sagen wir haben keinen Basketball oder Fußball mehr vor Ort, sondern einfach einmal im Jahr in die Halle oder auf den Platz gehen.“

Eine besondere Überraschung hatte Blankenburgs Bürgermeister Heiko Breithaupt aus der Partnerstadt mitgebracht. Dort gibt es jetzt einen „Wolfenbütteler Platz“. Das entsprechende Schild überreichte Breithaupt dem überraschten Thomas Pink. Wer über die A36 nach Blankenburg kommt, stößt künftig als erstes auf den „Wolfenbütteler Platz“. Mit Einzug des Frühjahrs soll der Platz noch gestaltet werden, die Blankenburger und Wolfenbütteler Bürgerinnen und Bürger können dazu Vorschläge einreichen.

Eine weitere Urkunde für die Stadt gab es von Fairtrade-Ehrenbotschafter Manfred Holz. Wolfenbüttel ist seit 1. März 2019 Fairtrade-Stadt, also ein Ort, in dem der Faire Handel einen besonderen Stellenwert hat.


Geehrt wurden in diesem Jahr von der Stadt Wolfenbüttel zum einen die Mitglieder der Steuerungsgruppe Fair-Trade-Stadt (Matthias Knoche-Herwig, Sylvia Dietrich, Christiane Döring, Volker Müller, Björn Reckewell, Simone Reese, Jutta Schnippe und Jürgen Selke-Witzel) sowie die Teilnehmer am 1.000-Kilometer-Lauf von Wolfenbüttel nach Sèvres (Jan Bartram, Jürgen Basler, Hilke Beyersdorff, Helmut Diedrich, Ilka Friedrich, Markus Hoff, Petra John, Silke Koch, Anke Meinberg, Heinz-Werner Monien, Daniela Rensch, Michael Richter, André Schneider, Udo Schneider, Matthias Thiede, Heiko Wiedemann, Matthias Wilshusen, Lutz Zeidler, alle Sportler; Heike Divjak-Lippert, Klaus Dünwald, Panagiotis Orfanos, alle Betreuer).

Weitere Informationen

Fotos auf Flickr: Stadtempfang 2019

Film: Jahresempfang der Stadt Wolfenbüttel 2019
© Stadt Wolfenbüttel

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Film: Fairtrade-Town Wolfenbüttel
© Stadt Wolfenbüttel

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