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09.11.2017

Von der kommunalen Pflegeanstalt zum Medizinischen Zentrum für die Region

Die Wiege des Wolfenbütteler Krankenhauses liegt in der Jägerstraße. Mit einem Ratsbeschluss machte die Stadt Wolfenbüttel 1892 den Weg für die Errichtung eines eigenen Krankenhauses an der Oker endgültig frei.

Die Armenanstalt und das Militärlazarett hatten in den Jahrzehnten zuvor nur unfertige Provisorien dargestellt. Die Stadt Wolfenbüttel brauchte ein eigenes Krankenhaus – und bekam dies nach vielen Jahren intensiver Verhandlungen.

Das Sanitätskollegium in Wolfenbüttel hatte bereits 1880 ein Grundstück mit einem Wohnhaus in der Jägerstraße erworben. Zwölf Jahre später konnte mit einer städtischen Finanzspritze in Höhe von 145.000 Mark ein zeitgemäßer Neubau errichtet werden. Die Leitung des Wolfenbütteler Krankenhauses übernahm Dr. Breymann, der aber seine eigene Arztpraxis in der Innenstadt behielt. Die Krankenpflege im neuen Wolfenbütteler Krankenhaus übernahmen in den Anfangsjahren die Schwestern des Diakonissen-Mutterhauses Marienstift in Braunschweig.


Ende des Jahres 1902 übernahm Prof. Plücker die Position des Chefarztes und Direktors im Städtischen Krankenhaus. Operationen fanden häufiger statt als früher, so dass ein Assistenzarzt und eine Hilfskraft als feste Mitarbeiter hinzukamen. Viele Neuanschaffungen waren nur durch Spenden aus der Wolfenbütteler Bevölkerung möglich. Auf diese Weise konnten eine moderne Röntgenabteilung, ein Labor mit einem leistungsfähigen Mikroskop und Geräte für histologische Untersuchungen angeschafft werden. Die Krankenhausbibliothek mit Fachbüchern rundeten die neuen Errungenschaften des Krankenhauses ab. 140 Betten zählte das Hospital kurz nach der Jahrhundertwende.

1907 erhielt das Städtische Krankenhaus eine eigene Apotheke. Eine eigene Stromversorgung 1910 führte zu deutlichen Qualitätssteigerungen bei Operationen und vereinfachte diese.

Das Krankenhaus in der Jägerstraße in der Kriegs- und Nachkriegszeit

Von 1914 bis 1917 kamen am Wolfenbütteler Bahnhof Lazarettzüge von der Front an. Die deutschen Soldaten wurden im Wolfenbütteler Krankenhaus behandelt. Ihre Dankbarkeit für die Pflege spiegelt sich in Briefen, die sie später an Krankenschwestern und Ärzten schrieben, wider.

Beim Wolfenbütteler Krankenhaus in der Jägerstraße machten sich die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges im Krankenhausbetrieb spürbar bemerkbar. Mit dem Kriegsbeginn am 1. September 1939 wurden der Krankenhausleiter Dr. Hubmann, dessen Assistent Dr. Gebauer und zwei Krankenpfleger für einige Wochen zum Wehrdienst eingezogen. In der Jägerstraße standen Ende 1939 nur noch drei Assistenzärzte und drei Krankenanwärter zur Verfügung. Die Aufgabe des Medizinalrates Dr. Hubmann war, innerhalb des Krankenhauses ein Reservelazarett einzurichten. Mit Lazarettzügen ankommende, zum Teil schwer verletzte Soldaten der deutschen Wehrmacht, schwer kranke Häftlinge des Strafgefängnisses Wolfenbüttel, bei der Außenarbeit verletzte Gefängnisinsassen, Zwangsarbeiter und die Wolfenbütteler Zivilbevölkerung ließen das Krankenhaus in der Jägerstraße in hygienischer Sicht und bei der Aufnahmefähigkeit an die Grenzen stoßen. Ausweichquartiere mussten her. Ab 1944 nutzte man als zusätzliches Hilfskrankenhaus das Gebäude der ehemaligen Samsonschule, die 1929 geschlossen worden war. Seit 1933 hatte das Gebäude am Neuen Weg eine Polizeistation und eine Marine-Leitstelle beherbergt. Zusätzlich hatte das Wolfenbütteler Krankenhaus 1945 etwa 55 Betten in der Großen Schule aufgestellt.

Am 11. April 1945 war der Krieg in der Stadt Wolfenbüttel zu Ende. Im Sommer desselben Jahres wurde das Reservelazarett Sternhaus in das Gebäude der ehemaligen Samsonschule verlegt. Die Leitung des Hospitals in Wolfenbüttel lag nun in der Hand des Arztes Oveinnikov Michail Osipovie aus Odessa. Die britische Militärregierung übernahm das Heft bei der lokalen Krankenversorgung und teilte dem Krankenhaus in der Jägerstraße Ende 1945 rund 100 Betten zu, die Zahl der Betten in der Samsonschule betrug 350.
Aufgrund des wirtschaftlichen Mangels der unmittelbaren Nachkriegszeit spendete die Wolfenbütteler Bevölkerung Geschirr und Bestecke. Engpässe gab es auch bei der Beschaffung von Röntgenfilmen und Chemikalien, insbesondere für medizinische Laboruntersuchungen. In der Turnhalle der Samsonschule richtete die Besatzungsmacht eine Produktionsstätte für Prothesen ein. Rund 500 Kunstbeine pro Jahr wurden dort hergestellt.


Aus dem ehemaligen Seuchenkrankenhaus in der ehemaligen Samsonschule wurde eine Internistische Abteilung des Wolfenbütteler Krankenhauses. Unter der Leitung von Dr. Schmidt wurde im Erdgeschoss eine Frauenklinik eingerichtet. Der Einbau eines Fahrstuhls zu Beginn der fünfziger Jahre war eine der letzten baulichen Veränderungen der Krankenabteilungen in der ehemaligen Samsonschule.

Der Neubau am Alten Weg

Im Mai 1967 beschloss der Rat der Stadt schließlich den lange herbeigesehnten Neubau. Inzwischen hatten die politischen Vertreter sechsmal gewechselt und die kalkulierten Gesamtkosten waren auf etwa 25 Millionen Deutsche Mark angestiegen. Trotz finanzieller Bedenken einiger Abgeordneter stimmte der Rat schließlich einstimmig für den Baubeginn. Niemals zuvor war in Wolfenbüttel ein derart aufwendiges Projekt verabschiedet worden. Mit der Entscheidung stieg die Verschuldung der Stadt auf rund 32 Millionen DM. Dabei hatte die Stadt zeitgleich noch umfangreiche Investitionen im Schulwesen und bei den Versorgungseinrichtungen (Erschließung der Neubaugebiete und Modernisierung der Kanalisation) zu bewältigen.

Am 30. November 1967 war die feierliche Grundsteinlegung durch den Niedersächsischen Sozialminister auf dem 40.000 Quadratmeter großen Baugelände am Alten Weg, der sich ein Empfang im Kaffeehaus anschloss. Bürgermeister Ehrhoff eröffnete den Reigen der Festredner mit den Worten: „Lang war der Weg und hart das Ringen um die vielfältigen Probleme, ehe es zur heutigen Grundsteinlegung kam.“

Ein Braunschweiger Architektenbüro konzipierte das kreuzförmig angelegte Gebäude mit etwa 380 Betten, das nach Planung und Einrichtung neuesten medizinischen-technischen Erkenntnissen folgte. Die vier Seitenflügel waren jeweils knapp 120 Meter lang, die Grundfläche betrug insgesamt rund 5.800 Quadratmeter, die Nutzfläche lag bei fast 20.000 Quadratmetern. Der umbaute Raum fasste über 80.000 Kubikmeter, dafür mussten 40.000 Kubikmeter Erde bewegt werden. Durch eine Vereinheitlichung der Zimmer, die mit bis zu drei Betten belegt werden konnten, sowie allgemeine Sprechstunden und Besuchszeiten ohne Klassenunterschiede wollte das Krankenhaus Akzente für eine medizinische Versorgung unabhängig von der sozialen Herkunft setzen. Rund 55 Prozent der Bauaufträge wurden an Firmen aus der Stadt oder der näheren Umgebung vergeben. Der Umzug von der Jägerstraße und der ehemaligen Samsonschule erfolgte am 19. Oktober 1971.

Erster Ärztlicher Direktor am neuen Standort wurde Professor Dr. Hans-Otto Bodewig, der lange Jahre das Gesicht des Krankenhauses am Alten Weg bleiben sollte und viele Neuerungen in der Medizin im Klinikum einführte. Das neue Wolfenbütteler Krankenhaus enthielt eine Abteilung für Innere Medizin, eine Infektionsabteilung, eine Chirurgie und Unfallchirurgie sowie eine Gynäkologie. Darüber hinaus gab es Belegbetten für angeschlossene Hals-Nasen-Ohren-Ärzte. Die Funktionsräume befanden sich im Zentrum des sternförmigen Baus, die Stationen waren in den Achsen angesiedelt. Bei den geplanten 25 Millionen DM war es nicht ganz geblieben; die Gesamtkosten beliefen sich auf gut 27 Millionen DM. Neben den öffentlichen Geldern wurde der Bau durch finanzielle Spenden von mehreren Privatpersonen unterstützt. Gemessen an der Gesamtsumme fielen diese Gelder zwar weniger ins Gewicht, sie müssen aber doch als Ausdruck eines starken Verantwortungsbewusstseins des Einzelnen am Gesamtwohl wertgeschätzt werden. Die ehemalige Samsonschule wurde seit 1986 zum Internat der Handwerkskammer Braunschweig umgebaut, das Krankenhaus Jägerstraße abgerissen.

Die neue Zeit: Das Städtische Krankenhaus Wolfenbüttel entwickelt sich zum Gesundheitszentrum für die Region

Zum 1. Juli 1992 schloss die Stadt Wolfenbüttel mit der Sana Kliniken-Gesellschaft mbH für das Städtische Krankenhaus Wolfenbüttel einen Betriebsführungsvertrag. Ziel der Stadt Wolfenbüttel als Eigentümerin war es, einen professionellen und kompetenten Partner in der operativen Führung seines Klinikums an der Seite zu haben, der eine moderne und wirtschaftliche Führung sicher stellt und das Städtische Klinikum mit seinem spezifischen Wissen und den zentralen Experten in der sich verstärkenden Konkurrenzsituation medizinisch weiter entwickelt.

Die Stadt Wolfenbüttel war damit Vorreiter in Norddeutschland. Denn nach der Stadt Stuttgart war Wolfenbüttel erst der zweite Krankenhausträger in Deutschland, der als öffentlich-rechtlicher Krankenhauseigentümer den neuen Weg heraus aus dem Selbstkostendeckungsprinzip zum Wirtschaftsunternehmen durch eine privatrechtlich aufgestellte Klinikkette hat begleiten lassen. Diesem Beispiel sind in den neunziger Jahren mehrere Dutzend kommunale Krankenhausbetreiber gefolgt.

Der Rat der Stadt blieb außerhalb der Betriebsführung oberste Instanz bei allen wesentlichen und strategischen Entscheidungen und Neuanschaffungen, aber auch bei zukünftigen strategischen Zielen. Diese Konstellation stellte sich in den Folgejahren als positiv heraus. Über die Dauer der Zusammenarbeit mit den Sana-Kliniken hinweg gelang es im Gegensatz zu vielen anderen kommunalen Krankenhäusern, durchgängig schwarze Zahlen zu schreiben und die erwirtschafteten Gewinne kontinuierlich in die Entwicklung des Hauses zu investieren.

Die Vertragsunterzeichnung war mit der Einführung einer Verwaltungsdoppelspitze am Wolfenbütteler Krankenhaus verbunden. Erster Krankenhausdirektor wurde am 1. August 1992 Carl-Friedrich Globig. Nur zwei Monate später trat Joachim Kröger das Amt des Verwaltungsdirektors am Städtischen Krankenhaus an.

1993 verfügte das Städtische Klinikum Wolfenbüttel über 353 Planbetten. 170 Betten besaß die Medizinischen Klinik, 130 die Chirurgische Klinik, 50 die Frauenheilkunde und drei die HNO-Belegabteilung. Mit dieser Bettenzahl war das Städtische Krankenhaus der Versorgungsstufe der Schwerpunktversorgung für den Landkreis Wolfenbüttel, dessen Bevölkerungszahl sich durch den Zuzug vieler Menschen in den Westen aus dem Gebiet der neuen Bundesländer vergrößert hatte, zugeordnet. Eine zentrale Rolle in der Notfallversorgung nahm das Städtische Klinikum Wolfenbüttel als Standort für den Rettungstransporthubschrauber „Christoph 30“ sowie des bodengebundenen Notarztwagens ein.


Das Computerzeitalter hielt Anfang der 90er Jahre Einzug in alle Abteilungen des Städtischen Klinikums. Die Inbetriebnahme eines Computertomographen in der Röntgendiagnostik zu Jahresbeginn 1993 bedeutete eine wichtige Erweiterung des medizinischen Leistungsspektrums am Wolfenbütteler Krankenhaus, dessen Patientenzahlen Jahr für Jahr stiegen. Nach einer Übergangsphase wurde im Frühjahr 1994 „der komplette ärztliche Schreibdienst von der Arbeit mit der Schreibmaschine auf elektronische Textverarbeitung mit Microsoft Word für Windows umgestellt“, hieß es im Lagebericht 1994.

Alle Chefsekretariate waren bis zum Jahreswechsel 1994/95 mit Personalcomputern ausgestattet. Jeder Schreibtisch erhielt einen PC der Marke IBM mit einer damals noch völlig ausreichenden Festplatte mit 120 Megabyte und einem 14 Zoll großen Bildschirm. Die Einführung der Krankenversichertenkarte hatte weitere technische Maßnahmen zur Folge: Die Krankenhaus- und Chefarztambulanzen erhielten je ein Chipkartenlesegerät sowie einen passenden Drucker.

Die Erweiterung des Neubaus

Nach über 20 Jahren am Alten Weg waren innerhalb des Städtischen Krankenhauses Investitionsmaßnahmen notwendig. Das jedes Jahr Überschüsse erwirtschaftende Wolfenbütteler Krankenhaus investierte aus dem eigenen Haushalt 1,5 Millionen Deutsche Mark (DM) für den ersten Abschnitt der Erweiterung und Sanierung des Städtischen Krankenhauses mit einem Neubau eines zweistöckigen Funktionstraktes. Insgesamt sieben Millionen DM flossen in den neuen Trakt, der am 31. August 1995 im Beisein des damaligen Wolfenbütteler Bürgermeister Heinz Dieter Eßmann, dem Architekten Jürgen Wellge und dem Ärztlichen Direktor Dr. Eike Brakebusch seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Im ersten Stockwerk fand die Kardiologie eine Heimat. In Stockwerk zwei war Platz für die Computertomographie und die Nukleardiagnostik, die bis dahin im Untergeschoss des Krankenhauses beheimatet war.

Auf diese Weise konnte die Nutzfläche des Wolfenbütteler Krankenhauses um 1.500 Quadratmeter erweitert werden – dies entsprach 7,5 Prozent der bisherigen Gesamtfläche. Der zweite Bauabschnitt beinhaltete die Sanierung des gastroenterologischen Funktionsbereiches und der internistischen Intensivpflege und hatte sich nach Abschluss Anfang September 1995 auf knapp über 12 Millionen Deutsche Mark summiert. Die Modernisierungsmaßnahmen des Städtischen Krankenhauses in den Neunzigern und die neuen, zeitgemäßen Angebote erhöhten die Patientenzahlen des Krankenhauses der Okerstadt: Mit 9.527 Patienten bei einer Verweildauer von rund 11,5 Tagen war 1994 eine vorläufige historische Rekordmarke erreicht. Im Januar des Jahres 1995 setzte das Krankenhaus in Wolfenbüttel in der Abteilung Röntgendiagnostik und Nuklearmedizin ein neues Mammographiegerät für die Früherkennung von Brustkrebs in Betrieb. Das rund 100.000 DM teure Gerät verfügte über eine sehr hohe Bildqualität bei sehr niedriger Strahlendosisbelastung.

Die Frauenklinik des Städtischen Krankenhauses verfügte seit dem Frühjahr 1995 über ein sogenanntes Geburtsrad. Das in der Schweiz entwickelte Spezialgestell erleichterte die Geburt durch seine variable Einsatzmöglichkeit und stellte eine moderne Alternative zur traditionellen Geburt im Bett oder den immer populärer werdenden Wassergeburten dar. Nur fünf Kliniken in Niedersachsen verfügten damals über ein Geburtsrad, das den Wert eines Oberklassewagens der neunziger Jahre besaß.Neue Konzepte und Angebotserweiterungen sollten die Attraktivität des Aufenthaltes in der Wolfenbütteler Frauenklinik noch mehr erhöhen. Ab 1995 bot das Städtische Krankenhaus eine ganzheitliche Geburtsbetreuung an. Diese reichte von der geburtsvorbereitenden Schwangerschaftsgymnastik, der eigentlichen Geburt bis zur Geburtsnachbereitung.

Aufbruch statt Stillstand

Mit der Einrichtung einer radiologischen Praxis folgte das Städtische Krankenhaus der Forderung der Politik nach einer besseren Verzahnung der ambulanten und der stationären Versorgung. Personenfahrstühle für Besucher im Knotenbereich, die Einführung der Fünf-Tage-Woche im Pflegedienst, der Abschluss eines Apotheken-Versorgungsvertrages mit der Klinik Dr. Brachmann, die Einrichtung einer orthopädischen Praxis und eine neue Brandschutzordnung lauteten unter anderem die Themen, mit denen sich das Direktorium in den zwölf Sitzungen 1995 vorrangig beschäftigte.

Förderverein des Städtische Krankenhauses gegründet

Am 18. Oktober 1995 wurde der Förderverein für das Städtische Krankenhaus e.V. gegründet. Zu den ersten Mitgliedern gehörten Kurt Mittendorf, Carl-Ludwig Schumacher, Ruth von Löbbecke, Kurt Hauenschild, Christian Kluge, Dörthe Weddige-Degenhard, Dr. Werner Sprotte, Bernhard Kotschy und Heidrun Koneffke, die zur Vorsitzenden gewählt wurde. Zweck des Vereins war „die Förderung der Verbindung zwischen dem Krankenhaus und der Bevölkerung seines Einzugsbereichs und Vornahme aller dazu zweckdienlichen Maßnahmen, Beschaffung und Verwendung von Mitteln für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Patienten und der Arbeitsbedingungen des Krankenhauspersonals sowie Verwirklichung sonstiger gemeinnütziger Aufgaben im Städtischen Krankenhaus Wolfenbüttel“.

Erste Projekte des Fördervereins waren die Einrichtung eines Diabetikerbuffets zur Diabetis-Schulung, die Anschaffung zusätzlicher Leselampen und Wandschirme in Patientenzimmern sowie das Bereitstellen von Tageszeitungen und Illustrierten für die Wartebereiche der einzelnen medizinischen Abteilungen. Der Förderverein unterstützt mit seinen zirka 80 Mitgliedern bis heute die Arbeit des Klinikums und seiner Mitarbeiter und ist ein wichtiger Rückhalt für das kommunale Krankenhaus in der Bevölkerung.

Anfang Dezember 1995 wurden die Ärztlichen Direktoren des Städtischen Krankenhauses, Dr. Eike Brakebusch und Professor Bernd Limberg, in ihren Ämtern bestätigt.

Das Jahr 1996 stand im Zeichen der Erweiterung des Leistungsspektrums des Städtischen Klinikums. In der Medizinischen Klinik, Abteilung Gastroenterologie, nahm das Krankenhaus im Frühjahr desselben Jahres einen Schulungsraum für die Diabetestherapie in Betrieb. Die Finanzierung übernahm der Monate zuvor gegründete Förderverein des Krankenhauses. Im Sinne einer positiven Beeinflussung des Gesundungsprozesses erhielten die Patienten während ihres Krankenhausaufenthalts die Möglichkeit, besser mit ihrer Krankheit umzugehen und auch die richtige Ernährung zu lernen.

Die modernste Intensivstation in Norddeutschland

Mit der Einrichtung eines Schlaflabors, das in der Kardiologie der Medizinischen Klinik untergebracht war, war ein weiterer großer Schritt in Richtung eines möglichst gut und umfassend abgestimmten, viele Dienstleistungen anbietenden Gesundheitszentrums für die Region getan. Das neue Schlaflabor sollte die Auswirkungen der nächtlichen Schlafstörungen durch Diagnostik und Einleitung einer entsprechenden Therapie verhindern helfen. Integriert war es in der internistischen Intensivstation. Diese war im Laufe des Jahres 1996 durch Sanierung und Erweiterung zur modernsten Intensivstation Norddeutschlands umgebaut worden.

Das Jahr 1997 stand vor allem im Zeichen des Erhaltens der Station des Rettungs­­transport­­hub­­schraubers Christoph 30 am Städtischen Krankenhaus. Dank einer in der Geschichte der Stadt Wolfenbüttel einmaligen Unter­schriftenaktion und Volksinitiative, die Unterstützung durch die Wolfenbütteler Tagespresse erhielten, feierten die Kranken­haus­mitarbeiter, die Crew und die Wolfenbütteler Bevölkerung 1998 den Verbleib des gelben ADAC-Hubschraubers vom Typ BO 105 am Standort.

Am 19. Januar 1998 erhielt die Medizinische Klinik in Wolfenbüttel das internationale Qualitätszertifikat nach der Isonorm 9002 verliehen und stieg damit endgültig in die erste Reihe der Krankenhäuser in Deutschland auf. Zuvor galt es, eine Liste von Qualitätsmerkmalen zu erfüllen, die in 20 Kapiteln eines Qualitätsmanagementbuches aufgeführt waren. Bisher konnten nur 15 Krankenhäuser in Deutschland die hohen Anforderungen erfüllen.

Am 9. Dezember 1998 kam es zu einem Wechsel im Direktorium des Städtischen Krankenhauses Wolfenbüttel. Als neue ärztliche Direktorin führte der damalige Wolfenbütteler Bürgermeister Axel Gummert Dr. Elke Meyer, Chefärztin der Abteilung der Röntgendiagnostik und Nuklearmedizin, in das Amt ein. Ihr Stellvertreter wurde der damalige Privatdozent Dr. Heinrich Keck, Chefarzt der Chirurgischen Klinik.

Als Erfolgsgeschichte hatte sich längst das Schlaflabor des Städtischen Krankenhauses entwickelt. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung (DGSM) erkannte die Einrichtung nach einem Besuch im November offiziell an. Bundesweit gab es 161 akkreditierte Schlaflabore, jedoch nur wenige in Norddeutschland. Auch Hannover und Braunschweig verfügten zu diesem Zeitpunkt über keine Schlaflabore. Dieses war in Wolfenbüttel bis Mai 2000 ausgebucht. 500 Patientinnen und Patienten konnten die Wolfenbütteler Ärzte in den drei Jahren, in denen das Labor existierte, bereits helfen.


Für 1,8 Millionen Deutsche Mark beschloss das Wolfenbütteler Krankenhaus die Anschaffung eines Linkherzkathetermessplatzes. Bisher mussten Patienten, die an diesem Großgerät untersucht wurden, in Göttingen behandelt werden.

Um die Jahrtausendwende kam es im Städtischen Krankenhaus zu einer Reihe personeller Ver­än­derungen. Am 3. April 2000 übernahm Ralf Harmel von Ingeborg Markgraf-­Jakob die Position des neuen Pflege­direktors und gehört seitdem dem vierköpfigen Direktorium des Wolfenbütteler Klinikums an.

Weitere Neueinstellungen für eine strategische Neuausrichtung folgten: Professor Dr. Dirk Hausmann nahm am 1. September des Jahres seine Tätigkeit als neuer Chefarzt der Medizinischen Klinik, Abteilung Kardiologie, auf. Der Herzspezialist wirkte zuvor in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Das Städtische Krankenhaus Wolfenbüttel feierte 2000 mit 11.185 Patientinnen und Patienten – trotz der Verringerung um fünf Planbetten im vorausgegangenen Jahr – zum zehnten Mal in Folge eine neue Höchstmarke bei den Belegungszahlen. Dies war eine deutliche Bestätigung dafür, dass das Wolfenbütteler Krankenhaus in der Region und darüber hinaus einen sehr guten Ruf genoss.

Auch die Frauenklinik des Städtischen Krankenhauses erhielt mit Dr. Walter Dallacker am 1. Januar 2001 einen neuen Chefarzt, der das Zepter zum 1. November 2006 an Matthias Buhles weitergab.

Die „Städtisches Klinikum Wolfenbüttel gGmbH“ wird gegründet

Der 8. Oktober 2001 markierte ein historisches Datum. Mit dem Eintrag in das Handelsregister war die Gründung der „Städtisches Klinikum Wolfenbüttel gemeinnützige Gesellschaft mbH“ offiziell vollzogen. Das „Städtisches Krankenhaus Wolfenbüttel“ gehörte der Vergangenheit an. Mit der Veränderung der Rechtsform war der wichtigste Grundstein für den Umgestaltungsprozess des Wolfenbütteler Krankenhauses erfüllt. Gesellschafterin der Einrichtung wurde zu 100 Prozent die Stadt Wolfenbüttel.

Im Juli 2002 ging das Städtische Klinikum Wolfenbüttel mit neuen Erweiterungsplänen an die Öffentlichkeit. Geplant wurde, das Wolfenbütteler Klinikum für 15,5 Millionen Euro zum medizinischen Zentrum und einem der modernsten Krankenhäuser in Deutschland umzuwandeln, um im immer größer werdenden Wettbewerb untereinander zu bestehen. Sowohl am Ost als auch am Westflügel des Städtischen Klinikums sollten ab 2004 umfangreiche Baumaßnahmen begonnen werden, aber auch der Eingangsbereich mit einer Halle und einer Cafeteria mit Serviceangeboten kundenfreundlich neugestaltet werden.

Nach mehrjährigen Verhandlungen integrierte das Städtische Klinikum Wolfenbüttel im April 2004 die ebenfalls am Alten Weg gelegene private Frauenklinik Dr. Brachmann. In der über die Region hinaus bekannten Wolfenbütteler Klinik hatten seit den frühen sechziger Jahren rund 22.000 Kinder das Licht der Welt erblickt. Die Brachmann-Klinik siedelte in die Räumlichkeiten des Klinikums über.

Mitte Juli 2007 zog die Verwaltung des Städtischen Klinikums Wolfenbüttel vom Alten in den Neuen Weg 51 A um. Das für zwei Millionen Euro umgebaute ehemalige Gebäude der ehemaligen Bundesfachschule für das Konditorenhandwerk beherbergte nun die Geschäftsführung, die Pflegedirektion, den Betriebsrat und die Verwaltung des Städtischen Klinikums. Im Erdgeschoss wurde ein Schulungs- und Kongresszentrum mit Kapazitäten für bis zu 190 Personen eingerichtet.

Im Mai 2007 übernahm Dr. Thomas Hockertz die Leitung der zuvor aus der chirurgischen Klinik herausgelösten Unfallchirurgie und entwickelte diese bei ständig steigender Inanspruchnahme kontinuierlich weiter. Mit annähernd 500 Endoprothesen im Jahr hat sich das mittlerweile zertifizierte Endoprothesenzentrum überregional etabliert.

Anfang Oktober 2007 wurde die neue Zentrale Aufnahme (ZA) im Städtischen Klinikum in Betrieb genommen. Interdisziplinär wurden die Aufnahmebereiche der Chirurgischen Notfallambulanz und der Inneren Medizin zusammengelegt. Erreichbar war die ZA durch die wenige Tage zuvor neu eröffnete Eingangshalle.

Statt auf den Fluren zu warten, erhielten die Patientinnen und Patienten ein eigenes Wartezimmer. In insgesamt sechs Patientenzimmern mit jeweils zwei Betten verblieben die Kranken oder Verletzten, bis die ärztliche Diagnostik abgeschlossen war und die Verlegung auf die Stationen erfolgen konnte.

Nach einer umfassenden Renovierung und Modernisierung konnte die physiotherapeutische Abteilung am 3. Februar 2010 in ihre neuen Räume ziehen. Nach dem Umbau, in den das Klinikum 200.000 Euro investiert hatte, standen drei Behandlungsräume und ein Gruppenbehandlungsraum zur Verfügung.

Gemeinsam mit Euradia, einer Braunschweiger Gemeinschaftspraxis für Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin, die sich einen Standort in Wolfenbüttel aufbauen wollte, legte das Klinikum im September 2011 den Grundstein für die hochmoderne Radiologie, die von Dr. Hans-Kristian Klocke und Dr. Fabian Weise geleitet wird.

Ein wichtiges Projekt des Klinikums Wolfenbüttel war das Traumazentrum, das im Dezember 2011 als lokales Zentrum zertifiziert wurde. Mit den Kliniken in Braunschweig, Wolfsburg, Celle, Gifhorn, Helmstedt und Uelzen vernetzte es sich zum Trauma-Netzwerk Nordost-Niedersachsen. Das Ziel war, dass verletzte Patienten innerhalb von spätestens 30 Minuten in ein geeignetes Krankenhaus gebracht und versorgt werden.

Bereitschaftspraxis nimmt den Dienst auf

Die Einrichtung einer Bereitschaftspraxis der niedergelassenen Ärzte im Klinikum war eine Neuerung für den ganzen Landkreis Wolfenbüttel. Nach langer Vorbereitung eröffnet sie am 2. März 2012. Betrieben wird der Service von der Kassenärztlichen Vereinigung, das Modell hatte sich vorher bereits in Braunschweig, Wolfsburg und Gifhorn bewährt.

Zum 1. Mai 2012 trat Professor Dr. Kinan Rifai die Nachfolge von Professor Dr. Bernd Limberg als Chefarzt der Gastroenterologie an. Seine Expertise hat Professor Dr. Rifai ebenfalls an der Medizinischen Hochschule Hannover erworben. Am 1. September 2012 übernahm Dr. Tobias Jüttner die Leitung der Klinik für Anästhesie, operative Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin von seinem Vorgänger Privatdozent Dr. Walter Seyde. Die Ärzte der Klinik versorgen als Notärzte im Rettungshubschrauber Christoph 30 und im bodengebundenen Rettungsdienst, führen sämtliche Narkosen durch und kümmern sich um die ärztliche Versorgung der operierten Patienten auf der Intensivstation und die Schmerztherapie.


Zum 1. Juli 2013 trat Axel Burghardt nach der Interimsgeschäftsführung durch Verwaltungsdirektor Klaus Salge als neuer Klinik-Chef die Nachfolge von Joachim Kröger als Geschäftsführer an und leitet seitdem die „Städtisches Klinikum Wolfenbüttel gGmbH“. Zum 31. Dezember 2013 endete der Betriebsführungsvertrag mit den Sana-Kliniken. Dieses über mehr als zwei Jahrzehnte höchst erfolgreiche Modell der Führung eines kommunalen Krankenhauses hatte angesichts der Privatisierungswelle im Krankenhauswesen ausgedient. Seitdem ist der Geschäftsführer Angestellter des Klinikums und kann sich vollständig auf das von ihm zu führende Klinikum konzentrieren.

Am 27. April 2015 wurde mit dem ersten Spatenstich für ein neues Ärztehaus auf dem Gelände des Klinikums der Grundstein gelegt für neue Maßstäbe in der regionalen Patientenversorgung. Als das Med51! am 16. September 2016 nach eineinhalbjähriger Bauzeit feierlich eingeweiht wurde, waren rund vier Millionen Euro verbaut worden.


Auch mit dem Ruhestand des langjährigen Chefarztes und Ärztlichen Direktors Professor Dr. Heinrich Keck zum 30. November 2016 ging eine Ära zu Ende. Professor Dr. Keck konnte seine ausgezeichnet aufgestellte Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Minimal–invasive Chirurgie an Dr. Mark Jäger übergeben, der seine Erfahrungen aus der Medizinischen Hochschule Hannover mitbringt. Am 17. Januar 2017 wurde Professor Dr. Dirk Hausmann vom Kollegium der Chefärzte zum neuen Ärztlichen Direktor des Klinikums Wolfenbüttel für drei Jahre gewählt.

Investieren in die Zukunft

Auch im Jubiläumsjahr wird natürlich weiter für die Zukunft investiert. Die anstehende 15-Millionen-Euro-Baumaßnahme kann als abschließender Schritt der bereits durchgeführten großen Um- und Erweiterungsmaßnahmen gesehen werden. Damit wird zum einen über dem Neubau der Zentralen Aufnahme ein neuer OP-Trakt samt Technikzentrale entstehen. Zum anderen sind noch zwei Stationen im Gebäudebestand zu sanieren. Wegen des höheren Platzbedarfs in den Patientenzimmern wird zudem eine Station baulich erweitert und eine zurzeit anderweitig genutzte Station einbezogen.

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