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Jüdischer Gedenkstein, 1988

Jüdischer Gedenkstein, 1988
Jüdischer Gedenkstein, 1988
Matthias Langer © Stadt Wolfenbüttel

An das dunkelste Kapitel der deutschen Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung zur Zeit des Nationalsozialismus, erinnert in Wolfenbüttel unter anderem die Synagogen-Gedenktafel in der Lessingstraße 12. Allgemein wurde das Schicksal der jüdischen Opfer in Deutschland, wie auch in Wolfenbüttel, erst spät in Form expliziter Gedenkstätten visualisiert. Hingegen wurde schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem auf Friedhöfen, verschiedenen Opfergruppen wie sowjetischen Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern, Gefallenen und politisch Verfolgten eine Vielzahl von Denkmälern gewidmet. Der Gedenkstein am Lessingplatz wurde fünfzig Jahre nach der Reichsprogromnacht von der Stadt Wolfenbüttel errichtet. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 hatte die SS die 1893 von Constantin Uhde erbaute Synagoge in der Lessingstraße angezündet. Als die nahegelegene Feuerwehr eintraf, war sie bis auf die Umfassungsmauern zerstört. Zentraler Bestandteil der Inschrift sind Worte der am 8. Mai 1985 im Bundestag anlässlich des 40. Jahrestages der Befreiung von Nationalsozialismus gehaltenen Rede des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker: WER ABER VOR DER VERGANGENHEIT DIE AUGEN VERSCHLIESST, WIRD BLIND FÜR DIE GEGENWART. In diesem Sinne hatten Lehrer und Schüler des Gymnasiums im Schloss die Initiative zur Errichtung des Gedenksteins ergriffen. 1988 äußerte Gábor Lengyel, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinschaft in Braunschweig, die Hoffnung, durch das Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft "Kraft in unserem täglichen Ringen gegen Grausamkeit und Vorurteil, gegen Tyrannei und Verfolgung" [3] zu gewinnen.
Der Findling wurde unmittelbar nach der Einweihung zweimal geschändet und die Inschrift vom Steinmetzbetrieb Kraft zum Schutz vor weiteren Zerstörungen tiefer gesetzt. Dies verdeutlicht die Relevanz und Aktualität von Erinnerung und Mahnung.

Text von Elisabeth Vorderwülbecke

zu [3]: Wolfenbütteler Zeitung, 10.11.1988

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