Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Zum Aktivieren des Google-Übersetzers bitte klicken. Wir möchten darauf hinweisen, dass nach der Aktivierung Daten an Google übermittelt werden.
Mehr Informationen zum Datenschutz

Zurück

Standort sehen

Artillerie-Brunnen, 1922

Artillerie-Brunnen, 1922
Artillerie-Brunnen, 1922
Matthias Langer © Stadt Wolfenbüttel

Der Artillerie-Brunnen ist den 1.324 im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten der Niedersächsischen Feldartillerie Regimenter Nummer 46,19,100 und 94 gewidmet. Das stolze 46er-Regiment war bis 1918 in der Lindener Straße in Wolfenbüttel stationiert.
Die Durchführung der architektonisch gelungenen, unter Denkmalschutz stehenden Gesamtanlage leitete der Braunschweiger Architekturprofessor Hermann Pfeifer. Entwurf und Modelle stammen aus der Hand des Braunschweiger Professors Jacob Hoffmann, die Fertigung lag bei der Braunschweiger Firma Zerries. Als Standort des Ehrenmals wurde der Kaiserplatz (heute Holzmarkt) vor der Trinitatiskirche ausgewählt.
Die gesamte Anlage sollte durch die Verbindung von Ehrenmal mit Brunnen der Stadt zur Zierde gereichen. Das sechs Meter große Brunnenbecken wird aus vier Löwenmäulern der Mittelsäule gespeist. Der auf der Säule ruhende quadratische Aufbau ist mit vier vergoldeten Inschriften verziert. Er verjüngt sich helmartig und wird vom Zeichen der Artillerie, der flammenden Kanonenkugel, bekrönt. Das umlaufende Beckenrelief zeigt fahrende Batterien der Feldartillerie. Reduktion, Verzicht auf Details und Stilisierung prägen das Flachrelief.
Die markige, aber für die Zeit typische Begrüßungsrede des ersten Feldzugskommandeurs der 46er bei der Einweihung des Denkmals zeigt, dass die Niederlage im Ersten Weltkrieg nicht akzeptiert und auf die Wiederherstellung des Status quo ante bellum abgezielt wurde: "Deutschland ist mit ehrlichen Waffen nicht besiegt: das kann uns mit Stolz erfüllen, darin liegt unser Hoffnung und Gewißheit, daß es wieder aufsteht. Noch ist der Weltkrieg nicht zu Ende; das Spiel geht weiter." [11]
Im Anschluss an die Brunnen-Einweihung wurden, vom Braunschweiger Gewerbeschuldirektor Rudolf Curdt entworfene Tafeln mit den Namen der Gefallenen in der damaligen Garnisonskirche geweiht. Vom Geist der Zeit zeugten vier kriegsververherrlichende Sprüche von Ferdinand von Freiligrath (1810-1876). So hieß es dort:
IHR HIELTET TREUE BIS ZUM TOD, WENN WIR AUCH JETZT IM STAUBE GEH'N; DER GESIT, DER EURE BRUST DURCHLOBT, LÄßT DEUTSCHLAND WIEDER AUFERSTEHEN. [12]

Am Volkstrauertag 1968 protestierte eine Gruppe junger Erwachsener, darunter ein Theologiestudent aus Groß Dahlum, während des Gottesdienstes gegen diese Tafeln. Der Kirchenvorstand ließ die Sprüche anschließend mit Blenden verdecken.
Aufgrund des Ausbaus der Bundesstraße wurde der Brunnen in die Wallanlagen umgesetzt und "vierzig Jahre nachdem wir in Wolfenbüttel zu den Fahnen eilten" [13] am 1. August 1954 feierlich wider eingeweiht.

Text von Elisabeth Vorderwülbecke

zu [11]: Mitteilungen der Vereinigungen der Feldzugsoffiziere des Niedersächsischen Feldartillerie-Regiments Nr. 46, 2. Jg. 15.12.1922, Nr. 4, in: NLA WO, 34 N 4, Fb. 9 Nr. 4626 - Errichtung eines Ehrendenkmals der Garnison Wolfenbüttel und Einweihung des Wolfenbütteler Artilleriedenkmals, S. 26
zu [12]: NLA WO, 34 N 4, Fb. 9 Nr. 4428
zu [13]: NLA WO, 34 N 4, Fb. 9 Nr. 4626

 Barrierefrei erreichbar