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Bürgerfriedhof hinter der Trinitatiskirche

Lage des Bürgerfriedhofs
Lage des Bürgerfriedhofs
© Stadt Wolfenbüttel

Der Bürgerfriedhof hinter der Trinitatiskirche, ehemals »Der Alte Gotteslagersche Kirchhof«
(Nr. 2 im Übersichtsplan)

Tritt der Spaziergänger durch die Torbögen der Trinitatiskirche, so tun sich vor ihm die Parkanlagen am Stadtgraben auf. Hier, östlich der Festungswerke, lag außerhalb des Kaisertores schon vor langen Zeiten der ›Alte Gotteslagersche Kirchhof‹. Auf der 1620 von Elias Holwein geschaffenen Stadtansicht ist der Kirchhof mit der kleinen Dreifaltigkeitskirche gut zu erkennen.

Angelegt wurde dieser Friedhof im ausgehenden 16. Jahrhundert für die Gemeinde der durch Herzog Julius neu gegründeten Vorstadt Gotteslager (heute Juliusstadt). Der Bau der Dreifaltigkeitskirche ist 1588/89 bezeugt. Im Pestjahr 1597 erlagen innerhalb weniger Monate mehr als 400 Personen der Seuche. Das Friedhofsgelände war bald mit Gräbern gefüllt.Woltereck schreibt, dass es 1603 nötig wurde, den »uhralten Gottes-Acker vorm Kayser-Thor zu vergrössern«. Auf Anweisung »damaliger Landes-Herrschaft« mussten der Großvogt Arnd von Kniestedt und der Baumeister Paul Francke diese Erweiterung vornehmen. Die Schloss-Gemeinde (zeitweilig eine eigene Gemeinde in der Dammfestung) und die Gemeinde der Marienkirche erhielten hier eigene Bestattungsbereiche. Es ist zu vermuten, dass in dieser Zeit wegen der Bauarbeiten an der neuen Hauptkirche der dortige Begräbnisplatz nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stand und auf diese Weise Ersatz geschaffen wurde.

Von Problemen besonderer Art berichtet Woltereck ebenfalls: »Anno 1615 begonnte die Mauer um dem Kirchhof schadhaft zu werden und zu verfallen ...«. Die Inhaber der Erbbegräbnisse waren zur Instandsetzung der Mauer aufgefordert. Dieses unterblieb offenbar, denn »... Anno 1618 war der Gottes-Acker von Plancken und Mauren (...) noch dergestalt entblösset, daß täglich Kühe, Schweine und ander Vieh, welche die Cörper fast aus den Gräbern wieder aufwühleten, sich häufig und ungehindert darauf finden liessen; mithin vorüber reisende Fremde bey solchem Anblick schier in die Gedancken geriethen: als wäre dieses Orts keine Gottesfurcht mehr bey den Leuten ...«.

Für den Preis von 1.639 Talern 29 Groschen und 4 Pfennigen wurde eine neue Mauer errichtet, die dann bald von einem heftigen Windsturm wieder beschädigt worden ist. Aber dieser Windsturm mag wohl nur »... ein Vorbote solcher nahen über ihn ergangenen Krieges-Stürme gewesen seyn.« Der 30jährige Krieg mit dänischer Besetzung sowie Belagerung und Einnahme durch die Pappenheim’schen Truppen verwüstete den Gottesacker aufs schwerste. Insbesondere die dänischen Söldner hielten sich an keine Friedhofsordnung, hoben beliebig Gräber aus, die nur flache Gruben waren, und verscharrten ihre Toten darin. 1627 hatte man den Friedhof großteils eingerissen, eine Schanze gezogen und eine Fahrstraße dahin angelegt. Aus diesem Grund mussten »52 Tote aufgegraben und anderswo bestattet ...« werden.

Herzog August d. J. ließ in seiner Regierungszeit nach dem 30jährigen Krieg die Festungsanlagen verstärken und erweitern. Ein Teil des wieder hergerichteten Kirchhofes wurde geräumt. Darauf entstand ein neues Bollwerk, die Bastion Corneliusberg, deren Überreste heute als Garnisonsberg bekannt sind. 1655 musste auch die Dreifaltigkeitskirche diesen Baumaßnahmen weichen. Baumaterial der Kirche wurde zur Errichtung der Johanniskirche in der Auguststadt verwendet.

Das verbleibende, nunmehr innerhalb der neuen Festungswerke liegende Friedhofsareal wurde angeschüttet. Es diente weiterhin als Gemeindefriedhof der Schloss-Gemeinde, der Gemeinde der Marienkirche sowie der Dreifaltigkeits- bzw. Trinitatisgemeinde. Mitunter wurde er als der ›Friedhof am Walle‹, nach dem Neubau der Trinitatiskirche an der Stelle des ehemaligen Kaisertores auch als ›Bürgerfriedhof hinter der Trinitatiskirche‹ bezeichnet.

Im Jahre 1905 fand hier die letzte Beisetzung statt, 1911 ging das Gelände in städtischen Besitz über. 1934 war bereits eine Parkanlage entstanden, in der sich immerhin noch 273 Grabsteine mit Inschriften befanden. In der folgenden Zeit bestanden Pläne zur Räumung des Geländes. Durch den Einspruch von Bürgern konnte diese Maßnahme verhindert werden. Dennoch verschwanden viele der Steine mit der Zeit nicht nur durch Witterungseinflüsse, sie waren auch willkommenes Baumaterial in Privathäusern und Gärten. Am 2.7.1962 wurde das Gelände offiziell als Friedhof entwidmet und teilweise zur Bebauung freigegeben. Es entstand die Dreifachturnhalle am Landeshuter Platz und in jüngerer Zeit die Parkpalette. Der größere Teil zum Stadtgraben hin ist als Parkanlage erhalten geblieben.

Den heute so beschaulich daliegenden Parkanlagen wird der Spaziergänger diese wechselvolle Geschichte kaum glauben. Die wenigen erhaltenen Grabsteine stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert; ihre Inschriften sind ausnahmslos in deutscher Sprache abgefaßt. Die älteren, noch nach Art der Barockzeit reich ornamentierten und als Stelen aufgerichteten Steine sind oft von beiden Seiten beschriftet. Auch hier kann man über Schicksale und Frömmigkeit der Verstorbenen manches erfahren.

Auffallend anders gestaltet sind die Steine des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts, der Epoche des Klassizismus, die in Architektur und Kunst stilbestimmende Elemente der Antike wieder aufgriff. Diese Ausrichtung auf die Antike machte sich auch bei der Gestaltung von Grabmalen bemerkbar. Bereits 1769 hatte Gotthold Ephraim Lessing in seiner Untersuchung ›Wie die Alten den Tod gebildet‹ antike Grabmale beschrieben und gedeutet. Lessing erläutert die Darstellung eines geflügelten Jünglings, eines Genius, der eine gesenkte Fackel hält, in der anderen Hand einen Kranz und über dem Kranze ein Schmetterling: »... Vielmehr spricht alles«, so meint Lessing, »was um und an diesem geflügelten Jünglinge ist, für das Bild des Todes. (...) Was kann das Ende des Lebens deutlicher bezeichnen als eine verloschene, umgestürzte Fackel? Und der Kranz in seiner Linken? Es ist der Totenkranz. (...) Endlich der Schmetterling über diesem Kranze? Wer weiß nicht, daß der Schmetterling das Bild der Seele und besonders der von dem Leibe geschiedenen Seele vorstellet?«

Der große Dichter und Gelehrte Gotthold Ephraim Lessing, der die letzten elf Jahre seines Lebens in Wolfenbüttel als Direktor der Herzoglichen Bibliothek zubrachte, liegt nicht hier begraben. Seinen Grabstein auf dem Magnifriedhof in Braunschweig ziert das eigene Porträt. Aber den von Lessing beschriebenen Schmetterling, das Sinnbild für die unsterbliche Seele: Hier in den Parkanlagen hinter der Trinitatiskirche findet man ihn mehrfach wieder. Ein besonders schönes Exemplar schmückt die Familiengrabstätte der Bankiersfamilie Seeliger. Auch gesenkte Fackeln als Zeichen verlöschenden Lebens und der geflügelte Genius sind auf Steinen oder eisernen Kreuzen zu entdecken. Der aufmerksame Betrachter wird noch eine Reihe weiterer symbolhafter Darstellungen vorfinden. Einige der gebräuchlichsten Symbole seien hier genannt:

– Der Efeu bedeutet, dass die Seele lebt, auch wenn der Körper tot ist.
– Die Schlange, die sich in den Schwanz beißt, gilt als Kreislauf der Zeit.
– Die Wasserkanne gilt als Segenszeichen der Reinigung von den Sünden.
– Die Amphore weist u. a. auf den Leib als zerbrechliches irdenes Gefäß.
– Die Sanduhr deutet auf die Vergänglichkeit, die schnell enteilende Zeit.
– Die (zerbrochene) Säule zeigt die Vergänglichkeit des Irdischen.
– Die umgestürzte Fackel zeigt: Das Leben ist erloschen.
– Der Schmetterling steht für die Unsterblichkeit der Seele.
– Die Öllampe (Lampensymbolik) ist mit der Lichtsymbolik verbunden.
– Der Stern ist ebenfalls ein Zeichen des Lichts.
– Sternengruppen könnten anhand der Zahlensymbolik gedeutet werden, z. B. die Sechs als Zahl der Schöpfung, die Sieben als Zahl der Offenbarung, die Acht als Zahl der Vollendung und der Auferstehung.

Auffällig ist ein recht gut erhaltenes Denkmal in Form einer Fiale, eines schlanken dreieckigen Türmchens mit spitzem Dach. Es ist das Grabmal für den 1879 verstorbenen Hofchirurgen August Th. Meyer. An zwei Seiten ist das Emblem eines sechsstrahligen Sternes (griech. Hexagramm) zu sehen. Ein solcher Stern, gebildet aus zwei übereinander geschobenen Dreiecken, ist als jüdisches Glaubenssymbol Davidstern bekannt. Als ›Siegel Salomos‹ ist das Hexagramm auch in anderen Kulturen ein verbreitetes Symbol. In diesem Falle weist das Hexagramm auf die Zugehörigkeit des Verstorbenen zur Freimaurerloge hin. In Wolfenbüttel findet man es auch am Logenhaus der Freimaurerloge ›Wilhelm zu den drei Säulen‹ in der Kanzleistraße.

Die weitaus größte Zahl der Grabstätten auf diesem Friedhof sind nicht erhalten geblieben. Erinnert sei an die Begräbnisstätte der Juristenfamilie Leiste. Aus dieser Familie stammte Bertha Leiste, die Ehefrau des Schriftstellers Wilhelm Raabe.

Auch der Name des Mühlenbesitzers Schünemann ist durch das Gebäude der ›Schünemannschen Mühle‹ (heute Bundesakademie für kulturelle Bildung) in Wolfenbüttel noch präsent. Diese Familie hatte ihre Grabstätte ebenfalls hier.

Das prominenteste Begräbnis dieses Friedhofs ist das von Eva Lessing, der im Jahre 1778 verstorbenen Ehefrau von Gotthold Ephraim Lessing. Die genaue Ruhestätte konnte später nicht ermittelt werden, da kein Grabstein mehr vorhanden war. Die Nachkommen ihrer Tochter Malchen, Familie Henneberg, haben ihr im Jahre 1929 einen Gedenkstein am Rande der Anlage setzen lassen.

Begräbnisse in der Trinitatiskirche

Der auf den Grundmauern des Kaisertores errichtete erste Bau der Trinitatiskirche hatte nur kurze Zeit Bestand: Bereits fünf Jahre nach ihrer Weihe wurde die Kirche im Jahre 1705 durch einen Blitzschlag entzündet und brannte bis auf die Türme und die Umfassungsmauern ab. Der zweite Kirchenbau, die heutige Trinitatiskirche, wurde nach Plänen des Baumeisters Hermann Korb errichtet und 1719 geweiht. Eine Krypta ist nicht vorhanden, aber auch in dieser Kirche wurden einige Jahrzehnte lang unter dem Kirchenboden Bestattungen vorgenommen. Mehr als zwanzig überaus prächtige Epitaphe im Innenraum der Kirche legen davon Zeugnis ab, dass es sich dabei meist um hochgestellte Angehörige der Hofbeamtenschaft gehandelt haben muss.

Seit 1732 diente die Trinitatiskirche zusätzlich der Militärgemeinde als Garnisonskirche zu Gottesdiensten. Rechts und links neben dem Kanzelaltar befinden sich Tafeln mit den Namen der im 1.Weltkrieg gefallenen Soldaten der Garnison. Die Namen der gefallenen Gemeindemitglieder aus beiden Weltkriegen sind in einem Buch in einer Fensternische verzeichnet.

Text: Evelyne Kunkel