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Johanniskirchhof

Lage des Johanniskirchhofs (1899)
Lage des Johanniskirchhofs (1899)
© Stadt Wolfenbüttel

Johanniskirchhof
(Nr. 6 im Übersichtsplan)

Westlich der Altstadt und des Schlossbezirkes liegt der Stadtteil Auguststadt. Der Besucher, der den Verkehrslärm der Jägerstraße hinter sich gelassen hat, taucht nach wenigen Schritten in eine Idylle ein: Die Schleusenbrücke führt über einen Okerarm in die beschauliche Rosenmüllerstraße. Vom Stundenschlag einer Kirchturmglocke angezogen, wendet man sich nach links in die Glockengasse und steht bald vor einer kleinen, von Grünflächen umgebenen Fachwerkkirche. Es ist die St. Johanniskirche, die inmitten des ehemaligen Kirchhofes liegt. Hier erinnern nur noch wenige Grabmale daran, dass auf diesem Terrain einmal der Friedhof eines ganzen Stadtteils lag.

Herzog August d. J. ließ diese Siedlung als Handwerkervorstadt nach den Verwüstungen des 30jährigen Krieges neu anlegen. Zu Ehren des Herzogs erhielt sie den Namen Auguststadt. Die ältesten Häuser aus dem 17. Jahrhundert sind heute noch an der Jägerstraße und an der Dr.-Heinrich-Jasper-Straße (ursprünglich die Neue oder Breite Straße genannt) zu erkennen. Die Vorstadt wuchs und es entstanden bei den Bewohnern der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus und der Bedarf für einen Kirchhof. Herzog August förderte den Bau der Kirche, indem er Baumaterial der abgetragenen Dreifaltigkeitskirche im Gotteslager zur Verfügung stellte und durch Spenden auch für die angemessene Gestaltung des Innenraumes sorgte. Trotz seines hohen Alters von 84 Jahren nahm der Herzog 1663 selbst am Richtfest teil; die Weihe der Kirche und die Anlage des Begräbnisplatzes erfolgte noch im selben Jahr.

Im Inneren des Kirchenraumes konnten vornehme Gemeindemitglieder, meist aus der Hofbeamtenschaft entstammend, ihre letzte Ruhestätte finden. Epitaphe an der Innenwand der Kirche und Grabplatten auf dem Kirchenfußboden weisen noch heute darauf hin. Der prominenteste der hier beigesetzten Hofbeamten war der Herzogliche Landbaumeister Hermann Korb. Zwar war er vom Herzog Anton Ulrich geadelt worden, machte aber von dem Adelsprädikat keinen Gebrauch. Entsprechend schlicht ist auch die Grabplatte an der südlichen Innenwand der Kirche, aus deren Inschrift die Bedeutung des Verstorbenen hervorgeht.

Gleich daneben befindet sich die ebenso schlichte Grabplatte der Ruhestätte von Johann Rosenmüller. Der Komponist, nach dem die erwähnte Straße benannt ist, wurde von Herzog Anton Ulrich als ›Capell-Director‹ nach Wolfenbüttel berufen. Er lebte hier nur zwei Jahre lang und starb am 12. September 1684. Die Inschrift der Grabplatte ist in lateinischer Sprache abgefasst, eine Übertragung ins Deutsche liegt aus.

Die heutige Grünfläche rings um die St. Johanniskirche diente einst den hier eingepfarrten Gemeindemitgliedern als Begräbnisplatz. Im Jahre 1879 musste der Kirchhof wegen Vollbelegung geschlossen werden. Erweiterungen waren wegen der engen Bebauung in der Auguststadt nicht möglich. Sehr vereinzelt wurde noch nach der Schließung in Erbgrabstätten beigesetzt oder es gab Begräbnisse besonders verdienter Pastoren der Gemeinde. Von der ehemaligen Friedhofsanlage sind nur sieben Grabdenkmäler erhalten geblieben.

Das markanteste dieser Denkmäler liegt an der Nordseite der Kirche, gegenüber dem Eingang. Drei Stufen führen zu einem runden Sockel aus Sandstein, an dem sich vier mit Efeuranken verzierte Felder befinden. Nur zwei davon tragen eine Inschrift. Der Sockel ist bekrönt von einem etwa 2 m hohen dreiseitigen Sandsteinobelisk. An jeder der drei Seiten ist eine mit Blütenkränzen und Schleifen geschmückte ovale Kartusche ohne Inschrift zu sehen, über einer davon schwebt ein Schmetterling. Die Inschrift am Sockel ist stark verwittert und nur noch teilweise zu entziffern; auf der Vorderseite lautet sie:

Hier ruht Ernst Conrad Carl Bleibtreu
weil. Prediger der St. Johannis Kirche hieselbst
Er starb d. XXIV Dec. MDCCC im XL Jahre seines Alters
Im IX Jahre seines Amtes

Der Inschrift auf der Rückseite ist zu entnehmen, dass dem Verstorbenen dieses Denkmal von seinen Geschwistern gesetzt wurde.

Eine weitere bemerkenswerte Gedenktafel wurde als Epitaph an der südlichen Chorwand angebracht. Sie ist reich verziert mit Ornamentik und Akanthusblättern, obenauf thront ein Putto, der eine Krone hält. Rechts und links davon waren vermutlich Kreuze, die verloren gegangen sind. Auf einem Spruchband sind nur noch einige Worte leserlich. Die Gedenkinschrift für den Verstorbenen lautet:

Nach vielen Mühseligkeiten des Lebens ist von der Wahlstatt dieser eitelen und plagenden Welt abgetreten und in die friedfertigen und seligen Wohnungen des Himmels eingeführet worden Herr JACOB SIEGMANN Fürst, Braunschw, Lüneb, wohlbestallter CAMMERRATH. Im Jahr 1671 den 15. Augusty ist er von schriftlichen Eltern zu Scheppenstedt gebohren und in den Orden der guten Streiter Christi durch die seelige Wiedergeburth aufgenommen worden. Die Geschwindigkeit seiner Feder und der Eifer für die Wohlfarth des Landes haben ihme ansehnlige Dienste verschafft. Im welchen er sich in der Zeit klug, geschickt und treu erwiesen bey zunehmenden Alter aber hat er mit mancherley Leib und Gemüth durchdringenden alle Kräffte entziehenden Kranckheiten kämpfen müssen bis Gott den letzten Sieg geschencket und er völlig frey gemachet worden von dem Leibe dieses Todes den 2. Decem. 1731 nachdem er sein Leben gebracht auf 60 Jahr 15 Wochen und 3 Tage.
Tim 4 V7

Zwei weitere Epitaphe an der westlichen Kirchenmauer wären noch zu lesen, sind aber wegen des stark wachsenden Buschwerkes schlecht zugänglich. Drei weitere Grabsteine neuerer Art tragen kurze Inschriften aus dem ausgehenden 19. bzw. beginnenden 20. Jahrhundert.

Text: Evelyne Kunkel