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Triangelfriedhof

Lage des Friedhofs (Plan von 1899)
Lage des Friedhofs (Plan von 1899)
© Stadt Wolfenbüttel

Triangelfriedhof
(Nr. 7 im Übersichtsplan)

Wohl kaum ein Einwohner Wolfenbüttels erinnert sich noch an ihn und in der gängigen Literatur wurde er bis jetzt nicht erwähnt: der Triangelfriedhof. Nach seiner dreieckigen Grundfläche als Triangel bezeichnet, war er von »mangelhafter Beschaffenheit« und hatte eine »... üble Geltung im Volksmunde ...«.

Aus Akten und Plänen des landeskirchlichen Archivs lässt sich die Geschichte und die Lage dieses Friedhofes rekonstruieren:

In der alten Garnisonsstadt Wolfenbüttel wurde es Mitte des 18. Jahrhunderts nötig, ein Militärlazarett zu bauen. Herzog Carl I. ließ dafür ein großes Fachwerkgebäude an der Jägerstraße errichten. Noch heute findet man an diesem sonst schlichten Gebäude, das bis 2009 als Jugendgästehaus genutzt wurde, Hinweise auf die ursprüngliche Bestimmung. Die Kartusche mit dem doppelten C (Herzog Carl) über der Eingangstür ist umrahmt von allerlei Kriegsgerät: Standarten, Kanonen und Kugeln, Pulverfässer und Trommeln sind zu sehen. In diesem Militärlazarett wurden nicht nur verwundete Soldaten gepflegt, es diente auch als Hospital für Invaliden und Veteranen. Die Größe des Gebäudes lässt erahnen, dass hier viele Menschen Unterkunft gefunden haben müssen. Die wenigsten dieser ehemaligen Soldaten waren in einer Wolfenbütteler Pfarrgemeinde eingepfarrt, so dass bei ihrem Tode kein Begräbnisplatz auf einem Gottesacker einer Kirchengemeinde zur Verfügung stand. Aus diesem Grund wurde im Jahre 1756 »... vor dem Augustthore am Fußwege nach Stöckheim ...« ein Friedhof eingerichtet, »... welcher (...) blos für die im Lazarett und Hospitale auf der Auguststadt verstorbenen ...« bestimmt war.

Schon bald wurde die Lazarettverwaltung angewiesen, auch bedürftige Personen des Zivilstandes in das Hospital aufzunehmen und »... der s. g. Triangel ...« am 18. Mai 1770 »... mittels eines höchsten Rescripts (...) zur Aufnahme der aus den Armen-Anstalten in der Auguststadt zu beerdigenden bestimmt.«

Die Belegung des Triangelfriedhofes geschah also ausnahmslos durch verstobene Armenhäusler und ehemalige Soldaten, die hier keine Angehörigen hatten. Es lässt sich denken, dass kaum Grabpflege stattfand. Der Friedhof verwilderte rasch, wurde nachts Zufluchtstätte für allerlei zwielichtige Gestalten und gelangte so zu einem schlechten Ansehen in der Bevölkerung.

Der Triangel war kein Gemeindefriedhof. Er lag aber innerhalb der Parochialgrenzen (Amtsbezirk) der St. Johannisgemeinde und war damit der Aufsicht ihres Kirchenvorstandes unterstellt. Er hatte eine Größe von mehr als 40 Ar und wäre wohl aufgrund angrenzender freier Ackerflächen erweiterungsfähig gewesen. Wegen der »... üblen Geltung im Volksmunde ...« sah die St. Johannis Gemeinde aber davon ab, ihn als Gemeindefriedhof zu übernehmen. Am 27.8.1879 fand auf dem Triangel die letzte Beisetzung statt, dann wurde er geschlossen. Im Jahre 1903 verkaufte man einen Teil des Geländes an die angrenzende Eisengießerei Haase mit der Auflage, Erdarbeiten hier nicht vor 1909 durchzuführen. Das andere Teilstück wurde am 1.10.1911 an den Invaliden Busch als Ackerland verpachtet.

Nach dem ersten Weltkrieg entstanden auf diesem Gelände Baracken (Notunterkünfte für Bedürftige), die sich dort noch bis zum Beginn der 60er Jahre befunden haben. Ab 1966 wurde über das Gelände die Gabelsbergerstraße geführt und die Grundstücke nach und nach mit Wohnhäusern bebaut.

Text: Evelyne Kunkel