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Hauptfriedhof an der Lindener Straße

Lage des Hauptfriedhofs (1899)
Lage des Hauptfriedhofs (1899)
© Stadt Wolfenbüttel

Hauptfriedhof an der Lindener Straße
(Nr. 10 im Übersichtsplan)

Die Friedhofsanlage

Der Hauptfriedhof, gleicht mit seiner eindrucksvollen Gartenarchitektur einer Parkanlage. Über ein Areal von rund 140.000 qm Größe erstreckt sich der zentrale Begräbnisplatz der Stadt. Der Besucher hat die Möglichkeit, den Friedhof aus verschiedenen Richtungen zu betreten: vom Kapellenweg, von der Leipziger Straße, der Ludwig-Richter-Straße, der Dietrich-Bonhoeffer-Straße oder durch den Haupteingang an der Lindener Straße.

Der Besucher, der, von den Wallanlagen kommend, den Weg über die Lindener Straße zum Friedhof wählt, wird von einer repräsentativen Toranlage in Empfang genommen. Dieses Eingangsgebäude, ein ockerfarbener Backsteinbau, besteht aus zwei Seitenflügeln und einem spitzbogigen Eingangstor mit einer schmiedeeisernen Pforte. Ein großes, mit der Zeit etwas gedunkeltes Sandsteinkreuz über dem Torbogen trägt straßenseitig als Inschrift ein Zitat aus dem Korintherbrief 15V42:

»Es wird gesäet verweslich und wird auferstehen unverweslich.«

Nach Entwürfen des Stadtbauinspektors Meyer wurde diese Toranlage errichtet und am 30.9.1886 eingeweiht. Am Baustil lässt sich eine Form des Historismus mit neugotischer Ausprägung erkennen. Ursprünglich waren die Torräume als Kapelle und Leichenhalle genutzt. Heute befinden sich darin ein Aufenthaltsraum für Trauergäste und Räumlichkeiten der Friedhofsverwaltung.

Eine Kastanienallee führt in gerader Linie auf ein Rondell in der Mittelachse zu. Hier erhebt sich auf einem Sockel aus schwedischem Granit ein besonderes Kunstwerk: die berühmte Christus-Statue des dänischen Bildhauers Berthel Thorwaldsen. Diese lebensgroße Statue aus weißem carrarischen Marmor ist eine Nachbildung, die als Schenkung des Wolfenbütteler Fabrikanten Ehrhardt der Stadt übergeben und am 12.7.1900 enthüllt worden ist. Das Original des Kunstwerkes befindet sich seit 1821 in der Kopenhagener Frauenkirche.

Durch eine weitere Stiftung erhielt der Friedhof im Jahre 1917 ein angemessenes Gebäude für Trauerfeiern: die Martin-Welger-Gedächtniskapelle, auch Martinskapelle genannt. Die Unternehmerfamilie Welger widmete die Kapelle ihrem in Russland gefallenen Sohn Martin. Eine Gedenktafel befindet sich rechts neben der Eingangstür.

Errichtet wurde die Kapelle nach Plänen des Braunschweiger Architekten Professor Georg Lübke ebenfalls im historisierenden Stil. Hier kommen byzantinische und romanische Einflüsse zur Geltung. Die Kapelle wurde auf einem kreuzförmigen Grundriss erbaut, über der Vierung erhebt sich eine kleine Kuppel. An jeder Giebelwand befindet sich ein großes bleiverglastes Rundbogenfenster. Rechts und links des Eingangsbereiches zieht sich ein Säulengang am Gebäude entlang. Ein Relief über der Eingangstür deutet auf die Bauzeit während des 1. Weltkrieges hin: Der segnende Christus ist umgeben von Soldaten. Bei der Einweihungsfeier der Kapelle am 10. November 1917 gedachte die Gemeinde der vielen gefallenen Wolfenbütteler Soldaten.

Im Jahre 1982 wurden Erweiterungs- und Renovierungsarbeiten an der Kapelle notwendig; ein Anbau auf der Rückseite fügt sich stilvoll in die Form des Gebäudes ein.

Die Anlage des Hauptfriedhofes erfolgte im ausgehenden 19. Jahrhundert. Durch die stetig ansteigenden Bevölkerungszahlen stieg auch der Bedarf an Begräbnisplätzen. Da es bei den bestehenden Friedhöfen keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr gab, kaufte der Magistrat der Stadt ein zwölf Morgen großes Ackerland in der Feldmark Linden zur Einrichtung eines neuen zentralen Friedhofes. Die Verwaltung desselben lag in der Obhut der Kirchengemeinden St.Trinitatis und St. Marien. Gemeindemitglieder dieser Kirchengemeinden sowie »Personen, zu deren Begräbnis die Stadt verpflichtet ist« sollten hier ihre letzte Ruhestätte finden.

Am 15.6.1878 fand die Weihe des Friedhofes und zugleich die erste Beisetzung statt. Das erste Grab erhielt die Witwe des Korbmachers Harms, es ist immer noch rechts vom Hauptwege am Rande des Gräberfeldes Abt. 3 zu sehen. Seit dieser Zeit hat der Friedhof etliche Erweiterungen bis zur heutigen Größe erfahren. Im Jahre 1941 ging die Verwaltung an die Stadt Wolfenbüttel über. Derzeit befinden sich auf dem Gelände des Friedhofes rund 16.500 Grabstellen.

Die gärtnerische Gestaltung der gesamten Anlage wurde nach der Mode der damaligen Zeit vorgenommen. Grünanlagen mit botanisch seltenen Pflanzen und prächtigem Baumbestand sorgen für einen parkähnlichen Charakter des Friedhofes. Zwischen den Gräberfeldern befinden sich Hecken, Sträucher und Blumenbeete und bieten zusammen mit den neuzeitlichen Grabmalen ein stimmungsvolles, harmonisches Bild. In einem um 1925 herausgegebenen ›Wegweiser durch die Stadt und ihre Umgebung‹ heißt es; »... unter den Grünanlagen (...) sind viele botanisch seltene und schöne Pflanzenexemplare zu finden. Omorica-Fichten, Dawiki-Buchen, pontische Azalien, Rhododendron, Scharlacheichen, Wacholder, Thuja und andere seltene Pflanzen erregen das Entzücken der Friedhofsbesucher.«

Mit den veränderten Lebensweisen der Menschen lässt sich in den letzten Jahren ein deutlicher Wandel in der Begräbniskultur feststellen, der den Charakter des Friedhofes spürbar verändert. Die Tendenz geht heute zur Wahl eines anonymen oder halbanonymen Grabes ›unter dem Grünen Rasen‹. Die Friedhofsverwaltung ist bemüht, diesen Wünschen nachzukommen, indem sie immer mehr zusammenhängende Rasenflächen zur Verfügung stellt. Die Schönheit eines Parkfriedhofes, der auch zu Spaziergängen einlädt, wird damit leider verloren gehen.

Ehrengräber und Grabstätten bekannter Personen

Die Kriege des vergangenen Jahrhunderts haben unter Soldaten und einheimischer Bevölkerung zahlreiche Opfer gefordert. Immer wieder wurde es nötig, ganze Gräberfelder für gefallene Soldaten und Zivilisten zur Verfügung zu stellen. Südlich der Kapelle befindet sich ein Gräberfeld mit Ehrengräbern für Gefallene des 1. Weltkrieges.

Eine Gedenkstätte erinnert an die zwischen 1933 und 1945 verstorbenen Opfer des Faschismus in Wolfenbüttel: Fritz Fischer, nach dem auch eine Straße benannt wurde, Alfred Perkampus, Alfred Müller, Paul Pawelski, Hermann Müller, Fritz Röttger, Heinrich Wedekind und Kurt Strupat.

Im östlichen Teil des Friedhofes, in der Nähe der Leipziger Straße, wurde nach dem 2. Weltkrieg der Sowjetische Ehrenhain angelegt. Das Terrain wurde in der Gestaltung einem Birkenhain einer russischen Landschaft nachempfunden. 312 sowjetische Soldaten, die zwischen 1941 und 1945 in deutschen Lagern umgekommen sind, haben hier in fremder Erde ihre letzte Ruhestätte gefunden. Ein Denkmal in Form einer dreiseitigen Pyramide wurde mit deutschem und englischem Text, aber auch mit kyrillischen Buchstaben beschriftet. Weitere Felder mit Ehrengräbern für Opfer des 2. Weltkrieges befinden sich nordwestlich der Kapelle.

In der nahezu 130jährigen Zeit seines Bestehens haben auf diesem Friedhof viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ihre Ruhestätte gefunden. Einige wenige sollen hier stellvertretend genannt sein:

– Julius Elster (gest. 1920) und Hans Geitel (gest. 1923), Naturwissenschaftler
– Paul Zimmermann (gest. 1933), Archivdirektor und Historiker
– Erich Schmidtbochum (gest. 1999), Bildhauer
– Eberhard Gieseler (gest. 1977) Begründer der Gandersheimer Domfestspiele
– Familiengrabstätte der Bankiersfamilie Seeliger
– Familiengrabstätte der Fabrikantenfamilie Welger
– Familiengrabstätten der Fabrikantenfamilie Mast

Nicht mehr vorhanden sind die Gräber des 1888 verstorbenen Konservenfabrikanten Gustav Busch (Bruder von Wilhelm Busch) und seiner Ehefrau Alwine.