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Wasserwege - Route: Einführung

Wasserwege auf einen Blick
Wasserwege auf einen Blick
© Stadt Wolfenbüttel

Die heutige Stadt Wolfenbüttel verdankt ihren Namen der ehemaligen Wasserburg gleichen Namens. Der Siedlungsbereich um die Burg Wolfenbüttel, der Bezirk um das heute noch stehende Residenzschloss, trug nach einem Damm, der im morastigen Gebiet des Okerflusses um die Burg angelegt worden war, den späteren Namen Dammfestung. Diese Dammfestung sowie die verschiedenen Stadtteile der ihr vorgelagerten Alten und Neuen Heinrichstadt, der August- und heutigen Juliusstadt, die gemeinsam mit der Dammfestung seit 1747 den Stadtnamen Wolfenbüttel tragen, trennten und durchflossen künstlich geschaffene Arme des Okerstroms. Heutzutage sind bis auf wenige Ausnahmen diese Wolfenbütteler Wasserwege nicht mehr vorhanden. Ein beschilderter Rundgang soll die ehemalige Lage und die Gestalt der Gräben und Kanäle im Stadtgebiet klären helfen.

Die Oker, der Fluss an dem Wolfenbüttel liegt, ist 105 km lang, entspringt aus den Hochmooren des Bruchberges (928 m) im Harz und mündet bei Müden in die Aller.

Der mittelalterliche Verlauf des Okerflusses ist unbekannt. Doch liegt die Vermutung nahe, dass der Flussverlauf im Bereich der Burg Wolfenbüttel ähnlich mäanderhaft geschwungen war wie im Ober- und Unterlauf. Aus den historischen Quellen der frühen Neuzeit ist zu erkennen, dass das Gelände zwischen dem Schlossbereich, der Dammfestung und der heutigen Juliusstadt morastig war sowie Sümpfe und Teiche aufwies und somit der Burg dreiseitig – im Norden, Osten und Süden – einen natürlichen Schutzgürtel bot. Der noch heute das Schloss zweiseitig umfließende Schlossgraben könnte einen Arm des mittelalterlichen Flussverlaufes darstellen, Kulturroute Wolfenbütteler Wasserwege Wolfenbüttel, Stadtplan aus der Zeit vor 1749 (Umzeichnung 1904) weitere sind vermutlich im heute nicht mehr vorhandenen Dammgraben und im wesentlich veränderten Ostgraben der späteren Festung (Stadtgraben, 1599 als »Alte Oker« bezeichnet) zu suchen. Möglicherweise teilte noch ein weiterer Graben im Mittelalter die in Vor- und Kernburg unterteilte Burg Wolfenbüttel. Seinen Verlauf könnten nur archäologische Untersuchungen klären helfen.

Die älteste Ansicht Wolfenbüttels, also der Burg und der ihr vorgelagerten Siedlung, gibt ein Holzschnitt von 1542 wieder, der die Belagerung Wolfenbüttels durch die Truppen des Schmalkaldischen Bundes zeigt. Aus dem Holzschnitt ist zu erkennnen, dass um die Mitte des 16. Jahrhunderts Burg und Siedlung mit Wällen, Mauern, steinernen Rondellen nach italienischer Festungsmanier und steinernen Toren versehen waren. Um die Dammfeste, den Burgbereich, und die ihr vorgelagerte Siedlung zog sich ein breiter Wassergraben, der als sogenannter Dammgraben – ursprünglich 267 m lang – Burg und Siedlung von einander trennte. Aus dem Dammgraben zweigte der Burggraben, der heutige Schlossgraben ab. Zwei Tore, das sogenannte Alte Tor im Norden (mit der Ausfallstraße nach Braunschweig, vor 1542 errichtet, 1614/15 abgerissen) und das Mühlentor im Westen (mit dem Weg nach Goslar und ins Harzgebiet), bildeten die Zugänge zur Siedlung und Burg. Ein weiteres Tor sicherte hinter dem Dammgraben den Zugang aus der Siedlung zur Dammfeste und Burg. Es trug bis zu seinem Abriss 1803/04 den Namen Dammtor oder düsteres Tor (nach der dunklen Tordurchfahrt) und dürfte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in seiner bis 1804 vorhandenen Form errichtet worden sein. An der Verlängerung und der Biegung des Burggrabens, des heutigen Schlossgrabens, nach Norden lag die alte Dammmühle, deren ältester Bau durch eine Inschrift für das Jahr 1462 gesichert ist und deren bis zur 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts stehendes Hauptgebäude unter Herzog Heinrich dem Jüngeren um 1565 entstand.

Anstelle dieser Mühle entstand am Ende des 19. Jahrhunderts ein neues Gebäude, das am Ende des 20. Jahrhunderts abgerissen wurde. Der parallel zum Mühlengebäude gerichtete Mühlengraben, noch heute im Gegensatz zur abgerissenen Mühle (des 19. Jahrhunderts) vorhanden, bog bereits früher auf der Höhe des heutigen Bibliotheksgebäude ostwärts ab und zog sich bis zur Vereinigung mit dem Dammgraben als sogenannter Pulvergraben auf der Nordseite der Dammfestung hin. Als die Dammfestung um 1500 nicht mehr genügend Raum für ihre stetig anwachsende Bevölkerung bot, wurde östlich davon um die bereits 1301 erstmals erwähnte Kirche »Zu unserer lieben Frauen« eine Siedlung geschaffen, die nach der Kirche ihren Namen erhielt. Diese Siedlung, die später auch als Neustadt bezeichnet wurde, erlitt starke Zerstörungen während der Belagerung 1542 und wurde danach teilweise wieder aufgebaut. Anstelle der Siedlung, in Erweiterung des ehemaligen Siedlungsareals, schuf Herzog Julius, der Sohn Heinrichs des Jüngeren, ein neues urbanes Gebilde, dem er 1570 den Namen »Heinrichstadt« – nach seinem Vater benannt – gab. Im Gegensatz zur ungeordneten Anlage der Neustadt wurde die Henrichstadt nach einem genauen Bauprogramm, das der Herzog 1571 erließ, geplant. Die Heinrichstadt sollten breite gerade Straßen mit Häusern von gleicher Höhe und Breite gliedern und die Straßen so angelegt werden, dass sie Bezug auf die Bollwerke der Dammfestung nähmen, um im Verteidigungsfall von dort eingesehen und unter Beschuss genommen zu werden. Mit der Anlage der Heinrichstadt und ihrer neuen Befestigungen konnte aber erst 1575 begonnen werden, weil zunächst erst die Wasserwege, insbesondere die Oker, vom Harz nach Wolfenbüttel durch Schleusen ausgebaut werden mussten, um das Bauholz, den Schiefer, die Steine, den Sand und auch die Erde zum Verfüllen der Sümpfe heranzutransportieren. Schwerpunkt des Ausbaues der Heinrichstadt bildeten zunächst deren Befestigungen. So wurde u. a. ein neues Stadttor, nach Erweiterung der »Alten Heinrichstadt« um die »Neue Heinrichstadt«, an deren Ostende angelegt. Dieses sogenannte Kaisertor, bereits 1580/81 genannt, fand nach Entwürfen von Hans Vredemann de Vries ab 1589/90 seinen Ausbau und diente von da anstatt des »Alten Tores« als Hauptzugang in die Heinrichstadt von Braunschweig aus.

Vredemann de Vries, aus den nördlichen Niederlanden (Friesland: de Vries) stammend und in den südlichen Niederlanden (Antwerpen) als Festungsingenieur bis zu seiner Emigration wirkend, hat im Auftrag und unter Beteiligung des Herzogs an der Entwurfsplanung, ein Grachtensystem für die Heinrichstadt entworfen. Zwischen 1586 (Planungen) und 1588 entstanden der »Große Kanal« (ursprünglich 362m lang) und der Schleusengraben, im 18. Jahrhundert auch Kommiß­graben genannt, die von Süden nach Norden ausgerichtet waren und das Gebäude der späteren Kommisse, der damaligen »Neuen Mühle«, umschlossen. Als Abzweig des »großen Kanals« wurde in West-Ost-Richtung der »kleine Kanal« (ursprünglich 214 m lang, 1,30 m breit und 1,60 m tief), der Kornmarkt und Reichstraße trennte und nördlich, parallel zum »Kleinen Kanal» der überwölbte Factorgraben südlich der späteren Kanzlei geschaffen. Außerdem entstand der zwischen der Langen Herzogstraße und der Kanzleistraße entlangführenden Kanal, der um 1770 als »Fauler Graben« bezeichnet wurde.

Während der »Große Kanal« und damit verbunden auch der Schleusengraben, sein Wasser vom Graben am Großen Zimmerhof und damit von der Hauptschleuse bezog und im Norden im Bereich von zwei Mühlen in das Ende des Dammgrabens einmündete, zweigten alle Westost gerichteten Gräben vom »Großen Kanal« ab und mündeten im »Langen Graben«, der in Umwandlung der alten Festungsgräben der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in den achtziger Jahren des 16. Jahrhunderts geschaffen worden war. Neben diesen Gräben und Kanälen wurde der im 16. Jahrhundert wesentlich verbreiterte Dammgraben an seinem nördlichen Ende bei der Sägemühle und der »Neuen Mühle« (heutige Schünemannsche Mühle am sogenannten Mühlenstau) als Hafen genutzt, während der Graben zwischen der Hauptschleuse (heutiges Schleusenhäuschen am Schulwall) und dem Großen Zimmerhof als Endpunkt der Flösserei auf der Oker Nutzung fand. Das geplante Grachtensystem hatte drei Vorteile: Einerseits entwässerten die Kanäle das noch immer mit Sümpfen versehene Siedlungsgebiet der Heinrichstadt, andererseits boten die Wasserstraßen die Möglichkeit, direkt von der Oker oder indirekt vom Hafen an der »Neuen Mühle (Schünemannschen Mühle) aus Materialen zum Bau von Straßen und Gebäuden heranzuschaffen. Das Wasser der Gräben trieb durch ein von Vredemann de Vries entworfenenes System von Schleusen und Wehren die entlang des »Großen Kanals«, »Schleusenkanals« und des »Langen Grabens« errichteten Korn- (Mahl-), Säge-und Walkmühlen an. Sämtliche Gräben verfügten zunächst nicht über steinerne Kanalwände und Brüstungen sowie steinerne Brücken. Am Anfang des 17. Jahrhunderts waren zwei Steinbrücken vorhanden (1602 die Brücke über den Kleinen Kanal zwischen Stadtmarkt und Kornmarkt, 1604 die Brücke der Krambuden) Die hölzernen Brücken, die vom 16. bis 18.  Jahrhundert als holländische Klappbrücken ausgebildet waren, ermöglichten den Schiffsverkehr auf den Kanälen und Gräben. Der überwölbte Factorgraben diente als Abwassergraben (Kloake). Durch das Vorhandensein des Grachtensystems konnte der Ausbau der Alten und Neuen Heinrichstadt sehr zügig vorangetrieben werden. Dabei entstanden die meisten Straßen und Bebauungen unter dem Sohn von Herzog Julius, Herzog Heinrich Julius, so u.a. die Häuser der Reichsstraße ab 1590/91, der Klosterstraße 1591 und der Langen Herzogstraße ab 1590. Den Straßen folgte die Anlage des Stadtmarktes (1599 erstmals erwähnt) mit dem Gebäude des Rathauses (1599/1602, 1609) und der Bau der Hauptkirche Beatae Mariae Virgines (ab 1608), des Nachfolgebaues der älteren Liebfrauenkirche. Gleichzeitig mit dem Ausbau der Heinrichstadt erfolgte die Vollendung der Befestigungen. Dabei wurde unter Herzog Heinrich Julius ein weiteres Stadttor, das Harztor im Süden der Stadt, 1603 als Ausfalltor zum Harz und nach Goslar errichtet (abgerissen 1834).

Nach den Beschädigungen, die die Dammfeste und die Heinrichstadt während des Dreißigjährigen Krieges erlitten hatte, im Jahre 1641 hatte der Bau eines Dammes (Schwedendamm) nördlich der Heinrichstadt bei Groß Stöckheim durch Schweden und Lüneburger und damit die Aufstauung der Oker durch Überschwemmung zu beträchtlichen Schäden geführt, wurde der um 330 Stück dezimierte Häuserbestand, das Grachtensystem und die Befestigungen unter Herzog August d. Jüngeren erneuert. Zwischen 1643 und 1666 entstanden u. a. neben dem Ausbau des herzoglichen Marstalls zur Bibliothek die in Stein neu erbaute Dammgrabenbrücke und die im neuniederländischen Stil verbesserten Festungsanlagen. Statt des bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts genutzten Hauptzugangs von Braunschweig aus, des Kaisertores, entstand im Nordosten der Heinrichstadt das um 1660 errichtete Herzogtor. Die ab 1652 als Handwerkerstadt westlich der Dammfestung durch Herzog August angelegte und nach ihm benannte Auguststadt erhielt ein neues Stadttor (Augusttor, 1653 errichtet, 1817 abgetragen) sowie Befestigungen mit Erdaufschüttungen im neuniederländischen Stil und ebenfalls neue Gräben. Während der Herrschaft von Herzog Rudolf August und dessen Bruder Herzog Anton Ulrich, Söhnen von Herzog August dem Jüngeren, fanden hinsichtlich der Wasserwege und ihrer Bauten nur geringe Veränderungen statt. So wurde die Kommisse am Schleusenkanal zur Nutzung der »Großen Schule« und die Schlentermühle zur Katholischen Kirche umgebaut. Das unter Herzog August dem Jüngeren aufgegebene Kaisertor fand durch Um- und Neubau die Umnutzung zur evangelischen Triniatiskirche. Neben diesen Umbauten wurden auch die Außenwerke der Befestigungen verändert. Unter Herzog August Wilhelm, dem Sohn Herzog Anton Ulrichs, wurde der ehemalige Burggraben zum Schlossgraben umgestaltet und außer einer neuen, in Fachwerktechnik errichteten Platzfassade des Schlosses auch eine mit Figuren besetzte steinerne Balustrade zur Begrenzung des Grabens sowie auf der Nordseite des Residenzschlosses eine Pferdeschwemme für den nahe gelegenen fürstlichen Pferdestall im Untergeschoss des Neubaues der fürstlichen Bibliotheksrotunde geschaffen.

Erst unter Herzog Carl I. fand eine besondere Veränderung des althergebrachten Wasserstraßensystems in Wolfenbüttel statt. Vor und nach der Vereinigung aller Stadtteile mit der Dammfestung zur Stadt unter der Namensgebung »Wolfenbüttel« im Jahre 1747, wurden große Teil des Grachtensystems, insbesondere der Kleine Kanal (Muddegraben zwischen Reichstraße und Kornmarkt) um 1754, dem Jahr der Verlegung der Residenz von Wolfenbüttel nach Braunschweig, mit steinernen Einfassungsmauern und Brüstungen versehen und die hölzernen Brücken durch steinerne ersetzt.

Der Verschlammung und damit einhergehend der Unbrauchbarkeit und Geruchsbelästigung des Wolfenbütteler Grachtensystems wurde durch Reinigung vom 16. bis 18. Jahrhundert Einhalt geboten. Bedeutende Beiträge zur Verschlammung schufen jeweils im Frühjahr oder nach Unwettern die Hochwasser (Wilde Flut) der Oker. Dabei wurden die Straßen ebenfalls zu Wasserwegen und man konnte nur per Boot die Häuser erreichen.

Als ersten Kanal der Wolfenbütteler Wasserwege wurde der volkstümlich um 1770 als »Fauler Graben« bezeichnete Wasserlauf auf den Grundstücken der Häuser zwischen der Langen Herzogstraße und der Kanzleistraße (der Graben war im 18. Jahrhundert nur noch im Bereich der Bärengasse sichtbar) zwischen 1770 und 1796 aufgrund seiner Verschlammung und damit einhergehenden Geruchsbelästigung zugeschüttet.

Die Niederlegung der Befestigungsanlagen der Dammfestung und Verfüllung der Festungsgräben begann im Jahre 1801. 1803/04 fand der Abriss des Dammtores statt. Zwischen 1801 und 1806 wurde neben den Festungsgräben der Dammfeste auch der Dammgraben größtenteils zugeschüttet. Ein übriggebliebenes Bächlein fand am Ende des 19. Jahrhunderts erst die vollständige Verfüllung. Hatte man bis 1806 auch den Stadtwall von der Dammfeste bis zum Harztor abgetragen und damit den Stadtgraben verfüllt, folgte zwischen 1815 und 1837 die Demolierung der gesamten Befestigungsanlagen um die Stadt. Im Jahre 1820 fiel das Herzogtor der Spitzhacke zum Opfer. Anstelle des Herzogtores wurden von 1824- 1825 ein Rondellplatz und 1825 zwei klassizistische Wachhäuser nach Entwürfen Peter Josef Krahes geschaffen. Krahe schuf auch die Pläne zur Umwandlung der planierten Wälle zu im englischen Stil angelegten Wallpromenaden (Rosenwall, Schulwall). Mit der teilweisen Schleifung der Bastion Philippsberg 1816 und des Neubaues eines Stadtgefängnisses entstanden die im englischen Stil angelegten Parkanlagen zwischen dem Herzogtor und dem Stadtgraben in den dreißiger und vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Das Ende der Abtragung der Stadtbefestigungen bildete 1834 der Abbruch des Harztores und darauf folgend der Bau der Eisenbahnverbindung Braunschweig – Wolfenbüttel 1838 mit der Anlage einer Straßenverbindung zwischen Bahnhof und Stadt. Auf dem Gelände der ehemaligen Befestigungen entstanden während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die vor die »Tore« verlegten Friedhöfe, die Promenaden und Parkanlagen nebst dem Kaffeehaus, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowie kurz nach der Jahrhundertwende u. a. die Neubauten der katholischen Kirche St. Petrus, der großen Schule und der Schulen Karl- und Wallstraße, das Lehrerseminar, Fabriken, die Kreisdirektion und das Postgebäude sowie entlang der Promenaden Villen des Großbürgertums (u.a. auf der Bastion Lindenberg die Villa Seeliger).

Die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nur drei Mal erfolgte Entschlammung der Kanäle und Gräben (1797, 1819, 1835) führte 1855-1859, aufgrund der fehlenden Hygiene und der in Hamburg ausgebrochenen Cholera-Epedimie, zu Verfüllung des »Kleinen Kanals« zwischen Kornmarkt und Reichsstraße, der im 19. Jahrhundert aufgrund seiner Verschlammung auch Muddegraben genannt wurde.

Obwohl die restlich verbliebenen Gräben von 1870 jährlich im Juni gereinigt wurden – 1894 förderte man 950 Kubikmeter Schlamm aus dem Langen- oder Bruchgraben – wurde der lange Graben zwischen 1906 und 1908 zugeschüttet und stattdessen 1906 – 1908 im gesamten Innenstadtgebiet eine Kanalisation angelegt. Zuvor waren trotz ständig erneuerter Verbote die Abwässer in das Grachtensystem eingeleitet worden. Das Wasser der Gräben und Kanäle diente nicht nur als Verkehrs- und Antriebsystem vorindustrieller Produktion, sondern den Bewohnern der Stadt für ihre täglichen Bedürfnisse (Kochen, Brauen, Waschen, Baden, Reinigung von Wohnung, Gebrauchsgegenständen und Pferden, Löschen von Bränden, Pflanzenwässerung usw.). Das Trink- und Brauchwasser entnahmen fast sämtliche Bewohner der Stadt den Kanälen. Nur der fürstliche Hof verfügte über einen Anschluss an die hölzerne Wasserleitung, die von einer Quelle in der Nähe des Dorfes Fümmelse über die Auguststadt zur Schlossküche führte. Diesen Mangel machte die Anlage einer Trinkwasserversorgung in der Stadt in den Jahren 1893 – 1895 ein Ende.

Heute legen nur der Graben am Grossen Zimmerhof mit dem Schleusenhäuschen von 1858, der Schleusengraben an der Kommisse, die oberen Anteile des »Großen Kanals« hinter dem Rathaus, unter den Krambuden bis zur Stau an der »Schünemannschen Mühle« von den ehemaligen Verkehrsadern dieser Stadt sowie die im 19. Jahrhundert veränderten Reste der äußeren Umflutgräben von den Festungsgräben Zeugnis ab. In Verkehrung der Erinnerung an die Städteplaner des 16. Jahrhunderts, die wie der Architekt, Ingenieur und Maler Hans Vredemann de Vries aus den Niederlanden kamen und vom in den südlichen Niederlanden ausgebildeten Herzog Julius ins Land geholt wurden, heißt der am meisten fotografierte, romantische Winkel Wolfenbüttels fälschlicherweise »Klein Venedig« und nicht korrekt »Klein Amsterdam«.

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