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24.10.2017

Käseleckerland auf dem Wolfenbütteler Markt

Käseleckerland ist auch auf dem Markt in Wolfenbüttel. Peter van de Voort ist der Hüter des Lessingsstädter Käse-Olymps.

Diese Marktgeschichte fängt nicht direkt auf dem Markt an. Am Kälberanger 17 ist die Adresse der Wolfenbütteler Firma “Käseleckerland”. Hier, in dem Wohn- und Gewerbemischgebiet, dominierten früher die Gärtnereien, die die Lessingstadt viele Jahrhunderte lang geprägt haben. Nun mischt sich an diesem Ort immer noch Wohnen und Arbeiten. Neben dem Hauptsitz des Käseanbieters gibt es ein Café. Und dort, wo die schmackhaften Spezialitäten aus Milch gelagert werden, stehen außerhalb der Markttage zwei Verkaufswagen neben einer kleinen Laderampe und warten auf den Trubel des Wochenmarktes. Peter van de Voort steht schon an der Haustür. Auch für ihn fällt Leben und Arbeiten zusammen, denn das Käselager liegt in seinem Wohnhaus. “Es ist nicht immer ganz leicht, die beiden Dinge zu trennen, aber es ist eine Herausforderung, der man sich stellen kann”, meint er. Auf der Terrasse hat er bereits ein paar Käsesorten bereitgestellt, die das Konzept dieses Marktstandes wie von selbst erklären. “Wir möchten Kunden ansprechen, die ein echtes Geschmackserlebnis suchen und frustriert sind von dem Einheitsgeschmack an den Käsetheken”, erklärt van de Voort.

Ein Niederländer in Deutschland

Nach Deutschland ist der Niederländer, der selbst von einem Bauernhof stammt, bereits im Jahre 1993 gekommen. Damals zog ihn die Verantwortung eines Geschäftsführers in einer Milchviehanlage in die Altmark nach Kalbe/ Milde. “Wie sehr ich da in eine beschauliche Provinz geraten war, habe ich erst eine ganze Weile später richtig mitbekommen”, lacht er, während er schon einmal einen leckeren Käsehappen vom Laib abschneidet. Der Betrieb erwies sich als Intermezzo in seinem Berufsleben. Auf einem Resthof, den er in dieser Zeit erworben hatte, wurde Peter van de Voort recht schnell klar, dass Käse seinen weiteren Lebensweg entscheidend bestimmen würde. “Mich fasziniert noch immer jeden Tag das, was man im Käse neu entdecken kann. Dass, was Affineure durch ihre Veredelung daraus machen können”, erklärt er seine Leidenschaft. 1994 war erst der Wunsch da, sich selbst an der Herstellung zu versuchen. Dann, erinnert er sich, sei ihm aber schnell klar geworden, dass die bürokratischen und technischen Auflagen dafür doch sehr groß sind. So groß, dass er es mit ein paar Experimenten beließ. Der Handel mit dem Milchprodukt war die Alternative. Und mit der Herstellung blieb er trotzdem immer eng verbunden. Denn die Käseproduktion ist ein Stück Familiengeschichte.

Die Kunden müssen nahe am Produkt sein

Sein Bruder hat sich auf die Herstellung von Käse aus der Milch von Jerseykühen spezialisiert und sich damit über die Grenzen Hollands einen Namen gemacht. Seit 2003 verwendet er für seine Kühe keine Antibiotika und liefert Bio-Qualität. Über die Entwicklung der Produktion tauschen sich die Brüder immer wieder aus. Der Hartkäse, den Peter van der Voort zur Probe anschneidet, hat eine goldgelbe Farbe, ist zart schmelzend mit knackenden winzigen Salzkristallen und entfaltet auf der Zunge eine wahre Geschmacksexplosion. Van de Voort beobachtet beim Probieren sein Gegenüber und erklärt: “Das ist genau unser Konzept, seit wir den ersten Marktwagen mit zehn Käsesorten in Gifhorn aufgestellt haben. Der Kunde muss ganz nahe beim Käse sein, und dazu gehört auch, dass er ihn probieren kann.” Nach Wolfenbüttel kam er über die Umwege Wendland und Müden. Seine Frau Renate unterrichtet am Wolfenbütteler Theodor-Heuss-Gymnasium Deutsch. Ein guter Grund also, um in die Lessingstadt zu kommen. 2007 eröffnete der Käsehändler, der inzwischen den renommierten Käse Rothe in Braunschweig übernommen hat, deshalb hier seinen Standort. Erst gab es “Am Kälberanger” nur einen Hofverkauf, der auch heute noch jeden Freitagnachmittag Tradition hat. Dann wurde 2011 für den Wagen von “Käseleckerland” ein Platz auf dem Wolfenbütteler Wochenmarkt frei.

Uninteressante Käsesorten gibt es bei Käseleckerland nicht

Seitdem ist der Wagen, der überdies in Salzgitter, Braunschweig, Königslutter, Gifhorn, Bad Harzburg und Wolfsburg die Gourmets mit gutem Käse versorgt, eine Institution. Wichtig ist Peter van de Voort eine Qualität, die die Menschen überzeugt. “Für mich ist immer die entscheidende Frage: Ist das, was ich da anbiete, seinen Preis wert? Und würde ich das für das Geld selbst kaufen?”, erklärt der Händler. Wenn man seine Käsesorten probiert und die Geschichten zu den Produktionsschritten und den Aufwand hört, die diese Art von Käsekultur macht, dann ahnt man, warum etwa ein Preis von 3,50 Euro pro hundert Gramm nicht ein Cent zuviel ist. Was da in Wolfenbüttel hinter dem Tresen im Marktwagen und davor an einer Probierstation Woche für Woche angeboten wird, das sind Käsesorten, die meist von kleinen Bauernhöfen und Molkereien stammen und mit viel Zeit und Aufwand reiften und veredelt wurden. Künstlicher Geschmacks-Fake ist für diese Art des Qualitätsverständnisses ebenso verpönt wie “uninteressante” Käsesorten. “Es ist wie beim Wein. Die Leute haben großartige Weiß- und Rotweine im Keller und suchen dazu einen passenden Käse, der die gleiche Qualität hat”, schwärmt van de Voort.

Guter Geschmack kann auch ein “Problem” werden…

Der einzige Nachteil einer solchen Geschmackserkundung ist, dass man schwerlich dahinter zurückfallen kann. Es heißt, Geschmack könne man sich verderben. Das gilt für schlechte Lebensmittel – aber auch für gute. Denn wer etwa einen Salers A.O.P. einmal probiert hat, der wird auf einen Appenzeller aus dem Supermarkt gern verzichten. Gerade erst, erzählt Peter van de Voort, habe er einen Laib Comté wieder zurückgeschickt, weil er einfach nicht seinen geschmacklichen Vorstellungen entsprach. “Ich möchte, dass unsere Kunden wirklich nur das Beste bekommen”, erklärt er. Dass der Markt an sich ein Raum der lebendigen Kommunikation ist und damit ein Gegengewicht zur schönen, großen und sterilen Warenwelt der Kaufhallen darstellt, begreift der Käsehändler als Chance: “Die Deutschen lieben eigentlich das Lockere des Wochenmarktes, den fehlenden Zwang. Durch besondere Angebote müssen wir diesen Kommunikations- und Konsumraum mit so viel Tradition für die Zukunft lebensfähig machen. Dazu gehören eine überdurchschnittlich gute Qualität der Ware und eine persönliche Ansprache”, mahnt er. Dass Wolfenbüttel für dieses Konzept auch in der Zukunft ein wichtiger Pfeiler ist, daran lässt der Wahllessingstädter keinen Zweifel.