Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

nach oben nach oben
Zum Aktivieren des Google-Übersetzers bitte klicken. Wir möchten darauf hinweisen, dass nach der Aktivierung Daten an Google übermittelt werden.
Mehr Informationen zum Datenschutz
21.11.2017

Neues Erdgas soll ab 2019 strömen

Die Gaswirtschaft stellt um – künftig soll in Deutschland nur noch High calorific gas (H-Gas) durch die Leitungen fließen. Das bedeutet, dass dort, wo derzeit Low calorific gas (L-Gas) verwendet wird, viel Arbeit ansteht.

Warum dann das Ganze? Die Reserven an L-Gas aus heimischen Quellen und den Niederlanden neigen sich dem Ende zu; damit versorgt werden rund 30 Prozent der Gasverbraucher, alle im mittleren bis nördlichen Westen der Republik, so auch in Wolfenbüttel. Bevor aber ab Mai 2019 das H-Gas durch die Netze der Stadtwerke Wolfenbüttel fließt, haben diese noch etliche Hausaufgaben zu erledigen. Was in den nächsten Monaten konkret gemacht werden muss, erklärt Matthias Tramp, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Wolfenbüttel.

Deutschland stellt das Gasnetz um. In Zukunft fließt H-Gas mit höherem Brennwert durch die Leitungen. Warum ist diese Umstellung erforderlich?

Matthias Tramp: Es gibt in Deutschland bisher zwei verschiedene Marktgebiete für Gas, mit zwei getrennten Netzen und jeweils anderer Qualität: L-Gas und H-Gas. Im Norden und Westen Deutschlands wird bisher L-Gas angeboten, so auch in Wolfenbüttel. Jedoch geht die Förderung dieser Gasqualität, die primär aus den Niederlanden stammt, zurück. Spätestens vom 1. Oktober 2029 an soll kein L-Gas mehr durch deutsche Netze fließen. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wird das L-Gas-Netz in das H-Gas-Netz integriert. Künftig wird also überall das energiereichere H-Gas durch die Leitungen fließen. Dieses stammt überwiegend aus Norwegen, Russland und Großbritannien und ist in ausreichenden Mengen langfristig verfügbar – um genau zu sein, für die nächsten 200 bis 250 Jahre.

Sind alle Gasgeräte automatisch für die neue Gasqualität geeignet?

Matthias Tramp: Nein. Alle rund 18.800 Gasverbrauchsgeräte in Wolfenbüttel, also Heizgeräte, Brenner, Herde, Boiler, Laboreinrichtungen, Maschinen in Industrie und Gewerbe – kurz, alle Geräte, die ans Erdgasnetz angeschlossen sind, müssen einzeln begutachtet werden. Es muss geprüft werden, ob und wie das Gerät an die neue Gasqualität angepasst werden kann. Diese Erhebung läuft momentan und soll bis April 2018 abgeschlossen sein. Hier arbeiten wir mit Partnerunternehmen zusammen, die an vorab übermittelten Terminen die Gasgeräte erfassen. Zusammen mit dem Terminschreiben erhalten die Kunden eine PIN, mit der sich die beauftragen Monteure an der Wohnungstür identifizieren. Sind alle Geräte erfasst, werden die Daten ausgewertet und entsprechendes Material für die Umrüstung bestellt. Bei einigen Geräten wird eine Änderung der Einstellungen ausreichen, bei anderen muss eine Düse ausgetauscht werden. Es gibt nur sehr selten und dann sehr alte Geräte, die nicht umgerüstet werden können. Dann müssen die Besitzer einen Austausch des Gasgeräts vornehmen. In solchen Fällen helfen wir mit einem Zuschuss von 100 Euro pro Gasgerät.

Wann wird die Umstellung durchgeführt und wann werden die Geräte angepasst?

Matthias Tramp: Die Gasumstellung in Wolfenbüttel ist für Mai 2019 vorgesehen. Der genaue Stichtag ist noch nicht definiert. Dann werden die Leitungen strangweise mit H-Gas befüllt. Wir haben im Oktober/­­November 2018 mit der Umrüstung der unempfindlichsten Geräte begonnen, die sensibelsten werden möglichst nahe am Stichtag umgestellt. Auf diese Weise minimieren wir Funktionsstörungen. Leider können wir nicht alle Geräte unmittelbar vor dem Umstellungstag anpassen, denn das wäre am besten. Aber da bräuchten wir an einem Tag um die 1.000 Monteure in der Stadt – und so viele sind einfach nicht verfügbar. Eine gewissenhafte und einwandfreie Umrüstung ist entscheidend für die Funktionstüchtigkeit der Geräte. Deshalb gibt es eine umfassende Qualitätskontrolle. Wir prüfen zehn Prozent der Erfassungen nach und auch zehn Prozent der umgestellten Geräte. Mit diesem Vorgehen wollen wir Störungen von vornherein minimieren. Sollten Gasgeräte nach der Umstellung dennoch nicht einwandfrei funktionieren, können wir anhand der erhobenen Daten schnell feststellen, welche möglichen Ursachen zu der Störung führen.

Was wird die Gasumstellung den einzelnen Bürger und Kunden kosten?

Matthias Tramp: Die Betroffenen zahlen für die Umrüstung nichts. Stellen die Dienstleister bei der Erfassung jedoch fest, dass ein Gerät nicht richtig funktioniert, muss sein Besitzer es vor der Umstellung auf eigene Rechnung instand setzen oder reparieren lassen. Die Marktraumumstellung wird über ein Umlageverfahren finanziert. Das heißt, dass die Kosten von insgesamt rund fünf Millionen Euro auf alle Gasverbraucher in Deutschland umgelegt werden. Der Anteil jedes einzelnen Verbrauchers an dieser größten Infrastrukturmaßnahme der Gaswirtschaft seit Bestehen der Bundesrepublik bewegt sich dadurch im Cent-Bereich.

Kontakt