Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

nach oben nach oben
Zum Aktivieren des Google-Übersetzers bitte klicken. Wir möchten darauf hinweisen, dass nach der Aktivierung Daten an Google übermittelt werden.
Mehr Informationen zum Datenschutz
22.08.2018

Michael Müller ist der Meister des Markts

Ob Michael Müller ein geborener Frühaufsteher ist, habe ich gar nicht gefragt. Wenn nicht, dann muss er wenigstens über ein hohes Maß an Selbstdisziplin verfügen. Denn um halb sechs, als ich ihn auf dem Stadtmarkt treffe, ist er jedenfalls putzmunter, freundlich und wie aus dem Ei gepellt. Müller ist Marktmeister auf dem Wolfenbütteler Wochenmarkt.

Das ist ein traditionsreicher Job. Seit 1570 ist diese Position bezeugt, die sich in den Jahrhunderten stets den aktuellen Bedürfnissen angepasst hat und die nach wie vor unverzichtbar ist. Ende des 16. Jahrhunderts waren die Vorgänger von Michael Müller direkt den Herzögen unterstellt und sorgten dafür, dass beim Handel alles mit rechten Dingen zuging. Der Marktmeister sorgte etwa dafür, dass ein Pfund auch ein Pfund war und ein Meter ein Meter. Jede Stadt hatte ihr Referenzgewicht oder Maß, und da musste an den bunten Markttagen dafür gesorgt werden, dass alles mit rechten Dingen zugeht und kein Händler schummelt. Diese Dinge müssen heute nicht mehr kontrolliert werden. Der Kern des Geschäfts ist jedoch gleichgeblieben. „Ich muss schauen, wer wo steht, damit es zu keinen Problemen kommt“, erklärt Michael Müller. Wenn es Neubewerbungen um einen Stand gibt, dann ist der Marktmeister ebenso Ansprechpartner wie bei Problemen oder allen anderen Fragen der Marktbeschicker.


Von der Landwirtschaft auf den Markt

Wenn Michael Müller jeden Samstag um halb fünf aufsteht, dann schält er sich mit einem guten Gefühl aus dem Bett. „Die meisten Marktstände sind hier auf dem Markt schon seit Jahrzehnten. Die wissen ganz genau, wo sie hin müssen“, meint er. Der Marktmeister, der zu seinem Amt im Ordnungsamt der Stadt tätig ist, kommt ursprünglich aus der Landwirtschaft. In Klein Dahlum hat er seinen Hof. Das Land ist verpachtet. Das Anwesen ist liebevoll gepflegt. Wir gehen über den morgendlichen Markt. Es wird fleißig ausgepackt und angefahren. Die ersten sind um halb sechs schon fertig und treffen sich auf einen Plausch. Kaffee gibt es bei Silvana. Gianni Petronelli macht in seinem italienischen Feinkostwagen schnell noch ein paar Platten zurecht und holt sich zwischendurch von Kollegen frischen Basilikum. Es fängt an zu regnen und wir stellen uns beim Stand von Frank Biedehorn unter, der währenddessen seine Schütten einräumt. Michael Müller zeigt mir Bilder von seinem Anwesen. Ein schmucker Bauernhof mit gepflegtem Garten. Wer selbst zur Hacke greifen muss weiß: Das kostet Mühe und Zeit.

Mit der Vespa nach Wolfenbüttel

Die 25 Kilometer Wegstrecke legt der bekennende Italienfan im Sommer gern mit seiner Vespa zurück. Das „Land, wo die Zitronen blühen“ besucht er, wenn möglich, jedes Jahr in den Ferien, erzählt er begeistert. Die Fahrt auf der Vespa ist wie eine Urlaubserinnerung. „Da kann ich unseren schönen Landkreis schon mal so richtig genießen“, schwärmt er. Zwischen fünf und sechs Uhr ist er dann auf dem Markt. Seit 2002 kümmert sich Müller dort um die großen und kleinen Aufgaben. Neben der Platzaufteilung muss die Stromversorgung gesichert sein. Manchmal gebe es da Probleme. Das liege dann aber in der Regel an den Wagen. Schließlich muss die Standgebühr kassiert werden. Das geht auch im elektronischen Zeitalter sogar noch „zu Fuß“. Michael Müller geht dann mit seiner Kasse herum und quittiert die Gebühr so wie seine Vorgänger, die Marktmeister Dreger und Prinzler. Die hätten ihn gut eingearbeitet, als er den Posten übernommen hatte. In den Jahren, in denen Michael Müller den Job nun übernommen hat, hätten sich fast Freundschaften mit manchen Marktbeschickern entwickelt. Von Anfang an sei er gut in die Marktfamilie aufgenommen worden.

Ein tolles Angebot

Vom Markt schwärmt Michael Müller regelrecht. Der Regen hat inzwischen nachgelassen. Die Stände sind so gut wie fertig mit dem Aufbau. Der Marktmeister führt zufrieden durch die Marktgassen. „Wir haben hier ein tolles Angebot. Es gibt sehr viele Direktanbieter, die deshalb ohne Zwischenhändler existenzsichernd wirtschaften können“, erklärt er. Der Wochenmarkt als heimische Fairtrade-Einrichtung – das ist ein interessanter Gedanke. Wenn es Fluktuation bei den Anbietern gebe, dann habe er ein wachsames Auge, dass die Vielfalt erhalten bleibt. Der Kunde solle ein möglichst großes Angebot von unterschiedlichen Waren bekommen. Unschlagbar, so Müller, sei schließlich das Verkaufserlebnis: „Hier auf dem Markt riecht man die Produkte noch richtig. Man riecht die Frische. Es ist nicht so steril wie im Supermarkt“, schwärmt er. Schließlich sei dieser Verkaufsraum unter freiem Himmel ein Ort, an dem die Menschen noch Gespräche führten und sich Rat holen könnten.

Ob früh oder spät…

Michael Müller hat nun seine Runde beendet, grüßt noch hier und da und verschwindet ins Rathaus. An den Ständen finden sich die ersten Kunden ein – Frühaufsteher. Nicht ganz so früh wie der Marktmeister wollen sie raus, um frisches Obst, Gemüse und Fleisch und Wurstspezialitäten und viele andere Dinge zu kaufen. Aber in diesen Morgenstunden ab 7 Uhr sei die Atmosphäre auf dem Markt besonders schön, versichert mir ein Kunde. Das kann ich bestätigen. Aber bis mittags bekommt man ein reichhaltiges Angebot. Und Ausschlafen am Sonnabend ist auch so schlecht nicht…


Weitere Informationen