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18.03.2019

Neue Ausstellung im Bürger Archiv eröffnet

Anlässlich des 300. Jubiläums der Kirche St. Trinitatis in Wolfenbüttel wurde am Freitag, 15. März, die Ausstellung „St. Trinitatiskirche 1719–2019. Bürgerkirche – Gärtnerkirche – Garnisonskirche“ eröffnet.

Gezeigt werden im Bürger Museum unter anderem besondere Stiftungen liturgischer Geräte, welche die Verbundenheit der Stiftenden – vom Herzog bis zur Frau eines Tischlers – zu ihrer Kirche zum Ausdruck bringen. Die Ausstellung entstand in einer Zusammenarbeit des Museums Wolfenbüttel mit der Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Marien und St. Trinitatis.

„Vielen Dank, dass wir diese Ausstellung gemeinsam eröffnen können. Unsere Arbeitsgemeinschaft hat eine wunderbare Arbeit geleistet. Doch vor allem freut es mich, dass Kirche und Museum als städtische Einrichtung so eng zusammengearbeitet und etwas gestaltet haben“, erklärte Dieter Schulz-Seitz, Propst in der Propstei Wolfenbüttel bei der Ausstellungseröffnung. Mechthild Böcher, Vorstand St. Trinitatis: „Ich bin froh, dass die Geschichte unserer Kirche auch mal öffentlich zugängig gemacht wird.“

St. Trinitatis feiert ihren 300. Kirchweihtag und blickt auf eine wechselvolle Bau- und Nutzungsgeschichte zurück. Zwei Kirchen mit demselben Namen standen bzw. stehen am östlichen Ende der ehemaligen Residenzstadt: St. Trinitatis I. von 1700 bis 1705 und St. Trinitatis II. ab 1719. Name und Standort bleiben unverändert. Es waren verschiedene Wolfenbütteler Kreise, die hier Gottesdienst feierten und bis heute feiern.

St. Trinitatis wurde auf nachdrückliches Bitten der Bürger nördlich, östlich und südlich „vor den Toren“ Wolfenbüttels im Auftrag Herzog August Wilhelms (Regentschaft 1714–1731) in sechsjähriger Arbeit von 1716 bis 1722 durch den Hofbaumeister Hermann Korb wiedererbaut. Sie stellte den Ersatz für die 1705 durch Blitzschlag abgebrannte Kirche dar, die Herzog Anton Ulrich (Regentschaft 1685–1714) nach Plänen Johann Balthasar Lauterbachs zwischen 1693 und 1700 errichten ließ. St. Trinitatis wurde 1719 auf diesen Grundmauern, zugleich den Fundamenten des ehemaligen Kaisertors, ohne Gruft oder Krypta als evangelisch-lutherische Predigtkirche geweiht.

Ab 1532 wurden von Herzog Heinrich dem Jüngeren (Regentschaft 1514–1568) Gärten zur Erbpacht vergeben. Ab dem 17. Jahrhundert bildete sich der Berufsstand der Gärtner aus, der vor dem Ersten Weltkrieg mit circa 150 Gärtnereien sein Maximum erreichte. Alle Gärtnereien lagen außerhalb der Stadttore, daher bildeten die Gärtnerfamilien den Kern der St. Trinitatisgemeinde. Das Stuhlregister von 1775/76 wies zahlreiche reservierte Sitzplätze für Gärtnerfamilien im Kirchenschiff auf, die heiß umkämpft waren. Bis 1966 war ohne Unterbrechung mindestens ein Gärtner Mitglied im Kirchenvorstand. Bis heute gestalten die Gärtner das Erntedankfest in St. Trinitatis mit Schmuck und Gesang aus. Nicht zufällig weist das Gärtnerdenkmal von Frijo Müller-Belecke auf dem Holzmarkt vor der Kirche seit 1998 auf die engen Beziehungen der St. Trinitatiskirche mit dem Berufsstand der Gärtner hin.

Im Jahre 1589 gründete Herzog Heinrich Julius (Regentschaft 1589–1613) in Wolfenbüttel die erste Garnison im deutschen Sprachgebiet. Erst 1669 erhielt die Garnison ihren ersten Prediger und seit 1732 nutzte sie die St. Trinitatiskirche mit. Mit der Gemeinde kam es um die Nutzungsrechte und die Kollektenverwendung häufig zum Streit, der erst nach neun Jahren durch ein herzogliches „Nutzungs-Reglement“ beendet wurde. Die Gemeinde erwirkte einen Umbau der Kirche zur Mitnutzung durch die Garnison über Oberst von Möring und Hauptmann von Blum: Nach umfangreichen Baumaßnahmen – vor allem im Bereich der Emporen – erweiterte man das Platzangebot von 1.158 auf circa 2.000 Plätze. 900 von den Plätzen im Parterre (Erdgeschoss) waren der Gemeinde vorbehalten. Von 1741 bis 1945 fand eine simultane Verwendung als Gemeinde- und Garnisonskirche statt, bis 1810 mit eigenem Militärpfarrer. 1919 wurden mehrere Gedenktafeln im Altarraum angebracht, um den mehr als 1.000 Soldaten zu gedenken, die im Ersten Weltkrieg starben.

„Wir freuen uns sehr, dass wir beim großen Reigen der Feierlichkeiten zum 300-jährigen Jubiläum von St. Trinitatis einen kleinen Beitrag leisten können, und haben nach der Anfrage durch die Kirchengemeinde das Bürger Archiv im Bürger Museum sehre gerne für eine kleine Ausstellung zur Verfügung gestellt“, sagte Dr. Sandra Donner. „Das Bürger Archiv unseres Bürger Museum ist der richtige Ort für die Darstellung eines weiteren wichtigen Kapitels Wolfenbütteler Stadtgeschichte, zumal die St. Trinitatiskirche in ihrem Ursprung auch eine Bürgerkirche ist.“

„Die Exponate zeigen die tiefe gesellschaftliche Verwurzelung des Christentums in der Frühen Neuzeit. Durch alle sozialen Schichten hinweg spendeten die Bürger für den Kirchneubau von St. Trinitatis I. Gleiches zeigt sich auch bei der Stiftung von Kirchenausstattungen. Unter den Exponaten ist auch eine Rarität: Die Medaille die zur Kirchweihe 1700 geprägt wurde, ist zugleich die letzte Prägung der Wolfenbütteler Münzstätte“, so Sebastian Mönnich, Mitarbeiter des Museums Wolfenbüttel und Kurator dieser Ausstellung. „Der 1651 von Herzog August gestiftete Kelch sowie die von der Garnison 1744 gestifteten Altarleuchter finden bis heute im Gottesdienst Verwendung.“

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