Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

nach oben nach oben
Zum Aktivieren des Google-Übersetzers bitte klicken. Wir möchten darauf hinweisen, dass nach der Aktivierung Daten an Google übermittelt werden.
Mehr Informationen zum Datenschutz
25.11.2019

Klinikum stellt eigenes Programm zum bewussteren Umgang mit Antibiotika vor

Im Rahmen der „World Antibiotic Awareness Week“ lud das Städtische Klinikum jüngst alle interessierten Bürgerinnen und Bürger dazu ein, sich zum Einsatz von Antibiotika, dem Umgang mit multiresistenten Keimen und der Bedeutung der richtigen Hygiene zu informieren.

Bakterielle Infektionen sind ein häufiger Grund für einen Aufenthalt im Krankenhaus. Dazu zählen zum Beispiel Lungenentzündungen (Pneumonien) oder Infektionen der Harnwege. Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass im Mittel jeder vierte stationäre Patient in deutschen Krankenhäusern mit Antibiotika behandelt wird. Auf der Intensivstation und in bestimmten Fachrichtungen ist der Einsatz von Antibiotika sogar noch höher. Gleichzeitig drohen Probleme durch zunehmende Resistenzen auf Antibiotika. Die Themen Hygiene und Antibiotikaresistenzen werden auch in den Medien viel diskutiert.

Aufgrund dessen riefen internationale Gesundheitsorganisationen wie die Word Health Organisation (WHO) in dieser Woche erneut die «World Antibiotic Awareness Week» aus. „Dabei geht es vor allem darum, die Aufmerksamkeit für den bewussten Einsatz von Antibiotika und die Probleme durch Antibiotikaresistenzen in der Öffentlichkeit weltweit zu stärken“, erörtert Hygienefachkraft Jens Geffers.

Weltweit wird eine zunehmende Resistenzentwicklung von Bakterien auf Antibiotika beobachtet. Des Weiteren ist das Nebenwirkungsspektrum von Antibiotika größer als früher angenommen wurde. „Zum Beispiel kann es nach Einsatz von Antibiotika zu einer Darmentzündung mit Durchfall durch bestimmte Bakterien (Clostridium difficile) kommen. Diese verdrängen andere Bakterien, die aufgrund der Antibiotikabehandlung geschwächt wurden“, erklärt Prof. Dr. Kinan Rifai, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Gastroenterologie, des Städtischen Klinikums. Daher sei ein rationaler Einsatz dieser Medikamente heute wichtiger denn je. Dies bedeutet, dass Antibiotika nur nach ganz bestimmten Kriterien und nur über definierte Zeiträume gegeben werden sollten. Auch im Städtischen Klinikum Wolfenbüttel stelle der bewusste und verantwortungsvolle Umgang mit Antibiotika einen wichtigen Teil in der Patientenbehandlung dar, so Rifai.

In Deutschland besteht für Ärzte und Apotheker die Möglichkeit, eine Zusatzausbildung zum Antibiotika-Experten (sog. Antibiotic-Stewardship; ABS) zu absolvieren. Hierbei werden die Teilnehmer intensiv in vielen Kursen zum richtigen und bewussten Umgang mit Antibiotika geschult. Mit Oberärztin Jennifer Schlien hat auch das Klinikum Wolfenbüttel eine ABS-Expertin in den eigenen Reihen. Unterstützt wird sie in ihrer Arbeit von ausgewählten Mitgliedern jeder Fachabteilung, denn dieses wichtige Thema betreffe alle.

Die ABS-Kommission unter Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Kinan Rifai trifft sich regelmäßig, um auf Veränderungen der Resistenzlage und neueste Empfehlungen aus der Wissenschaft zeitnah reagieren zu können. Diese Arbeit mündet dabei auch in ein klinikeigenes ABS-Programm, das ständig weiterentwickelt wird.

„Unser ABS-Programm im Krankenhaus verfolgt das Ziel, die Qualität der Verordnung von Antibiotika zur Behandlung von Infektionen kontinuierlich zu verbessern. Dabei geht es um die Auswahl der Substanzen, deren Dosierung, Anwendungsart und vor allem auch Anwendungsdauer“, erklärt ASB-Expertin Jennifer Schlien. „Dadurch sollen beste klinische Behandlungsergebnisse unter möglichst niedrigem Risiko für den Patienten sowie von möglichst geringer Resistenzentwicklung erreicht werden“, so Schlien. „Dabei schauen wir auch genau, ob überhaupt Antibiotika bei bestimmten Patienten oder Erkrankungen notwendig sind.“

Dazu hat das ABS-Team des Klinikums Wolfenbüttel klinikinterne Leitfäden für Erkrankungen, die möglicherweise einer Antibiotikatherapie bedürfen, entwickelt. Diese werden regelmäßig aktualisiert, in internen Fortbildungen geschult und dem behandelnden Personal zur Verfügung gestellt. Zudem werden bei schweren oder komplizierten Fällen spezielle ABS-Visiten durchgeführt, wie zum Beispiel bei Patienten auf der Intensivstation. Dadurch soll gerade bei diesen meist schwerkranken Patienten der optimale Antibiotika-Einsatz gewährleistet werden. „Die sehr intensive Arbeit im Bereich Hygiene in unserem Haus zeigt sich auch darin, dass hier jeder Patient zu Beginn der Krankenhausbehandlung auf multiresistente Keime (MRSA) mittels Nasenabstrich getestet wird. Sofern diese nachgewiesen werden, sind besondere Isolationsmaßnahmen nötig, um die anderen Patienten vor Ansteckung mit solchen Keimen zu schützen“, berichtet Hygienefachkraft Iris Frenkel.

Im Infektionsschutzgesetz und in der Landeshygiene-Verordnung werden entsprechende Maßnahmen inzwischen gefordert. Somit ist das Klinikum Wolfenbüttel mit der frühzeitigen Einführung eines ABS-Programms neben den intensiven Hygienemaßnahmen vorangegangen – „zum Wohle der Patientinnen und Patienten“, betonen die Experten unisono.


Kontakt