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06.04.2020

Keine gute Zeit für Handyverbote

Die Kinder sind für vier Wochen zu Hause, die Eltern in Kurzarbeit oder im Home-Office – das bedeutet für alle, dass mehr Zeit als sonst in der Familie verbracht wird. Das kann manchmal auch eine Chance sein, das Familienleben neu zu erleben, wenn die familiäre Situation hinreichend stabil ist und die Rahmenbedingungen stimmen.

Gleichzeitig ist diese Situation nicht ganz freiwillig, sondern der aktuellen Virus-Pandemie geschuldet. Viele gewohnte Freizeitbeschäftigungen sind nicht möglich, Verwandte und Freunde können derzeit nicht besucht werden. Diese Situation kann auch zu Auseinandersetzungen und Stress in Familien führen. Bereits bestehende Konflikte könnten zudem verstärkt werden. Die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche im Landkreis hat eine telefonische Sprechstunde eingerichtet, um Familien im Umgang mit der aktuellen Situation zu unterstützen.

„Ganz wichtig ist es, weiterhin die sozialen Kontakte zu Freunden und Verwandten zu pflegen. Nähe ist ganz wichtig, auch wenn man sich derzeit nicht persönlich treffen kann“, erklärt Jörg Hermann. Der Diplom-Psychologe leitet die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche. Als Erziehungs- und Familienberater weiß er um die Belastungen, aber auch Chancen, die Familien jetzt haben.

Smartphones oder auch dem Telefon komme da eine wichtige Rolle zu. „Kinder und Jugendliche können über Messenger im engen Kontakt mit ihren Freunden bleiben. Daher ist gerade keine gute Zeit für Handyverbote, auch wenn die Online-Zeit weiterhin nicht unbegrenzt stattfinden sollte. „In dieser Zeit ist es sehr wichtig, dass ein sozialer Austausch über alle möglichen Kanäle stattfinden kann“, so Hermann. „Mit kleineren Kindern können Eltern auch gemeinsam bei Oma und Opa anrufen, so können Großeltern und Enkel in Kontakt bleiben“, sagt der Diplom-Psychologe.

Ein Thema in der telefonischen Sprechstunde sei der Umgang mit dem Kind bei getrennt lebenden Eltern, nimmt Hermann wahr. Das Umgangsrecht kann weiterhin wahrgenommen werden. „Gerade jetzt ist der vertraute Kontakt des Kindes zu Vater und Mutter wichtig, auch wenn die Eltern getrennt leben“, so Hermann. Die aktuelle Situation dürfe kein Grund für Erwachsene sein, einen Umgang ohne Weiteres auszusetzen. Aber es müsse Rücksicht genommen werden und praktikable Lösungen für durch die aktuelle Situation auftretende Schwierigkeiten gefunden werden. Vielleicht gehört ein Elternteil zu einer Risikogruppe und hat eine gesundheitliche Vorerkrankung? Hier können zusätzlich zum Telefonieren kreative Lösungen für gemeinsame Begegnungen in Zeiten des Kontaktverbotes gesucht werden. „Großeltern oder Menschen mit Risiken könnten bei Einhaltung eines größeren Abstandes begrüßt werden, zum Beispiel über Balkon, Fenster oder Gartenzaun, so wie es auch in Pflegeheimen zunehmend praktiziert wird, wenn das natürlich auch kein gleichwertiger Ersatz für eine persönliche Begegnung mit körperlicher Nähe ist.“

Hilfreich sei jetzt auch eine normale Tagestruktur mit festgelegten Zeiten fürs Aufstehen, für die Mahlzeiten, für gemeinsame Familienzeiten oder Zeiten zur freien Verfügung. „Das können Familien gemeinsam im Gespräch festlegen, das alle Interessen berücksichtigen sollte“, sagt Hermann. „Ausflüge ins Grüne bieten sich an, zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Offensichtlich haben mehr Familien wieder den Spaziergang und den Aufenthalt oder das Spiel in der Natur entdeckt, und das unter Einhaltung der geltenden Abstandsregelungen “, beobachtet Hermann.

Gleichzeitig könne die ungewohnte Situation zu Konflikten führen oder bestehende Konflikte verschärfen. „Rückzugsorte sind jetzt wichtig. Aber Familien mit mehreren Kindern haben häufig nicht so viel Platz“, so Hermann. Hier seien Lösungen wichtig, wie man sich auch mal aus dem Weg gehen kann. „Auch wenn Kinder natürlich nicht vor dem Fernseher geparkt werden sollen, kann es im Konfliktfall richtig sein, die Kinder mal eine halbe Stunde länger fernsehen zu lassen, um als Erwachsener selbst Zeit zu haben, mal durchzuatmen und sich zu beruhigen, bevor ein Streit sich zuspitzt“, sagt Hermann.

Telefonische Sprechstunde für Familien

Konfliktvermeidung in der Familie, eventuelle Ängste bei Aktivitäten im Freien – zu diesen und weiteren Themen zu Familien während der Corona-Krise berät die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche im Landkreis Wolfenbüttel. Als ein zusätzliches Angebot ist dafür eine telefonische Sprechstunde eingerichtet worden, die von montags bis freitags, jeweils von 10.30 bis 12.30 Uhr, unter der Rufnummer 05331 84-194 erreichbar ist.

Für alle anderen Fragen und Anliegen an die Beratungsstelle gelten die üblichen Anmeldezeiten, die wie gewohnt unter der Telefonnummer 05331 84-186 zu erreichen ist.

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