Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

nach oben nach oben
Zum Aktivieren des Google-Übersetzers bitte klicken. Wir möchten darauf hinweisen, dass nach der Aktivierung Daten an Google übermittelt werden.
Mehr Informationen zum Datenschutz
28.04.2017

Vertrauenskrise im Journalismus?

Vertrauen - dieses Wort fiel beim jüngsten Wolfenbütteler Rathausgespräch am vergangenen Donnerstag, 27. April 2017, gleich mehrfach. Kann man der Presse noch vertrauen? Oder doch lieber dem Internet? Oder nur sich selbst?

Paul-Josef Raue, bis zu seinem Ruhestand Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen und zuvor Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung, hatte sich vorgenommen, gemeinsam mit dem Publikum genau diese Fragen zu beleuchten - und natürlich zu beantworten. Wie arbeiten Journalisten? Kann das Volk ihnen vertrauen? Und – wer ist das Volk?

Zunächst einmal müsse hinterfragt werden, wie es zur Vertrauenskrise gekommen sei. Selbstkritisch gab er zu, dass Journalisten in der Vergangenheit da einige Fehler gemacht hätten - Hochmut auf der einen Seite und ein zu spätes Erkennen, dass die Zweifler die gleichen Argumente nutzen, die auch kritische Journalisten auszeichnen auf der anderen Seite. Auch sei häufig vergessen worden, die Sprache der Bürger zu sprechen, kurzum, der Kontakt, die Basis zum Leser fehle.

Also suche sich dieser Alternativen. Dies sei schon immer so gewesen. Nur nun, in Zeiten des Internets, sei es aber wesentlich einfacher und schneller, seine Meinungen zu verbreiten und „Gleichgesinnte“ zu finden.

Gerüchte zum Beispiel, habe es immer gegeben. Nur heute erreichten diese viel schneller viel mehr Personen. Und plötzlich heiße es dann, „was stimmt, ist Ansichtssache!“. Immerhin 43 Prozent der Deutschen würden dies so sehen. Und habe man erst einmal Probleme mit der Gewissheit, sei das Vertrauensverhältnis fragil. „Wenn dann schon Präsidenten von alternativen Fakten sprechen, dann muss ja etwas an den Behauptungen dran sein“, macht Raue das Dilemma deutlich.

Dabei lohne es sich doch, sich einmal die Frage zu stellen, wer, wenn nicht die Journalisten, hinterfragen denn das Handeln anderer? Wer, wenn nicht die Journalisten decken Missstände auf? In der Lokalberichterstattung traue man dies der Presse auch noch zu. „Kein Wunder, hier bekommt der Leser ja selbst mit, wenn etwas nicht stimmt, was berichtet wird“, so Raue Aber je weiter weg ein Thema von der eigenen Greifbarkeit sei, desto größer werde das Misstrauen. Dann lüge die Presse, dann verschweige sie etwas, dann tendiere das Vertrauen gen null.

„Haben wir eine Alternative zu dem, was Journalisten machen?“, fragt Raue und gibt selbst die Antwort: „Ja, macht bessere Medien.“ Denn ohne Vertrauen gehe die Demokratie den Bach runter.