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15.08.2017

Wolfenbütteler Marktgeschichten

Jeden Samstag und Mittwoch lädt der Wolfenbütteler Wochenmarkt zum Frische-Einkauf ein. Die Marktbeschicker können auf viele Stammkunden zählen, was im Laufe der Jahre zu einer großen Kundenbindung geführt hat.

Man hört viel Gelächter und es herrscht eine familiäre Stimmung. Was den Wolfenbütteler Wochenmarkt so besonders macht, verrät diese neue Serie über Markt und Marktbeschicker.

"Kaufen, wo es wächst": Krügers Elm-Gärtnerei

Wer auf den Wolfenbütteler Markt kommt – von der Langen Herzogstraße aus –, der findet auf der rechten Seite, neben dem Käsestand, einen Obst- und Gemüsestand: Krügers Elm-Gärtnerei. Von Juni bis Oktober gibt es dort ein kleines aber feines Angebot.

Bis zum Markt in Wolfenbüttel sind es für Markus Krüger rund 15 Kilometer. Evessen liegt am Elm und ist ein traditionsreiches Dorf im Landkreis, das für einen Ausflug lohnt. Nicht nur wegen der schönen Gärtnerei mit Geschäft, die Krüger dort mit einem großen Sortiment an Blumen, Floristik, Geschenkartikel und Obst und Gemüse betreibt. Evessen birgt eine echte Attraktion – einen Grabhügel mit 34 Meter Durchmesser, der von einer Linde gekrönt wird, die ein biblisches Alter hat. Baumarchäologen schätzen das stolze Gewächs auf 800 Jahre. Es ist damit gut doppelt so alt wie das Wolfenbütteler Markttreiben. Bis ins 19. Jahrhundert wurden unter dieser Linde Gerichtsprozesse abgehalten. Zahlreiche Sagen ranken sich um den Tumulus. So heißt es zum Beispiel, ein Riese sei einstmals aus dem Elm gekommen und habe dicke „Kluten“ unter den Stiefeln gehabt. Er riss einen Baum aus, um seine Sohlen zu säubern und steckte ihn in einen der Erdklumpen. Und dort wächst und gedeiht er nun also. Jedenfalls, wenn man der Geschichte glauben möchte.

Krügers Elm-Gärtnerei: In dritter Generation

Ganz so lang ist die Tradition der Gärtnerei am Elm nicht. Aber immerhin beschäftigen sich die Krügers schon seit drei Generationen mit dem, was in der Erde wächst, gehegt und gepflegt werden muss, damit es dann bei uns frisch auf den Tisch kommen kann. „Mein Großvater hatte zunächst nur mit dem Obstbau angefangen“, erzählt Markus Krüger. Er hat seinen kleinen Stand vor dem alten Ratskeller aufgebaut. Vor seinem Lieferwagen leuchten tiefrote Kirschen, saftige Tomaten und Heidelbeeren. Jedenfalls Anfang August. Im Juni, wenn die Marktsaison für ihn beginnt, gibt es die ersten Tomaten. Sie werden im März gepflanzt. Und weil es in „Krügers Elmgärtnerei“ seit einigen Jahren Folientunnel gibt, sind die ersten Sorten auch bereits zur Jahresmitte fertig. „Früher gab es die ersten Tomaten erst im August“, erinnert sich Markus Krüger. Später im Jahr sind es die Zwetschgen, die auf ihre Liebhaber warten.

Gärtner: Ein kreativer Beruf

Er hatte den Betrieb bereits als 21-jähriger von seinem Vater übernommen. Der habe sein Augenmerk damals mehr auf die Blumen gelegt, erzählt Markus Krüger, der zwischendurch immer wieder freundlich Kunden bedient. Er selbst liebe die Blumen ebenfalls, aber eben auch Obst und Gemüse. „Es ist wunderbar am Gärtnerberuf, dass man das Wachsen der Pflanzen erleben kann. Man muss, je nach Wetterlage die richtigen Entscheidungen treffen und hat am Ende dann ein wunderschönes Produkt“, schwärmt er. Das gilt auch für den Obstbau, dem er seit sechs, sieben Jahren wieder mehr Bedeutung gegeben hat. Er pflanzte vor einigen Jahren neue Kirchbaumsorten und Zwetschgen an. „Kirschen sind eine richtige Risikokultur. Die Zwetschgen können schon mehr ab“, erklärt er.

Das Risiko mit dem Obst

Wenn es schlecht wird, dann kann eine Frostnacht in der Blütezeit die ganze Kirschernte verderben – so wie dieses Jahr, erklärt er. Das mache das Gärtnern auch zu einem schwierigen Geschäft, räumt er ein. Aber in den letzten Jahren sei das Bewusstsein der Kunden in der Region enorm gewachsen und solche Preisschwankungen würden weitgehend akzeptiert werden: „Ich merke das, ganz besonders hier auf dem Wochenmarkt in Wolfenbüttel, dass die Menschen Regionalität wieder zu schätzen wissen und dafür auch ruhig mal ein paar Euro mehr ausgeben.“ Natürlich gebe es auch diejenigen, die den Vergleich mit dem Discounter von nebenan und seinen Preisen anstellten. Das seien aber wenige, sagt er. Und denen kann Markus Krüger sehr genau erklären, was der Unterschied zwischen der Massenware und einem kleinen, inhabergeführten Betrieb wie dem seinen ist.

Massenware und Handarbeit

„Wenn ich von Massenware spreche, dann reden wir von hundert Hektar Land zur Bewirtschaftung“, erklärt er. Sein Betrieb umfasst dagegen nur ein sechs Hektar großes Areal, in dem Blumen, Obst und Tomaten angebaut werden. Die Entscheidung, trotz der „Geiz-ist-geil“-Mentalität auf qualitative Produkte zu setzen, die viel Handarbeit und regionales Engagement erfordern, scheint dem Gärtner nicht schwerzufallen. Wenn er mit vollen Händen in die reifen Kirschen greift und sich dabei mit den Kunden unterhält, strahlt er eine Ruhe und Gelassenheit aus, die womöglich nur der geduldige Umgang mit Pflanzen und Bäumen schafft. Wer eine Obstbauplantage pflanzt, der denkt in Generationen und nicht so kurzatmig wie es das schnelle Geschäft im Discounter erfordert.

Wolfenbüttel? „Hier bin ich gern!“

Wie es ihm in Wolfenbüttel gefällt? Krüger, der auch noch auf den Märkten in Salzgitter-Lebenstedt steht und in guten Kirschjahren in Wolfsburg, überlegt einen kurzen Augenblick und lässt dabei seinen Blick vom Reiterdenkmal in der Mitte des Marktplatzes über die Rathauszeile wandern. „Ich bin hier sehr gern. Die Wolfenbüttelerinnen und Wolfenbütteler haben ein hohes Qualitätsbewusstsein. Sie wollen nur das Beste. Das ist eine Herausforderung und macht viel Spaß. Und wenn ich mich hier auf dem Marktplatz umschaue, dann genieße ich immer wieder mittwochs und sonntags die Geschlossenheit dieses historischen Ensembles“, schwärmt er. Nicht umsonst ist sein Motto: Kaufen, wo es wächst. Aus dem Landkreis für die Stadt. Dafür arbeitet Markus Krüger mit seiner Familie in Evessen und trägt die Früchte dieser Arbeit auf den Markt.


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