Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

nach oben nach oben
Zum Aktivieren des Google-Übersetzers bitte klicken. Wir möchten darauf hinweisen, dass nach der Aktivierung Daten an Google übermittelt werden.
Mehr Informationen zum Datenschutz
24.08.2017

Mit der »Kölner Masche« in Wolfenbüttel Firmen abzocken

Schon die übermittelte Rufnummer machte Meik Giesler stutzig. „Irgendwas mit 075“, erinnert er sich, an den Anrufer, der sich mit Stadtmarketing Wolfenbüttel meldete. Und während sich Giesler noch wunderte, warum die Stadt Wolfenbüttel mit einer Vorwahl aus Süddeutschland anrief, betete die Stimme am anderen Ende der Leitung schon ihr Anliegen herunter.

Es ginge um seine Anzeige im Stadtplan. Wenn er deren Erscheinen nicht automatisch verlängert haben möchte, müsse er nur kurz auf einem Fax, welches man gleich schicken werde, unterschreiben. Dann laufe die Buchung automatisch aus.

Giesler blieb misstrauisch – auch als tatsächlich kurz nach dem Anruf das angekündigte Fax ankam. Was er darauf sah, war tatsächlich seine vor kurzem gebuchte Anzeige und die groß gedruckte „Sondervereinbarung“, dass die Anzeige keiner Kündigung bedarf. Unterschrieben und zurückgefaxt hat er trotzdem nicht. „Mir kam das alles sehr seltsam vor“, sagt Giesler. Ein Anruf bei Wirtschaftsförderer Dietrich Behrens bestätigte seine Vermutung, dass es sich hier um eine eigentlich schon 15 Jahre alte Betrugsmasche handelt – die „Kölner Masche“.

Der Begriff „Kölner Masche“ stammt daher, dass viele dieser dubiosen Firmen anfänglich ihren Sitz in Köln hatten. Heute sind sie deutlich internationaler aufgestellt, die Art und Weise ihrer Masche ist aber gleichgeblieben.

Im aktuellen Fall steckt eine Firma mit dem Namen Pro Stadtmarketing s.r.o aus Pilsen hinter dem Anruf und dem Fax. Im Kleingedruckten stehen dann etwas mehr Informationen – zum Beispiel was der angesprochene Firmeninhaber da unterschreibt. Nämlich nichts anderes als einen Anzeigenauftrag. Eine voreilige Unterschrift kommt ziemlich teuer – rund 3500 Euro im Fall von Meik Giesler. Als Gegenleistung wird ein „Bürgerinformationsfolder“ erwähnt, der eine Auflage von „mindestens 500 Exemplaren“ haben soll. „Die Verteilung erfolgt durch Postversand, an Gewerbetreibende und/oder Gewerbeämter, Stadtverwaltungen und sonstige öffentliche Einrichtungen“ steht da noch – und zwar im Postleitzahlengebiet 38. Wie „groß“ der Werbeeffekt wohl sein mag, wenn man Auflage und Verteilgebiet in Relation setzt, kann sich jeder wohl selbst ausrechnen.

Meik Giesler hat genau richtig reagiert und nicht unterschrieben. Leider fallen aber immer wieder Firmen auf diese Masche herein – und bezahlen aus Scham, hereingelegt worden zu sein, anstatt sich zur Wehr zu setzen. Und genau aus diesem Grund hält sich diese Abzockmasche schon seit Jahren.