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Backtradition und Zukunft gibt es bei Rühmann

Auf dem Wolfenbütteler Wochenmarkt findet der Besucher Bäcker Rühmann. Der kommt aus Salzgitter, hat aber auch in Wolfenbüttel Wurzeln.


Wer über den Wolfenbütteler Wochenmarkt schlendert, kann einen besonderen Marktwagen entdecken. Die Seitenflächen des Wagens erzählen eine Geschichte. Gut 80 Jahre ist es her, da saß Hermann Rühmann auf seinem Kutschbock und fuhr vermutlich sein Brot aus. Opa Hermann kam aus Adersheim, er lernte das Bäckerhandwerk in Wolfenbüttel. Und dann verschlug es ihn in die Nähe von Magdeburg, nach Ummendorf. “Neben ihm sieht man einen Hund, Flocki. Ein kluges Tier. In der Familie erzählt man sich die Geschichte, dass er dem Bahnhofsvorsteher eines Tages mal ein Brot stibitzt hatte. Erst kratzte er an der Tür, der Ahnungslose machte auf, und ehe der es sich versah, war das Brot weg”, erzählt Henning Rühmann. Er ist der jetzige Chef der “Mein Bäcker Rühmann AG”. Der Bäcker hat sich eine Tasse Kaffee eingeschenkt und sitzt in einem niedrigen Raum, die Zentrale der regionalen Bäckerei mit 13 Filialen und Verkaufswagen, auch auf dem Wolfenbütteler Wochenmarkt. “Wolfenbüttel ist eine Stadt mit Herz. Ich liebe diesen historisch gewachsenen Stadtkern mit seinem Ambiente. Wir fühlen uns hier sehr wohl.”, versichert der Bäcker- und Konditormeister, der sein Handwerk in Wolfenbüttel und Hildesheim gelernt hat – in der Lessingstadt das Bäcker-, in Hildesheim das Konditorenhandwerk.

Handwerker auf Reisen

Wenn man mit dem passionierten Pferdeliebhaber und begeisterten Handwerker spricht, dann nimmt die Familiengeschichte einen breiten Raum ein. Von der Seite des Opas: Bäcker. Von der Seite der Oma: Bäcker. Hier sogar seit 1745. Ungefähr zur gleichen Zeit wurde die jetzige Zentrale in Salzgitter Lebenstedt gebaut; damals als Gemeindebäckerei, in die die Familien noch ihre fertigen Teige zum Ausbacken bringen konnten. “Opa Hermann hatte in den 30er Jahren von einem Mehlvertreter gehört, dass es in Ummendorf eine alt eingesessene Bäckerei mit zwei Töchtern geben würde. Also machte er sich dorthin auf”, schmunzelt Henning Rühmann. Die ältere Tochter sei schon verlobt gewesen. Bei der Jüngeren aber habe es gleich gefunkt, berichtet er. Hermann Rühmann leitete später sogar den Betrieb und musste sich erst nach einiger Zeit eine neue Produktionsstätte suchen, nachdem die ältere Schwester mit ihrem Mann die Bäckerei übernommen hatte. Erst ging es von dort aus nach Bottmersdorf, nur 14 Kilometer von Ummersdorf entfernt. Hier entstand das Bild mit Flocki, das man auf dem Verkaufswagen und dem Einwickelpapier der Bäckerei ansehen kann.

Zurück in die Heimat

Aber Hermann Rühmann zog es zurück in die Heimat. Und da fügte es sich, dass 1938 mit Woltwiesche eine neue Siedlung im damaligen Landkreis Wolfenbüttel gebaut wurde. Da gab es die Grube in Lengede und die Stahlwerke in Salzgitter. “Unsere Bäckerei war das zweite Haus im Ort. Gleich nach der Kneipe.”, erzählt Henning Rühmann. Vom Großvater ging der Betrieb auf den Vater Manfred über, der ihn erneuerte und die Weichen für die Zukunft stellte. “Mein Vater sagte zu mir, ich könne alles werden: Nur nicht Bäcker”, lacht Henning Rühmann. Aber der Beruf hatte ihn seit frühester Kindheit fasziniert. “Ich habe schon als Zwölfjähriger den Duft in der Backstube geliebt, die Produkte und die Zufriedenheit, wenn die Menschen mit den Backwaren glücklich sind”, erklärt er. Wenn nicht Bäcker, dann wäre wohl höchstens noch der Pferdesport für ihn infrage gekommen. In den Büros der Zentrale hängen zahlreiche Pferdebilder und Urkunden von Reitturnieren. Und wenn man Henning Rühmann auf jene Tiere anspricht, auf denen sprichwörtlich das Glück der Erde liegt, spricht er genauso mit Feuer und Eifer wie über Brote, Brötchen, Kuchen oder Torten. 

Wir können nur Qualität

Seine Antwort auf die Billigschiene der Discounter im Backbereich ist ganz klar: “Wir können nicht billig. Das machen andere erfolgreicher als wir kleinen Bäcker. Es wird immer einen geben, der es auf Kosten anderer billiger und leider auch schlechter macht. Wir können nur Qualität und Service.” Handwerk, so erklärt er, sei für die Menschen da und würde auch flexibel auf besondere Wünsche reagieren. “Wenn jemand kurzfristig für eine Feier eine größere Menge Brötchen braucht, dann machen wir das natürlich unkompliziert”, erklärt er. Handwerk bedeute, möglichst auf Fertigprodukte in der Herstellung zu verzichten und ehrliche Handwerksarbeit abzuliefern. “Wir beziehen unsere Rohstoffe aus der Region und möchten unseren Kunden Qualität bieten.”, versichert Rühmann. Ob im Brotbereich das Roggen-Mischbrot mit einem Roggenanteil von 70 Prozent – nötig wären nur 50 Prozent –, mit dem Opa-Hermann-Brot, der Rühmanns Urkruste oder im süßen Bereich mit Baumkuchen, dem berühmten Mohnkuchen seines Vaters oder zahlreichen Tortenspezialitäten, die auch auf Wunsch ganz individuell kreiert werden: Tradition und neue Rezepte ergänzen sich in der Bäckerei Rühmann. Wichtig bei alledem sei der ursprüngliche Genuss: “Ein einfaches Butterbrot, das ist es, was wir heute wieder schätzen lernen sollten.”

Versorgung für die Menschen

Neben dem Bezug zu Salzgitter, wo er auch ländliche Räume mit Backwaren versorgt, sei ihm Wolfenbüttel immer sehr nahe gewesen. “Wir sind nicht nur da, wo die Ballungsgebiete sind. Mit unserem Backwagen kommen wir auch dorthin, wo sich die großen Handelsketten zurückziehen und wo, gerade die älteren Menschen, bald auf Hilfe angewiesen sind.”, erläutert er. Und neben dieser ländlichen Versorgung kommt Rühmann, nicht mehr auf dem Pferdefuhrwerk, sondern mit einem modernen Wagen, eben auch nach Wolfenbüttel auf den Markt. Und wer an dem alten Familienbild aus dem Album der traditionsreichen Bäckerfamilie achtlos vorbei gehen mag, der Duft nach frischem Brot und die Aussicht auf süße Leckereien weckt allemal die Aufmerksamkeit. Und wenn zuhause die Kunden mit einem “Ah” und “Oh” genießen und beim nächsten Besuch darüber berichten, dann ist das für Henning Rühmann eine Bestätigung für sein Tun. “Auch nach so vielen Jahren ist es für mich eine echte Befriedigung, die Menschen für einen kurzen Augenblick glücklich zu sehen”, lächelt er.