Sprungziele
Hauptmenü
Inhalt

Das Rote Kreuz stößt auf großes Interesse - gerade unter jungen Leuten

Ist das Ehrenamt tot in der Gesellschaft? Mitnichten! Das zeigt eine Werbeaktion, die das Rote Kreuz vor einiger Zeit startete. Der DRK-Kreisverband suchte Freiwillige für seine Bereitschaften in und um Wolfenbüttel.

Vor einem DRK Transporter mit Aufschrift stehen drei Männer und zwei Frauen, alle in DRK-Dienstkleidung © DRK
Fabian Palic vom DRK (ganz rechts) mit seinen Neulingen - einer gemischten Truppe (von links): Maximilian Heise, Rainer Wehrstedt, Lea Knackstedt und Svenja Schäfer.

"Das Ergebnis hat uns umgehauen", erzählt Fabian Palic, der stellvertretende Kreis­bereit­schafts­leiter. "Es haben sich 60 Leute gemeldet, 35 sind jetzt schon aktiv dabei." Dass solches Engagement ein Gewinn für alle Seiten sein kann, darüber berichten wir hier.

Schönere Komplimente sind eigentlich kaum denkbar: „Die Entscheidung für das Ehrenamt im DRK-Katastrophenschutz war die beste meines Lebens.“ Das meint Svenja Schäfer aus Halchter und postet es auch gern in den sozialen Netzwerken. Wer nun glaubt, die junge Frau habe womöglich noch nicht viele wichtige Entscheidungen getroffen in 17 Jahren Lebenszeit, der irrt: Schon als Zwölfjährige trat sie der Jugendfeuerwehr bei und gründete später den Schulsanitätsdienst an der Henriette-Breymann-Schule mit, den sie nun seit vier Jahren leitet.

"Ich habe es schon immer geliebt, mit Menschen umzugehen und ihnen zu helfen", schildert sie ihren Antrieb. Und als sie über den DRK-Aufruf in der Zeitung las, gab es kein Halten mehr: "Fünf Minuten später hatte ich den Kontakt hergestellt und war zum Treffen eingeladen worden." Mittlerweile hat Svenja Schäfer die Grundausbildung und einen Fachdienstlehrgang hinter sich, doch es soll weitergehen. "Ich könnte mir einen Beruf im Rettungsdienst vorstellen, zum Beispiel als Notfallsanitäterin."

Sogar der Einstieg in die Berufsfeuerwehr sei denkbar, um beide Hobbys zu verbinden. "Ich bin aus Halchter ja schon zu Einsätzen bei Verkehrsunfällen rausgefahren", berichtet die 17-Jährige. Das Engagement beim Roten Kreuz sei eine tolle Ergänzung zur Feuerwehr-Arbeit. "Meine neuen Kenntnisse helfen mir da sehr."

Jüngster Neuzugang beim DRK ist Maximilian Heise. Der 16-Jährige ist Mitglied des Schul­sanitäts­dienstes am Schloss-Gymnasium, stieg aber jetzt richtig ein in die Arbeit der Bereitschaft. "Die Gemeinschaft bei den Sanitätsdiensten ist immer wieder toll", erzählt er von schönen Erlebnissen am Rande von Sportevents oder Konzerten und Festivals.

Menschen zu helfen, sei auch für ihn der hauptsächliche Antrieb für diese Art der Freizeitgestaltung. Und sogar die Ausbildung zum Notfallsanitäter kann sich Maximilian vorstellen, was ja eine gute Vorbereitung für ein Medizinstudium wäre. "Diese Überlegung ist bei mir aber noch sehr vage", sagt der Wolfenbütteler und lacht.

In einer ganz anderen Lebensphase stieß Rainer Wehrstedt zum Roten Kreuz. Der Ahlumer wollte eigentlich seine Tochter zum Kennenlern-Treff der Bereitschaft chauffieren – während die 16-Jährige gerade das Mindestalter für Neulinge erreicht hatte, gehört er mit 52 Jahren nunmehr zu den gestandenen Kräften. Denn er blieb gleich mit dabei am ersten Abend: "Als ich gehört habe, dass Fahrer gesucht werden für den Katastrophenschutz, bin ich eingestiegen beim DRK."

Für Rainer Wehrstedt griff eine Sonderregelung, die das Rote Kreuz für solche Fälle vorsieht: "In Ausnahmefällen können wir die Kosten für den LKW-Führerschein übernehmen", erklärt Fabian Palic, "wenn gewisse Voraussetzungen gegeben sind." Das war hier der Fall: Neumitglied Wehrstedt hatte die Fahrprüfung schon mal absolviert, der Führerschein musste allerdings erneuert werden. Außerdem überzeugte der Ahlumer mit großem Engagement. Fabian Palic: "Wir haben die Kosten gern übernommen."

Die neue Konstellation hat übrigens auch persönliche Auswirkungen für den neuen Gruppen-Ältesten: "Ich habe den Einstieg in die Bereitschaft nicht bereut", versichert Rainer Wehrstedt. "Die Sanitätsdienste gemeinsam mit der Jugend, das Einordnen in eine neue Struktur – ich fühle mich dadurch tatsächlich jünger." Seine Begeisterung schwappte sogar schon auf seine Ehefrau über. "In den Katastrophenschutz wird sie wohl nicht einsteigen, aber ein Ehrenamt bei der DRK-Tafel hat sie bereits ins Auge gefasst."

Dass einer die andere begeistert, so sieht der Idealfall aus. Und so lief es auch bei Lea Knackstedt. "Eine Freundin kam ganz überzeugt vom DRK-Schnupperkursus und sagte, mach doch mit." Das Gespräch fand in einem Restaurant statt und wurde von der 21-Jährigen zunächst in die Kategorie ,Schnapsidee' eingeordnet. Doch auch am nächsten Morgen wirkten die guten Argumente noch nach. "Und als ich dann erstmal bei einem Dienstabend gewesen bin, kam ich von dieser Arbeit nicht mehr los."

Bei der Wolfenbüttelerin fügt sich nun einiges zusammen, was ihrem künftigen Studium zugutekommt. "Ich mache gerade mein Examen als Pflegefachkraft, will stärker in die Sanitätsausbildung einsteigen und beginne zudem im Oktober mein Studium der Hebammen-Wissenschaften in Göttingen." Das hört sich ausgesprochen zielstrebig an. "Bei allem, was ich mache, möchte ich meinen Horizont erweitern."

Motivationen wie diese sind es, die alle neuen Ehrenamtlichen so wertvoll machen für das Rote Kreuz. "Zwar steht grundsätzlich bei uns der Sanitätsdienst im Vordergrund", sagt Fabian Palic. Doch schon bald rücke die gute Stimmung im Team und das Gemeinschaftsgefühl in den Vordergrund. "Sehr schnell sind Freundschaften entstanden, auch zwischen Neulingen und den gestandenen Mitgliedern."

Gerade diejenigen, die sich eine inhaltliche Kombination zwischen Beruf und Ehrenamt vorstellen können, seien ein Glücksfall für die Organisation. "Dass Lea Knackstedt sich schon jetzt vornimmt, künftig als Ausbilderin zu arbeiten, ist ein sehr schönes Beispiel." Der stellvertretende Kreisbereitschaftsleiter betont, wie wichtig es ihm und seinen Mitstreitern ist, das gesamte Team durch behutsame Begleitung weiterzuentwickeln: "Es gibt Jahresgespräche, Feedback-Bögen und die Laufbahnberatung. All das dient dem Ziel, auch verborgene Potenziale unserer Mitarbeiter herauszufinden und zu stärken – ob ehrenamtlich oder hauptberuflich."

Der DRK-Kreisverband wolle den Umgang mit Ehrenamtlichen zunehmend professionalisieren – und sich damit deutlich von den Mitbewerbern abheben: "Bei uns dauert es keine zehn Jahre bis zum ersten Karriereschritt."

Kontakt

Wer sich ausführlicher über die Mitarbeit informieren möchte, kann sich per Mail bei Fabian Palic melden (KatS-Ehrenamt@DRK-KV-WF.de), der verspricht: "Die Rückmeldung erfolgt am selben Tag." Schon mit 15 Jahren kann man mitmachen, nach oben sind eigentlich keine Grenzen gesetzt.

Deutsches Rotes Kreuz (DRK)

Kreisverband Wolfenbüttel e.V.

Am Exer 19
38302 Wolfenbüttel

20.07.2023