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Clifton Meador erhält den Künstler­buch­preis 2024

Für sein Projektvorhaben zu einem Künstlerbuch, das den Dreißigjährigen Krieg als Ausgangspunkt einer Betrachtung der Folgen von Krieg bis in die Gegenwart in den Blick nimmt, wird der Künstler mit dem diesjährigen Künstlerbuchpreis der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und der Curt Mast Jägermeister Stiftung ausgezeichnet.

Porträt eines älteren Mannes © privat
Clifton Meador

Neben der Dotierung von 6.000 Euro eröffnet sich für den Preisträger die Möglichkeit, bis zu einem Monat an der Bibliothek zu arbeiten und ein aus den Beständen der HAB inspiriertes Künstlerbuch zu fertigen.

Clifton Meadors Projektskizze beginnt mit einer Bestandsaufnahme: Wir erleben derzeit den größten Landkrieg in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und mit Waffengewalt ausgetragene Konflikte in vielen Teilen der Welt. Der Fokus der nun prämierten Projektidee liegt auf dem Dreißigjährigen Krieg und seinen bis heute wirkenden Folgen für die politische, religiöse und soziale Landschaft Europas und der Welt. Anhand der Bestände der Herzog August Bibliothek möchte Meador in seinem Projektvorhaben die visuellen Ausdrucksformen dieses Krieges, insbesondere alte Drucke, in Bezug auf seine Relevanz für die heutigen Narrative und Erfahrungen untersuchen. Meador schreibt: „Images from any period are a way of shaping a narrative. That said, if history is supposed to be written by the victors, I wonder if artists might sneak in other stories along with the controlling narrative. […] I wonder if these marginal images might tell other stories, reveal different aspects of a terrible conflict and its aftermath.

Für den Künstlerbuchpreis 2024 lagen 23 Projektideen vor. Es gab neun Einreichungen aus Deutschland sowie 16 internationale Bewerbungen von Künstlerinnen und Künstlern aus den USA, Brasilien, Kolumbien, Pakistan, Südafrika, den Niederlanden, Russland und Australien.

Neben der Projektidee von Clifton Meador kamen auch die Entwürfe der Künstlerinnen Odine Lang und Mari Girkelidze in die engere Auswahl. Die darin aufgeworfenen Themen veranschaulichen gleichermaßen, dass das Künstlerbuch auf die gesellschaftlichen Phänomene seiner Zeit zu antworten vermag.

Odine Lang beleuchtet in ihrer Projektskizze das Leben des Bergarbeiters Arnold Scheren, der aktiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus leistete. Mari Girkelidze nimmt in ihrem Projektvorhaben die verschiedenen Phasen von Migration in den Blick: Mit unterschiedlichen Druck- und Prägetechniken, Materialkombinationen und Klängen möchte die Künstlerin ihre Heimat Georgien sowie Fremdheitserfahrungen auch für sehbehinderte Menschen erlebbar machen.

Das von Clifton Meador ausgezeichnete Konzept zum Dreißigjährigen Krieg überzeugte die Jury  aufgrund der historisch angelegten Betrachtung, die auf einem Kernbestand der HAB fokussiert und Rückschlüsse bis in die Gegenwart zieht. Die Fragen in seinem Arbeitsvorhaben sind aktueller denn je und regen zu einem Blickwechsel an, der in einem Künstlerbuch sichtbar werden soll. Clifton Meador kombiniert das Schreiben, Fotografie, Druckgrafik und Design und schafft so Künstlerbücher, die sich mit der Bedeutung von Narrativen über Kultur, Geschichte und Orte für die Entstehung von Identität befassen. Meador studierte Fotografie an der Rhode Island School of Design und Buchkunst am Purchase College in New York. Von 2014 bis 2019 war er Vorsitzender des Fachbereichs Kunst an der Appalachian State University und hat dort jetzt eine Professur für die Studiengänge Grafikdesign und Grafikkommunikationsmanagement inne. Seine Arbeiten sind in zahlreichen Sammlungen vertreten, darunter die Bibliothek des Museum of Modern Art in New York, das Victoria and Albert Museum in London und die Yale Art of the Book Collection. Auch die Herzog August Bibliothek hat bereits fünf seiner Arbeiten in ihrem Bestand: Archeiropoieta (2020), Chimeric Portraits (2022), Dead Life (2022), Vereenigde Oostindische Compagnie (2022) sowie East India Trade (2021).

Blick in den Malerbuchsaal in der Herzog August Bibliothek mit zwei Etagen Bücherregalen und Ausstellungsvitrinen © Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
Der Malerbuchsaal in der Herzog August Bibliothek

Die Künstlerbuchsammlung der HAB wurde in den 1950er Jahren mit zeitgenössischen Werken großer französischer Maler, den livres de peintre, begründet. Malerbücher und Pressendrucke bilden das Profil der international anerkannten Sammlung. Bis heute haben sich Künstlerinnen und Künstler immer wieder aufs Neue dem Künstlerbuch genähert und sowohl auf traditionelle als auch experimentelle Weise die Grenzen des Mediums ausgelotet.

Im Hinblick auf die Geschichte und die Entwicklung der Sammlung haben die Herzog August Bibliothek und die Curt Mast Jägermeister Stiftung erstmals für das Jahr 2018 den Preis für Buchkunst ausgelobt, der gleichzeitig das Engagement von Sabine Solf für die Belange der Bibliothek und ihre Stiftungen ehren soll. Als Kunsthistorikerin begleitete sie den Aufbau der Sammlung und hielt Kontakt zu den Künstlerinnen und Künstlern.

Die Entscheidung über die Preisvergabe erfolgte durch eine Jury, der Dr. Sabine Solf, Wolfenbüttel (Vorsitzende), Prof. Dr. Peter Burschel, Direktor der Herzog August Bibliothek, Manja Puschnerus, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Curt Mast Jägermeister Stiftung, Dr. Stefan Soltek, bis 2021 Leiter des Klingspor-Museums Offenbach, Nikoline Kästner, Papierrestauratorin, und Dr. Johannes Mangei, Stellvertretender Direktor der Herzog August Bibliothek, angehören.

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14.03.2024