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Hedwig - eine heilkundliche und sozial handelnde Herzogin

Porträt © HAUM EHolwein
Herzogin Hedwig

Hedwig, führte eine fürstliche Hausapotheke, ihr sogenanntes Lazarett. Sie gilt als „Gründerin der Wolfenbütteler Hofapotheke“. Im Jahr 1646 ließ Herzog August d. Jüngere, im Gebäude des heutigen „Bankhaus Seeliger“, eine fürstliche Apotheke einrichten.

Schwierige Familienverhältnisse

Hedwig, Tochter eines Kurfürsten und einer polnischen Königstochter, wurde in Cölln (heute Berlin) geboren. In Küstrin lernte sie Prinz Julius (1528-1589) kennen und lieben, wohin er vor seinem aggressivem Vater Herzog Heinrich d. Jüngeren von Braunschweig-Lüneburg (1489-1568) geflüchtet war. Während Hedwig und Julius die Reformation unterstützten, tat Heinrich alles, um diese in seinem Land zu verhindern. Familiäre Spannungen waren unvermeidbar. Erst als Hedwig einen Sohn und Thronfolger gebar, stimmte dies ihren Schwiegervater milder. Hedwig und Julius wurden nach Heinrichs Tod das erste protestantische Herzogpaar in Wolfenbüttel.

„Apothekerin“ und „Ärztin“ mit eigenem Laboratorium

Hedwig verband ihr Interesse an Heilpflanzen und wohl auch ihre Freude an der Gartenarbeit mit wohltätigen Aufgaben. Ihr umfangreiches botanisches und heilkundliches Wissen war besonders wichtig für die Verarbeitung von giftigen Pflanzen und auch für die Verordnung von Arzneien. Sogar ein eigenes Rezept für ein Destillat aus Kräutern und Gewürzen, ein sogenanntes Lebenswasser, ist überliefert. Blumige und würzige Düfte durchzogen ihr Laboratorium, wenn sie ein „Maiglöckchen Wasser“ herstellte, das auch damals kostbare Gewürze wie Muskat enthielt. Duftende Märzveilchen wurden zu einem Sirup gegen trockenen Husten und Fieber verarbeitet. Rosenöl stellte sie in großen Mengen zur Heilung leichter Hautverletzungen her. Die giftige Osterluzei, zur Förderung der Geburt und Nachgeburt, findet sich in einer Pflanzenbestellung für ihren Garten - genauso wie Basilikum, das als Tee ebenfalls die Geburt fördert und entspannende Melisse, die auch „Frauenkraut“ heißt.

Mit diesen und anderen Kräutern aus ihrem Garten behandelte Hedwig vermutlich Frauen während und nach der Geburt. Das war ihr Beitrag, um die hohe Sterblichkeit von Müttern und Kindern zu senken. Sie kümmerte sich aber um bedürftige Menschen jeden Geschlechts in der Heinrichstadt, wie der Stadtteil in der Nähe der Burg Wolfenbüttel, dem heutigen Schloss, damals hieß.

Bildung für Jungen und Mädchen

Hedwig, die wusste wie wichtig Bildung ist, gab elternlosen Kindern eine Zukunft. Mädchen wurden in adeligen Familien untergebracht oder in einem Kloster. Jungen durften zur Schule gehen und ein Handwerk erlernen.

Kluge Ratgeberin mit kriminalistischem Gespür in unruhigen Jahren

Als eine Gruppe Goldmacher auf die Burg kam und vier Jahre lang ihr Unwesen trieb, zeigte die „lebenskluge“ Hedwig Durchhaltevermögen. All die Jahre warnte sie ihren Mann vor Betrug und Schaden für das Herzoghaus. Doch sein Wunsch nach Gold und Gesundheit durch den „Stein der Weisen“ war so groß, dass er ihren Rat ignorierte. Besonders die junge Anna Maria Ziegler („Schlüter Liese“), hielt Julius immer wieder hin. Ein Giftanschlag auf die kritische Hedwig misslang, brachte die Wende und im Jahr 1575 die Hinrichtung der Goldmacher. Anna Maria Ziegler, die „Schlüter-Liese“, starb auf dem Scheiterhaufen.

Lebensende

Als Witwe lebte Hedwig ab 1589 auf Schloss Hessen, wo sie den Garten weiter ausbaute. Kurz vor ihrem Ende kehrte sie nach Wolfenbüttel zurück und starb dort im Jahr 1602.

Literaturangaben

  • Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. Basel 2013. S. 75 f.
  • Hans-Henning Grote: Schloss Wolfenbüttel. Braunschweig 2005, S. 55.
  • Horst-Rüdiger Jarck (Hrsg.) Braunschweigisches Biographisches Lexikon 8.-18. Jahrhundert, Braunschweig 2006
  • Wolfgang Kelsch und Wolfgang Lange: Häuser und Portale […] Wolfenbüttel 1981, S. 50.
  • Hans-Joachim Kraschewski: Julius, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg. In: Horst-Rüdiger Jarck (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon. Braunschweig 2006, S. 386.
  • Britta-Juliane Kruse: Korrespondenznetzwerke […] Herzog August Bibliothek. PURL: Korrespondenznetzwerke am Wolfenbütteler Hof: Briefwechsel von Julius und Hedwig von Braunschweig-Lüneburg (1550‒1600) - Herzog August Bibliothek Abgerufen 28.03.2024.
  • Britta-Juliane Kruse: Adelige Witwen im Netz frühzeitlicher Verhaltensdiskurse. In: Schleinert, Dirk, Schneikart, Monika (Hrsg.) Zwischen Thronsaal und Frawenzimmer. Handlungsfelder pommerscher Fürstinnen um 1600. Köln 2017, S. 45 bis 50, 54.
  • Hans Dieter Lange: Sömmering. In: Horst-Rüdiger Jarck (Hrsg.): Braunschweigisches Biogr. Lexikon, S. 657 f.
  • Christian Lippelt: Heinrich d. J. Herzog zu Braunschweig […]. In: Jarck, S. 322 f.
  • Margret Madejski: Praxishandbuch Frauenkräuter. Aarau u. München 2019, S. 40 f., 127.
  • NLA WO [Niedersächsisches Landesarchiv Wolfenbüttel]
  • 11 Alt Mart Nr. 701 Mariental, Kloster, Übersendung Kräuter, Wolfenbüttel, Lustgarten.
  • 1 Alt 23 Nr. 127 Schreiben der Herzogin Hedwig […] an dessen Stiefmutter Herzogin Sophia […]
  • Paul Raabe: Spaziergänge durch Lessings Wolfenbüttel. Zürich u. Hamburg 1997, S. 125.
  • Friedrich Thöne: Wolfenbüttel. Geist und Glanz […] München 1968, S. 47
  • Johannes Tornarius: Eine Leichenpredigt. Herzog August Bibliothek. Eine Leichenpredigt - Herzog August Bibliothek . Abgerufen 28.03.2024
  • Gabriele Wacker: Arznei und Confect. Medikale Kultur am Wolfenbütteler Hof im 16. und 17. Jh. In: Wolfenbütteler Forschungen, Band 134 (2013), S. 177 bis 179, 308 bis 332, 528 f.
  • Silke Wagener-Fimpel: Hedwig Herzogin zu Braunschweig-Lüneburg (Wol): In Jarck (Hrsg.): Braunschw. Biogr. Lexikon. Braunschweig 2006, S. 306.