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Karoline Herschel (1750 bis 1848) - Acht Kometen

Gemälde einer alten Dame in historischer Kleidung © National Portrait Gallery, London, Wikimedia Commons, CC0
Karoline Herschel, 92jährig (Ausschnitt). Ölgemälde: Melchior Gommar Tieleman; nach einer Lithographie von Georg Müller

Karoline (Caroline) wuchs in Hannover mit fünf älteren überlebenden Geschwistern auf. Der Vater war Militärmusiker. Seine Kinder erhielten eine musikalische Grundausbildung, Karoline auf der Geige und Gesang. Im Elternhaus wurde auch philosophiert und Astronomie betrieben. Täglich besuchte sie die Garnisonschule und lernte Lesen und Schreiben, ungewöhnlich für diese Zeit. Sie wollte sich im Leben geistigen Anforderungen stellen. Sie schreibt in ihren Memoiren: „Ich vermochte den Gedanken, dass ich ein Aschenputtel oder eine Hausmagd werden sollte, nicht zu ertragen.“

Mit 22 übersiedelte sie zu ihrem 12 Jahre älteren Bruder Friedrich Wilhelm nach Bath/England, der als Organist und Musiklehrer tätig war. Sie erwarb sich bei ihren Gesangsauftritten einen guten Ruf. Nach ein paar Jahren beschloss der Bruder sich der Astronomie, seiner eigentlichen Berufung zu widmen. Das war im Sinn der wissbegierigen Karoline, er unterrichtete sie in Arithmetik und Geometrie. Wilhelm baute Spiegelteleskope, Karoline schliff und polierte die Spiegel, daneben lernte sie astronomische Theorie wie algebraische Formeln für Berechnungen und Reduktionen als Grundlage für das Beobachten und Durchmustern des Himmels.

1781 entdeckte Friedrich Wilhelm den Planeten Uranus. Er wurde Hofastronom bei König Georg III., Karoline erhielt eine Anstellung auf Lebenszeit als Gehilfin ihres Bruders mit einem festen Gehalt. Jetzt erforschte sie selber den Sternenhimmel und entdeckte 1783 drei bemerkenswerte Nebel, hunderte von Sternenhaufen und zwischen 1786 und 1797 acht Kometen. 1797 legte sie der Royal Society einen Index zu John Flamsteeds Beobachtungen vor, zusammen mit einem Katalog von 561 Sternen, welche in dessen British Catalogue fehlten, sowie zusätzlich eine Liste von Fehlern in dieser Publikation. Sie erhielt allerhöchste Anerkennung für diese Arbeit, unter anderem von Carl Friedrich Gauß.

Nachdem Karolines Bruder Friedrich Wilhelm 1822 verstorben war, ging sie als 72-Jährige zurück nach Hannover - nach 50 Jahren. Dort setzte sie ihre astronomischen Studien fort. Außerdem ordnete sie das umfangreiche Material, das ihr Bruder hinterlassen hatte. In ihrem einfachen Haus in der Marktstraße bekam sie Besuch von bedeutenden Gelehrten. Hohe Auszeichnungen wurden ihr zuteil, unter anderem erhielt sie 1846 im Alter von 96 Jahren im Auftrag des Königs von Preußen die goldene Medaille der Preußischen Akademie der Wissenschaften. An ihrem 97. Geburtstag wurde sie vom Kronprinzenpaar empfangen, unterhielt sich einige Stunden lebhaft mit ihnen und sang ihnen abschließend ein Lied vor, das ihr Bruder siebzig Jahre zuvor komponiert hatte.

Karoline Herschel, die Kometenjägerin, starb am 9. Januar 1848. Sie erreichte das hohe Alter von 97 Jahren und wurde auf dem Gartenfriedhof in Hannover beerdigt, wo sich ihr Grab auch heute noch befindet.

Ein Komet, ein Mondkrater und ein Planetoid wurden nach ihr benannt. Ihr zu Ehren wurde 2022 die Caroline-Herschel-Medaille ins Leben gerufen, welche die langjährige wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und Deutschland würdigt.