Zurück in der Familie: NS-Raubgut
Zwei Bücher aus dem Eigentum von Lucy Büchenbacher konnten an die Erbin der antisemitisch verfolgten Autorin restituiert werden. Es handelt sich um Werke von Hugo von Hoffmannsthal, die die HAB 1954 erworben hatte.
Lucy Büchenbacher (geborene Mailaender, 1886 bis 1978) verfasste unter dem Pseudonym Lucy Malden neben Gedichten über zwanzig Kinderbücher. Sie war, wie ihre gesamte Familie, der antisemitischen Verfolgung durch das NS-Regime ausgesetzt. Unter dem steigenden Verfolgungsdruck entschloss sie sich 1939 zur Emigration und ließ ihr Umzugsgut im Juni 1939 von einer Spedition von Nürnberg in den Hamburger Hafen verbringen. Im September desselben Jahres teilte die Spedition ihr mit, dass ein Teil ihres Eigentums auf dem Weg von Nürnberg nach Hamburg „verloren gegangen“ sei. In Wahrheit wurde Lucy Büchenbachers Umzugsgut im Hamburger Hafen von der Gestapo beschlagnahmt und versteigert. Die Erlöse flossen auf das Konto der Gestapo. Im Dezember 1939 gelang Lucy Büchenbacher die Ausreise nach Bolivien. Von dort aus emigrierte sie mit ihrer Tochter weiter in die USA, wo sie im November 1945 eintrafen. Sie änderten ihre Nachnamen zu Baker.
Aus der Rückerstattungsakte zu Lucy Baker wird deutlich, dass sich auch 24 Bilderbücher, die zwischen 1920 und 1932 veröffentlicht wurden sowie gut 200 Bücher mit Erscheinungsjahren von 1900 bis 1932 unter ihrem Umzugsgut befunden hatten. Es ist anzunehmen, dass auch die beiden in der HAB ermittelten Bände („Unterhaltungen über literarische Gegenstände“ und „Das gerettete Venedig“) unter diesen Büchern waren. Die beiden Bände wurden Anfang 2025 an Büchenbachers Erbin restituiert.
Die Provenienz der beiden Bände wurde im Rahmen des durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekts „NS-Raubgut unter den Zugängen der Herzog August Bibliothek 1933–1969“ rekonstruiert.