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Samsonschule - Wiege des liberalen Judentums

Mit einer feierlichen Veranstaltung wurde am 20. November 2025 die umfassend sanierte ehemalige Samsonschule in Wolfenbüttel als Lern- und Gedenkort mit Wohnheim wiedereröffnet.

Das Bild zeigt einen großen, hellen Raum mit Holzfußboden, in dem eine Veranstaltung stattfindet. Mehrere Reihen von Stühlen sind dicht besetzt, die Personen tragen überwiegend formelle Kleidung und halten Papier in den Händen. Im Hintergrund sind große Fenster mit weißen Vorhängen und eine helle Wand sichtbar. Rechts hinten befindet sich eine offene Tür © Moses Mendelsohn Stiftung
Wiedereröffnung der Samsonschule

Die Moses Mendelssohn Stiftung hat das denkmalgeschützte Gebäude nach mehrjähriger Sanierung in einen Ort verwandelt, der Geschichte, Erinnerung, Aufklärung und Gegenwart miteinander verbindet. Ministerpräsident Olaf Lies würdigte das Projekt in einem Videogrußwort: „Die Samsonschule ist ein wichtiger Impulsgeber für die Stadtgesellschaft und das ganze Land Niedersachsen.“

Nach jahrzehntelangem Leerstand ist an diesem authentischen Ort deutsch-jüdischer Geschichte ein bedeutendes kulturelles Ensemble entstanden, das nun Ausstellung, Veranstaltungsraum und ein Wohnheim für 155 Studierende und Auszubildende vereint. Die denkmalgerechte Sanierung wurde durch Mittel des Landes Niedersachsen, der NBank, und des Bundes (KfW) gefördert. Die Zukunftsstiftung Asse-Fonds hat die Einrichtung der Ausstellung maßgeblich unterstützt.

Die neue Dauerausstellung – Geschichte sichtbar gemacht

Die neue Dauerausstellung in einem ehemaligen Klassenraum der historischen Samsonschule verbindet authentischen Ort und digitale Vermittlung: Sie beleuchtet jüdische Bildung, die Haskala und die Biographien ehemaliger Schüler, darunter Leopold Zunz, Emil Berliner, Samuel Spier oder Werner Scholem. Historische Objekte wie Löffel aus dem Speisesaal (Dauerleihgabe), eine Erstausgabe aus der früheren Schülerbibliothek, ein Grammophon ergänzen vielfältige Fotografien, Karten, eine Hörstation und Touchscreen mit vielen weiteren Informationen. Ein zentrales Online-Angebot ist die neue Internetpräsenz Samson-Schule.de mit eingebetteter Schülerdatenbank von über 1.600 recherchierten Namen.

Als Dauerleihgabe hat die Stadt Wolfenbüttel ein Modell der Neuen Synagoge Wolfenbüttel zur Verfügung stellt. Die Synagoge war eng mit der Samsonschule verbunden: Die Hälfte der Eigentumsanteile lag beim damaligen Schulträger, bevor das Gotteshaus in der NS-Zeit zerstört wurde.

Die Ausstellung macht sichtbar, was Leopold Zunz einst formulierte: „Die Geschichte der Samson´schen Freischule ist im kleinen die jüdische Kulturgeschichte“ und schlägt zugleich den Bogen in die Gegenwart von Bildung, Aufklärung und gesellschaftlicher Offenheit.

Dr. Elke-Vera Kotowski, Chefkuratorin der Moses Mendelssohn Stiftung, erklärt: „Unsere Ausstellung zeigt die Samsonschule als wichtigen Ort jüdischer Bildung und als Fenster zur europäischen Aufklärung. Sie macht Biographien sichtbar, die bislang im Verborgenen lagen von Emil Berliner bis zu Leopold Zunz, von Samuel Spier bis Werner Scholem. Damit knüpfen wir die historischen Fäden an die Gegenwart und machen die Samsonschule wieder zu einem Ort, an dem Wissen, Erinnerung und Austausch aktiv gelebt werden.“

Digital weltweit zugänglich: Online-Ausstellung mit Schülerdatenbank

Ab dem 20. November wird ein wesentlicher Teil der Ausstellung über den neuen Internetauftritt Samson-Schule.de zugänglich sein. Ein Teil ist die digitale Schülerdatenbank von bereits über 1.600 Schülern, Lehrern und Mitarbeitenden, deren Wege sich von Wolfenbüttel aus in die ganze Welt verzweigten. Das Projekt wird kontinuierlich im Sinne eines Citizen-Science-Ansatzes erweitert.

Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Vorstandsvorsitzender der Moses Mendelssohn Stiftung, betont: „Die Samsonschule ist ein einzigartiger Erinnerungsort. Mit dem neuen digitalen Angebot machen wir ihre Geschichte international sichtbar und geben vielen Menschen – Familien, Forschenden, Interessierten – erstmals Zugang zu der einst bedeutenden deutsch-jüdischen Bildungsinstitution. Wir möchten eine Plattform schaffen, die weltweit miteinander verbindet; im Netz wie am historischen Ort selbst.“

Emil Berliner Saal eröffnet – ein offener Ort für Dialog

Parallel zur Ausstellung wurde die ehemalige Aula der Schule als Emil Berliner Saal neu eröffnet. Benannt nach dem berühmten Samsonschüler, Erfinder des Grammophons und Pionier der modernen Tontechnik. Der Saal wurde zeitgemäß als multifunktionaler Veranstaltungsraum hergerichtet. Er bietet künftig Raum für Konzerte, Vorträge, Lesungen, Ausstellungen, Dialog- und Demokratieformate.

Bürgermeister Ivica Lukanic erklärte in seinem Grußwort: „Mit dem Emil Berliner Saal erhält Wolfenbüttel einen neuen kulturellen Begegnungsraum, der an die Tradition der Stadt als Zentrum der Aufklärung anknüpft. Die Samsonschule ist ein Schatz unserer Stadtgeschichte und heute ist ein gutes Stück davon zurückgekehrt.“

Dr. Elke-Vera Kotowski: "Spätestens seit dem 7. Oktober 2023 müssen wir feststellen, dass der Antisemitismus nicht nur an den Rändern sondern in der Mitte der Gesellschaft wieder aufkeimt. Daher ist es wichtig, ja notwendig, Orte zu schaffen, an denen historische Begebenheiten wieder sichtbar und nachvollziehbar werden, um ,alternativen Fakten' etwas entgegenzuhalten und einen Ort der Aufklärung und des Dialogs zu bieten. Die Samsonschule, die selbst ein historisches Erbe darstellt, soll künftig als Denk- und Gedenk-Ort Menschen zusammenführen und ins Gespräch bringen.“

Ein Ensemble mit Zukunft: Lernort, Gedenkort und Wohnheim

Zum Ensemble gehört auch ein bereits im Oktober in Betrieb genommenes Wohnheim mit 155 modernen Apartments für Studierende und Auszubildende, betrieben durch die FDS gemeinnützige Stiftung.

Das Zusammenspiel Lern- und Gedenkort und Wohnheim spiegelt die historische Funktion der Samsonschule als Internat sowie Bildungsstätte wider. Gleichzeitig wurde ein lebendiger Ort geschaffen, an dem Gegenwart und Geschichte miteinander in Beziehung treten.

Kontakt

  1. FDS gemeinnützige Stiftung
  2. Moses Mendelssohn Stiftung
22.11.2025