Täglicher Einsatz für eine offene Gesellschaft: THG ist "Schule ohne Rassismus"
Nach einem deutlichen „ja“ der Schulgemeinschaft zum Beitritt des THG zum Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, fand die Verleihungsveranstaltung nun am Freitag, 28. November 2025, im Beisein von Kultusministerin Julia Willie Hamburg statt. Das THG ist dabei die 500. Schule, die sich dem Netzwerk anschließt.
„Von Anfang an ist es den Schülerinnen und Schülern ein sehr großes Anliegen gewesen, in dieser für unsere Demokratie doch sehr herausfordernden und anstrengenden Zeit ein sichtbares Zeichen für Vielfalt, Demokratie und Menschenwürde zu setzen. Ein Zeichen gegen Rassismus, rechte Hetze und Diskriminierung. Und es war ihnen wichtig zu zeigen, dass wir eine vielfältige Schulkultur haben. Weil sie ganz genau wussten, aus gelebter Vielfalt entsteht Gemeinschaft“, blickt Dr. Besim Enes Biçak, Leiter des Projektes, auf die vergangenen Monate zurück.
Und so haben sich die Schülerinnen und Schüler hingesetzt und geplant. Sie haben sehr schnell sehr schöne, tolle Aktionen auf die Beine gestellt. „Wir haben uns hier drüben auf dem Sportplatz versammelt und haben ein großes „No“ geformt und "Nein" gesagt zu Rassismus, Diskriminierung und Hass. Wir haben "Ja" gesagt zu Demokratie und Menschenwürde und in einem anderen Projekt haben die Schüler sich im Geiste dieses Projektes, dieses Netzwerkes auf den Weg gemacht und Statements aus der Schulgemeinschaft gesammelt zu Courage, Vielfalt und Gerechtigkeit und haben das zu einem ganz großen Bild zusammengefasst“ erinnert Schulleiterin Sandra Feuge. Schließlich hat sich die Schulgemeinschaft dafür entschieden, den Antrag auf die Aufnahme in das Netzwerk „Schule ohne Rassismus“ zu stellen. „Das Engagement für Toleranz und Menschenrechte gehört aktuell zu einer unserer vordringlichsten Aufgaben und Herausforderungen, die uns allen Kraft und gelegentlich auch Mut verlangt. Das gilt gerade für junge Menschen, wie es unsere Schülerinnen und Schüler sind. Die Plakette mit der Aufschrift „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ soll ab heute unser täglicher Erinnerungszettel an unserer Eingangstür sein. Unser leuchtender Post-it, der uns jeden Tag aufs Neue beim Betreten unserer Schule daran erinnert, wozu wir uns mit dem Beitritt in das Netzwerk verpflichtet haben: zu einem handelnden Eintreten für Demokratie, Toleranz und Meinungsfreiheit an unserer Schule. Sie darf und soll uns gleichzeitig aber auch stärken, indem sie uns zeigt, dass wir mit unseren Werten und unserem Anliegen nicht alleine sind, sondern dass wir uns mit zahlreichen anderen Menschen verbunden fühlen dürfen, an ganz unterschiedlichen Orten und mit unterschiedlichen Funktionen, die die gleichen Ziele verfolgen und sich zu dem gleichen Engagement verpflichtet haben. Engagement für Demokratie braucht kraftvolle Mistreiterinnen und Mitstreiter. Und es braucht überzeugende Vorbilder! Unterstützerinnen und Unterstützer, die uns wehrhaft machen gegen toleranzfeindliche Tendenzen und Kräfte. Ich bin sehr froh und dankbar dafür, dass sich heute so zahlreiche Partnerinnen und Partner auf den Weg zu uns nach Wolfenbüttel und ans THG gemacht haben, um uns bei unserem Schritt in das Netzwerk zu begleiten und uns ihren Schulterschluss mit uns auf unserem Weg gegen Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit zuzusichern. Das macht Mut!“, unterstrich die Schulleiterin.
Bürgermeister Ivica Lukanic ging in seinem Grußwort auf die eigenen Erfahrungen mit Rassismus ein. „Ich kann mich von Kindheitstagen erinnern, dass ich immer wieder gefragt worden bin, woher kommt denn dieser Name? Was ist deine Herkunft? Ich habe dann immer gesagt, naja, meine Eltern, die sind als Migranten hierhin gekommen, als Gastarbeiter ursprünglich, und daher kommt dieser Name. Ich bin aber in Deutschland geboren. Und das ist gewissermaßen auch für mich immer ein Zeichen der Gesellschaft gewesen, die offensichtlich an mir eine Andersartigkeit erkannt hat, mit der ich immer wieder konfrontiert worden bin“, berichtet Lukanic. Im Rahmen der Kommunalwahl 2021 wurde im dann von einer Aussage eines Politikers berichtet, der gesagt haben soll „naja, das mit dem Lukanic als Bürgermeister kann ja nichts werden, denn mit seinem Namen wird man in Wolfenbüttel nicht Bürgermeister“. „Ihr seht, dass selbst ich, der jetzt vielleicht aufgrund seines Äußeren oder aufgrund der Sprache, eigentlich nicht damit konfrontiert sein dürfte, in seinem Leben auch Dinge erlebt hat, die nicht akzeptabel sind“, so der Bürgermeister in Richtung der Schülerinnen und Schüler.
Am 17. März habe die Schulgemeinschaft ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung gesetzt. „Ich habe das aus der Ferne in den Sozialen Medien verfolgt und bei mir gedacht: Wenn unsere Demokratie Zukunft hat, dann an Orten wie diesem. Die gute Nachricht ist: Die große Mehrheit der jungen Menschen lehnt offene antisemitische und offen fremdenfeindliche Parolen ab. Viele von euch wollen in einem Land leben, das offen, gerecht und vielfältig ist. Die schwierige Nachricht ist: Über Social Media und Stammtischparolen schleichen sich immer wieder feindselige Bilder von ,den Fremden‘ oder ,den Juden‘ in Köpfe und Herzen – oft verkleidet als scheinbar harmlose Sprüche oder ,nur eine Meinung‘ – nach dem Motto ,das wird man ja noch sagen dürfen‘. Genau deshalb braucht es Schulen wie das THG, die sagen: Wir lassen es nicht zu, dass Hass normal wird – weder auf dem Pausenhof noch im Klassenchat“, so Lukanic. Was bedeute es konkret eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zu sein? „Heißt das, große Reden zu schwingen? Nein. Heißt das, immer einer Meinung zu sein? Auch nicht. Es heißt vor allem: hinsehen statt wegschauen, widersprechen, statt mitzulachen, unterstützen, statt allein zu lassen“, erklärt der Bürgermeister. Als Bürgermeister von Wolfenbüttel sei er stolz darauf, dass das THG diesen Weg gehe. „Ihr alle, stärkt damit unsere Stadt als offenen, demokratischen und solidarischen Ort.“
Kultusministerin Julia Willie Hamburg lobte in ihrem Grußwort das Engagement der Schulgemeinschaft und ihr starkes Bekenntnis zu so einen starken Selbstauftrag. Denn in der Tat, sei dieses Label anders als andere Label, denn es zeichne nicht schon Erreichtes aus, sondern es sei ein Bekenntnis, dass man sich auf einen Weg begeben möchte, der ehrlicherweise auch nie zu Ende sein werde. „Es wird häufig diskutiert, ist eigentlich die Aussage ,Schule ohne Rassismus‘ die richtige Bezeichnung? Denn kann es eine Schule ohne Rassismus überhaupt geben? In unserer Gesellschaft heute nicht. Aber es ist eine klare und starke Vorstellung, dass wir darauf hinarbeiten wollen, genau das hier miteinander zu erreichen. Und das ist gar nicht so einfach, wo doch auch Rassismus, Diskriminierung und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft mittlerweile noch so viel stärker allgegenwärtig ist, als es vielleicht in der Vergangenheit auch war“, so die Kultusministerin.
Und insofern sei es auch wichtig, dass die Schulgemeinschaft genau diesen Mut zeige, um Rassismus, um Diskriminierung in der Schule zu überwinden. Mit der 500. Schule sei Niedersachsen auf Platz 3 im Bundesvergleich. „Und Ihre Schule ist die 500. Schule. Wenn wir das mal runterbrechen, bedeutet das, dass mittlerweile in Niedersachsen jede sechste Schule eine Schule ohne Rassismus ist und das heißt, dass Ihr hier auf ein großes Netzwerk von 499 weiteren Schulen zurückgreifen könnt, um euch hier auszutauschen, Ideen zu sammeln, miteinander Best-Practice-Modelle, aber vielleicht auch Probleme, die ihr habt, zu erörtern und vor allem zu wissen, ihr seid nicht alleine, sondern ihr seid Teil eines großen Ganzen und ihr alle wollt daran arbeiten, dass unsere Gesellschaft eine bessere wird. Und das finde ich gerade von euch, als Schülerinnen und Schüler, unglaublich wichtig, denn wenn wir mal ehrlich sind, seid ihr diejenigen, die in ein paar Jahren unsere Zukunft gestalten werden. Ihr werdet diejenigen sein, die darüber entscheiden, ob wir in Zukunft noch eine solidarische, eine freie, eine offene und auch eine tolerante Gesellschaft sind oder ob wir das nicht sind“, so Julia Willie Hamburg.
Ilka Töniges sprach ein Grußwort für das Kollegium: „Somit markiert dieses Ereignis, dass wir jetzt eine Schule ohne Rassismus, eine Schule mit Courage sind, nicht nur einen Meilenstein in unserer Schulgeschichte, sondern ist auch ein sehr starkes Bekenntnis zu Toleranz und Solidarität und Respekt gegenüber der Vielfalt der Menschheit. Nicht nur mit der Plakette, sondern natürlich auch schon durch unseren Amtseid haben wir uns verpflichtet, diese Werte nach außen zu vertreten und eine Schule zu gestalten, in der jeder Einzelne gehört wird, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Religion oder was man sonst noch so komisch finden könnte an anderen Leuten. Gleichzeitig bietet diese Verleihung der Plakette uns nun auch die Möglichkeit, verschiedene Projekte zu initiieren.“
Mia Gradewald und Emil Schultze von der Schülervertretung betonten ebenfalls, dass Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage weitaus mehr als nur eine Plakette sei, die zukünftig im Bereich des THGs hängen werde. „Es zeigt den Willen unserer Schülerschaft, Courage zu zeigen und sich für ein friedliches Miteinander einzusetzen. Uns als Schülervertretung macht es stolz, dass sich die Schulgemeinschaft des THGs erfolgreich auf den Weg gemacht hat, sich in Zukunft noch stärker gegen jegliche Form von Rassismus und die Diskriminierung anderer einzusetzen und es freut uns mit der Aufnahme in das Netzwerk Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage dieses Zeichen setzen zu können. Allerdings ist es uns auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass es trotz dessen Menschen weiterhin Rassismus in ihrem Alltag erfahren müssen, egal ob sie nun Teil des Netzwerks sind oder nicht. Umso größer ist unser Anliegen daher als Schülervertretung, die Mitmenschen unserer Schulgemeinschaft dazu anzuregen, unterwegs zu unterstützen, sich am THG für Projekte im Rahmen von Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage einzusetzen, um aktiv sowie präventiv gegen Diskriminierung vorgehen zu können.“
Projektpate Manfred Casper erinnerte daran, dass die Gesellschaft vor einigen Jahrzehnten schon einmal ähnliche Herausforderungen bestehen musste. „Ich möchte daher davor warnen, dass wir in eine Paranoia verfallen in unserer Gesellschaft und aus Angst vor dieser Entwicklung, wie das Kaninchen vor der Schlange, erstarren. Das tun wir hier nicht, am THG schon gar nicht, weil wir ja aktiv werden im Rahmen des Netzwerks Schule gegen Rassismus und mit Courage, aber gelegentlich habe ich das Gefühl, dass hier über die Medien eine Stimmung erzeugt wird, die einer Überängstlichkeit gleichkommt. Das halte ich für fehl am Platz. Insofern möchte ich Mut machen, sich zu streiten, sich auseinanderzusetzen, auch mit Andersdenkenden, auch die, die nicht unbedingt unserer Meinung sind, um sie vielleicht zurückzuholen, auch ins Spektrum des demokratischen Konsenses. Und in diesem Sinne möchte ich allen Schülerinnen und Schülern Mut zusprechen, sich nicht unterkriegen zu lassen, sondern weiterzukämpfen im Rahmen auch dieses Netzwerkes. Reiht euch nicht ein in diejenigen, die die sogenannten sozialen Netzwerke nutzen, um Hass und Zwietracht zu säen, sondern versucht demokratisch, tolerant, aufgeklärt durchs Leben zu gehen. Dann habt ihr eine gute Zukunft vor euch“.
Daniel Groneberg und Dr. Dirk Hahn begeisterten mit ihrem musikalischen Beitrag ebenso wie Schülerin Mia Reger, die sogar für Gänseheut im Publikum sorgte. Viel Applaus erhielt auch Sila Çelik für ihren Poetry Slam sowie Schülerinnen des Kunstkurses und der Projektgruppe, die vergangene und künftige Projekte in den Mittelpunkt stellten. Mit einem gemeinsamen, Fingerfood-Imbiss, klang die Feierstunde aus.