Hochwasserschutzmaßnahme am Okerbogen: So ist der Stand
Die Hochwassserschutzmaßnahme am Okerbogen hat in diesem Jahr ordentlich Fahrt aufgenommen. Der Wasserverband Mittlere Oker realisiert für seine Mitgliedskommune Stadt Wolfenbüttel den Hochwasserschutz am Okerbogen. Die Maßnahme gliedert sich insgesamt in fünf Bauabschnitte.
Die Arbeiten am ersten Bauabschnitt haben bereits am 25. März 2025 mit dem Abriss desehemaligen Germania-Sportheims sowie der Räumung des Baufelds begonnen. Seitdem wurde dieser Bauabschnitt und auch schon der zweite Bauabschnitt mit der Erneuerung des Kanaldükers unter der Oker südlich des früheren Sportplatzgeländes vollständig abgeschlossen. Parallel dazu starteten die Arbeiten des ersten Teilabschnitts (Bauabschnitt drei) am Rosenwall, dessen funktionaler Teil inzwischen ebenfalls vollständig fertiggestellt wurde.
Die Baustelle der Hauptmaßnahme am Okerbogen (Bauabschnitt vier) wurde in der ersten Novemberwoche 2025 eingerichtet. Die ersten Erdarbeiten begannen dort am 10. November 2025. Dabei handelt es sich um die eigentlichen Hochwasserschutzbauwerke für den Okerbogen, deren Bau nun begonnen wurde. Sie bestehen aus einem rund 600 Meter langen sogenannten Linienschutz, der das angrenzende Quartier vom Gewässer trennt und dessen Ausuferung verhindert. Ergänzt wird dieser Linienschutz durch eine Hochwasserflutmulde im Bereich der Steinhäuser Gärten, also durch eine künstlich angelegte Senke, die als Ausdehnungsraum für den Fluss bei Hochwasser fungiert. Dieser Linienschutz setzt sich mit rund 350 Metern aus einem erdgeschütteten Deich und mit weiteren rund 250 Metern aus einer Stahlspundwand zusammen.
Die Bauabschnitte drei und fünf laufen entlang des Rosenwalls. Dort entsteht eine insgesamt 100 Meter lange Stahlspundwand, die aus einer Auflage des Planverfahrens resultiert und als sogenannter hydraulischer Ausgleich entlang der Gewässerböschung entstehen. Die Herstellung des funktionalen Teils von Bauabschnitt drei, eine rund 40 Meter lange Spundwand, wurde bereits Mitte November 2025 abgeschlossen. Es folgen nun Restarbeiten die Anfang 2026 abgeschlossen sein werden.
Wie ist der Zeitplan?
Die Fertigstellung der Gesamtmaßnahme ist für Ende Oktober 2026 geplant. Dabei wird am Okerbogen durchgehend gebaut. Die Bauabschnitte am Rosenwall werden aufgrund der besonderen räumlichen Herausforderungen – zwischen den Grundstücken entlang der Gebäude und der Uferböschung ist nur wenig Platz – sowie der Naturschutzauflagen wird nur in zwei kurzen Etappen gebaut. Die laufende bis aktuell Ende Februar 2026 (Bauabschnitt drei) sowie der Rest der Spundwand von Juli bis Oktober 2026 (Bauabschnitt fünf).
Am Okerbogen ist als nächstes die Fertigstellung der Baustraße und künftigen Unterhaltungsrampe von der Friedrich-Ebert-Straße runter in die Flutmulde geplant, wodurch zum einen die Mehrbelastung der Straße Grüner Platz/Am Okerufer durch den derzeitigen temporären Baustellenverkehr entfällt. Zum anderen ist die Erdrampe integriert in die Deichanlage und damit selbst Teil des Linienschutzes.
Was sind eigentlich die Ziele der Baumaßnahme?
Zielsetzung der Maßnahme ist in erster Linie der vollständige technische Hochwasserschutz für das Stadtquartier Am Okerufer/Grüner Platz/Steinhäuser Gärten. Dieses Gebiet liegt im Überschwemmungsgebiet (ÜSG) der Oker, also in einem Bereich, in den der Fluss bei Hochwasser ausufert, wie zuletzt beim Weihnachtshochwasser 2023/2024. Die Ausuferungen erreichen dabei Ausdehnungen die bis zur Straße Grüner Platz reichen, und sowohl Wohnbebauung als auch öffentliche Infrastruktur bedrohen. Der Hochwasserschutz ist auf ein Hochwasser in einer Größenordnung, die statistisch nur einmal in einhundert Jahren auftritt, ausgelegt, das sogenannte HQ100. Durch eine großzügig bemessene Überhöhung des Bauwerks über das eigentlich Schutzziel hinaus, bietet die Installation selbst bei extremen Hochwässern über HQ100 hinaus noch Schutz, bevor sie überspült wird. Das Weihnachtshochwasser 2023/2024, das für Wolfenbüttel schon eine hohe Belastung war, war noch weit entfernt von einem HQ100.
Schon bei kleineren Hochwasserereignissen kommt der Flutmulde, die in Ergänzung zum Linienschutz zwischen Friedrich-Ebert-Straße und dem ehemaligen Germania-Sportplatz entsteht und Ausdehnungsvolumen (sogenannten Retentionsraum) für das Wasser bietet, besondere Bedeutung zu. Die Überlaufschwelle dieser nicht permanent wasserführenden Mulde ist so bemessen, dass sie bereits bei Ereignissen deutlich unter dem von 2023/2024 für eine Entlastung sorgt und so die Abflussspitze eines solchen Ereignisses entschärft. Als Nebeneffekt wird das ehemalige Sportplatzgelände über das Hochwasserniveau angehoben. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für künftige Nutzungen.
Die Flutmulde wird als grüne, von Bäumen gesäumte Wiese für die Bürgerinnen und Bürger erlebbar werden und dient zudem bei größeren Veranstaltungen auf dem Meesche Sportgelände zeitweise als Parkmöglichkeit.
Die Spundwand am Rosenwall wiederum dient als Ausgleichsmaßnahme gegen Mehrbelastungen der dahinterliegenden Grundstücke bei Hochwasser, die durch verdrängtes Wasser vom Okerbogen entstehen könnten. Sie entschärft die Belastung sowohl für Anlieger als auch Einsatzkräfte im Ereignisfall dadurch, dass sie die Linienführung der mobilen Maßnahmen aus dem Alarmplan (Sandsäcke, Schlauchdämme) vereinfacht. Auf lange Sicht ist mit diesen 100 Metern Spundwand der Grundstein für einen vollständigen technischen Hochwasserschutz an Rosenwall und Rosenwinkel gelegt, der planerisch sukzessive durch den Wasserverband Mittlere Oker weiterverfolgt wird.
Weitere Informationen
auf Youtube: Hochwasserschutz am Rosenwall