Erinnerung, Verantwortung und Solidarität mit der Ukraine
Am 24. Februar 2026 jährt sich der Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine zum vierten Mal.
Seit vier Jahren erleben wir einen Krieg mitten in Europa – einen Krieg, der unermessliches Leid über die Menschen in der Ukraine gebracht hat. Familien wurden auseinandergerissen, Angehörige verloren, Städte zerstört, Lebensentwürfe ausgelöscht. Millionen Menschen mussten ihre Heimat verlassen, viele leben bis heute in Angst, Unsicherheit und Trauer. Für die Menschen in der Ukraine ist dieser Krieg kein fernes politisches Ereignis, sondern ein täglicher Kampf ums Überleben. Daran erinnern wir in Wolfenbüttel mit Nachdruck und mit tiefem Mitgefühl.
Dieser Angriff hat auch die europäische Friedensordnung erschüttert. Was lange selbstverständlich schien – Frieden, Stabilität und Sicherheit – ist zerbrechlich geworden. Europa und die NATO haben darauf reagiert, um die Menschen in unseren Ländern zu schützen und Abschreckung zu stärken. Die Präsenz an der Ostflanke wurde ausgebaut, die Zusammenarbeit intensiviert, sicherheitspolitische Gewissheiten mussten neu gedacht werden.
Auch politisch hat sich Europa sichtbar verändert: Finnland trat am 4. April 2023 der NATO bei, Schweden am 7. März 2024. Diese Entscheidungen zeigen, wie tief Putins Angriffskrieg das Sicherheitsgefühl in Europa erschüttert hat.
Gleichzeitig hat die Europäische Union ihre Zusammenarbeit vertieft – mit Sanktionen gegen Russland und mit großen Anstrengungen, unabhängiger von russischen Energielieferungen zu werden. Programme wie REPowerEU stehen für diesen schwierigen, aber notwendigen Wandel.
Doch dieser Krieg ist nicht nur eine geopolitische Zäsur. Er hat auch unsere Stadt erreicht – nicht durch Waffen, sondern durch Menschen, ihre Geschichten und ihr Leid.
Wolfenbüttel hat seit 2022 Verantwortung übernommen und Schutzsuchenden Zuflucht geboten. Wir haben Unterkünfte geschaffen, Strukturen angepasst und Hilfe organisiert. Vor allem aber haben wir Menschen aufgenommen, die alles verloren haben und bei uns Sicherheit, Ruhe und eine Perspektive suchen.
Was in dieser Zeit besonders berührt, ist die große Hilfsbereitschaft unserer Stadtgesellschaft. Ehrenamtliche, Vereine, Kirchengemeinden, Initiativen, Schulen, Kitas, Unternehmen und unzählige Bürgerinnen und Bürger haben geholfen – spontan, tatkräftig und von Herzen. Sie haben Wohnungen vermittelt, Kleidung gesammelt, Behördengänge begleitet, Trost gespendet und neue Hoffnung ermöglicht. Diese Solidarität zeigt, was uns als Gemeinschaft stark macht, und verdient unseren tiefen Dank und größten Respekt.
Der Krieg führt uns zugleich vor Augen, wie wichtig Zusammenhalt und Resilienz sind: funktionierende Strukturen, verlässliche Infrastruktur und eine Gesellschaft, die füreinander einsteht. Sicherheit beginnt nicht nur an Staatsgrenzen — sie beginnt auch vor Ort, in unseren Städten, in unserem täglichen Miteinander.
Am 24. Februar gedenken wir der Opfer dieses Krieges. Wir denken an die Menschen, die ihr Leben verloren haben, an diejenigen, die trauern, und an alle, die weiterhin unter Gewalt, Zerstörung und Vertreibung leiden. Und wir erinnern uns daran, dass Frieden, Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern geschützt und verteidigt werden müssen.
Ich bitte uns alle: Lassen wir in unserer Solidarität nicht nach. Zeigen wir weiterhin Mitgefühl, Unterstützung und Offenheit gegenüber den Menschen aus der Ukraine, die Schutz, Hilfe und Hoffnung brauchen.
Wolfenbüttel steht an ihrer Seite — heute und in Zukunft.
Ihr
Ivica Lukanic
Bürgermeister