Sprungziele
Hauptmenü
Inhalt

Vorsorge wichtigstes Instrument gegen Darmkrebs

Der März steht traditionell im Zeichen der Darmkrebsvorsorge. Wie wichtig eine Früherkennung ist und welche Möglichkeiten der Prävention bestehen, erklärt Dr. Dirk Edelhäuser, Koordinator des zertifizierten Darmkrebszentrums Wolfenbüttel und Oberarzt der Klinik für Allgemein- Viszeral- und Minimal-Invasive Chirurgie des Klinikums Wolfenbüttel, im Interview.

Portrait von Herrn Doktor Dirk Edelhäuser, als Collage neben dem Foto des Klinikums Wolfenbüttel. © Klinikum Wolfenbüttel
Dr. Dirk Edelhäuser, Koordinator des zertifizierten Darmkrebszentrums Wolfenbüttel und Oberarzt der Klinik für Allgemein- Viszeral- und Minimal-Invasive Chirurgie des Klinikums Wolfenbüttel

  • Herr Dr. Edelhäuser, was genau ist unter Darmkrebsvorsorge zu verstehen?
    Edelhäuser: Im Fall von Darmkrebs ist die Vorsorge unser wichtigstes Instrument im Kampf gegen den Krebs. Je früher dieser entdeckt wird, desto besser sind die Behandlungs- und damit Überlebenschancen. Es wird empfohlen, auch ohne Symptome, ab dem 50. Lebensjahr jährlich ein Test auf verborgenes Blut und ab dem 55. Lebensjahr beginnend eine Darmspiegelung, die sogenannte Koloskopie, durchführen zu lassen. Diese wird ab 55 Jahren als Kassenleistung angeboten. Nach neueren Erkenntnissen ist das Risiko an Darmkrebs zu erkranken jedoch bereits mit 50 Jahren genauso hoch wie mit 55 Jahren. Daher sollte man bereits früher mit der Vorsorge beginnen.

  • Gilt das für Männer und Frauen gleichermaßen?
    Edelhäuser: Seit 2019 haben Männer ab 50 Jahren alternativ zum Stuhltest auch einen Anspruch auf zwei Vorsorgekoloskopien im Mindestabstand von zehn Jahren. Wird das Angebot erst ab dem 65. Lebensjahr in Anspruch genommen, haben sie jedoch nur Anspruch auf eine Vorsorgekoloskopie. Frauen haben diesen Anspruch auf zwei Vorsorgekoloskopien erst ab einem Alter von 55 Jahren. Bei Risikokonstellationen wie zum Beispiel einer Darmkrebserkrankung in der Familie oder einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung sollten die Untersuchungen allerdings bereits deutlich eher beginnen. Ihr Hausarzt berät Sie hierzu gerne.

  • Warum ist die Vorsorge insbesondere bei Darmkrebs so wichtig?
    Edelhäuser: Es gibt nur sehr wenige Tumorerkrankungen, bei denen wir den Krankheitsverlauf so genau beobachten und entsprechend eingreifen können. In knapp 25 Prozent aller Vorsorgedarmspieglungen werden gutartige Vorstufen von Darmkrebs, sogenannte Polypen, gefunden. Wenn man sie entfernt, wird das Krebsrisiko drastisch gesenkt, da die Polypen später nicht zu Krebs entarten können. Ein bereits vorhandener Krebs wird mehrheitlich so früh erkannt, dass er komplett geheilt werden kann.

  • Verursachen diese Polypen irgendwelche Beschwerden?
    Edelhäuser: Bei Darmkrebs wird häufig von einer „stillen“ Krankheit gesprochen. In den meisten Fällen gibt es keine Warnzeichen und auch die Polypen spürt man nicht. Ebenso wenig übrigens den Darmkrebs in der Anfangsphase. Sollten bereits Beschwerden wie Blut im Stuhl, Veränderungen des Stuhlgangs wie Verstopfung, Durchfall oder damit verbundene Schmerzen, Bauchschmerzen oder eine ungewollte Gewichtsabnahme bestehen, ist es unbedingt ratsam, sich an den Hausarzt zu wenden.

  • Wie verbreitet ist Darmkrebs in unserer Gesellschaft?
    Edelhäuser: Darmkrebs gehört zu den häufigsten Tumorerkrankungen der westlichen Welt. In Deutschland erkranken in jedem Jahr rund 61.000 Menschen daran – statistisch ist jeder 14. Bundesbürger und jede 18. Bundesbürgerin im Laufe des Lebens davon betroffen. Etwa 30.000 Menschen sterben jährlich an dieser Krankheit. Mit einem Anteil von zirka 15 Prozent an allen Krebsarten handelt es sich sowohl bei Frauen als auch bei Männern um die zweithäufigste Tumorerkrankung.

  • Die Angst vor einer Darmspiegelung scheint bei vielen Menschen groß zu sein.
    Edelhäuser: Dabei wird die Untersuchung selbst im wahrsten Sinne des Wortes verschlafen. Die Patienten werden dafür in einen kurzen Dämmerschlaf versetzt und bekommen somit kaum etwas davon mit. Die gesamte Untersuchung dauert meist nicht länger als 20 Minuten.

  • Und diese Untersuchungen nehmen Sie auch im Darmkrebszentrum vor?
    Edelhäuser: Die Darmspiegelung wird von einem niedergelassenen Gastroenterologen durchgeführt. Im Darmkrebszentrum Wolfenbüttel behandeln wir jährlich rund 100 Patienten mit der Diagnose Darmkrebs chirurgisch. Wir möchten Betroffene von Beginn an im Einklang mit ihrem Wunsch umfassend beraten, eine rasche zielgerichtete Diagnostik ermöglichen und im Konsens einen möglichst optimalen Therapieplan erstellen. Damit schaffen wir die nötigen Voraussetzungen für eine effektive Behandlung. Für diese Aufgaben arbeiten wir in einem Netzwerk mit mehr als 20 Kooperationspartnern der Region eng zusammen.

Weitere Informationen

Auf der Internetseite des Klinikums sind auf den Seiten des Darmkrebszentrums viele weitere Informationen rund um das Thema Darmkrebs zu finden. Neben einem Patientenfragebogen kann auch ein „Darmkrebs Schnell-Check“ durchgeführt werden.

Kontakt

Städtisches Klinikum Wolfenbüttel gGmbH