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Schloss Museum Wolfenbüttel zeigt die Sonder­aus­stellung: "Hexen­wahn - Glaube. Macht. Angst."

Vom 28. Oktober 2022 bis 10. April 2023 präsentiert das Schloss Museum Wolfenbüttel die Sonderausstellung „Hexenwahn – Glaube. Macht. Angst.“

Blick in den Ausstellungsraum auf ein gemaltes historisches Bild mit einem Teufel. © Museum Wolfenbüttel
Im ersten Raum der Ausstellung wird der Teufel thematisiert.

Die Wanderausstellung entstand in Kooperation mit der Eulenburg – Universitäts- und Stadtmuseum Rinteln und liefert tiefe Einblicke in das Thema Hexenverfolgung und Hexenglaube von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart. Dargestellt werden auch die dunklen Kapitel der Regionalgeschichte, als es unter den Wolfenbütteler Herzögen Heinrich Julius (1564 bis 1613) und August der Jüngere (1579 bis 1666) im Land Braunschweig zu Hexenverfolgungen und Hexenprozessen kam und Menschen auf Grund von Denunziationen und falschen Bezichtigungen gefoltert und hingerichtet wurden. Erst der Sinneswandel in der Zeit der Aufklärung setzte der Hexenverfolgung endgültig ein Ende.

25 Texttafeln und rund 70 Exponate, darunter ein Richtschwert eines Scharfrichters um 1700, diverse Folterwerkzeuge, geschmiedete Schiffsnägel, eine Voodoo-Puppe, in eine Stecknadel steckt, mit Sarg, Hühnerfüße, ein Ziegenbock in Originalgröße als Inbegriff des Teufels, ein Alchemisten-Becher bis hin zu Prozessakten und Polizeiverordnungen sind Teil der Ausstellung.

„Der Begriff Hexenjagd hat nicht erst mit Donald Trump wieder vermehrt Einzug in unseren Sprachgebrauch gehalten, hysterische Reaktionen auf scheinbare Wahrheiten gehören schon seit langem zu unserem Alltag. Moderne Hexenprozesse haben heute jedoch nicht lodernde Scheiterhaufen zur Folge, sondern enden in medialen Diffamierungen und Hetzkampagnen im Netz. Religiöse Fanatiker oder Verschwörungstheoretiker gehören noch immer nicht der Vergangenheit an, sondern sind in den letzten Jahren fast wieder so präsent wie zu Zeiten der großen Hexenverfolgung in der Frühen Neuzeit“, erklärte Dr. Sandra Donner, Leiterin des Museums Wolfenbüttel. „Und wir fühlten uns bei der Vorbereitung dieser Ausstellung nicht nur einmal an die dunkle Zeit der Hexenprozesse erinnert, wenn es heißt, wichtige Faktoren für den damaligen Schrecken waren die Folgen von Klimawandel, Seuchen und Krieg. Aber gerade deshalb ist der Blick zurück so wichtig. Die Aufklärung setzte dem Hexenwahn ein vorläufiges Ende, ein Sieg der Vernunft in Kants Sinne.“

In der Ausstellung präsentiert wird auch der vermutlich originale Eisenstuhl, auf dem unter dem Welfenherzog Heinrich Julius die Alchemistin und angebliche Hexe Anne Marie Ziegler in der Nähe des Wolfenbütteler Schlosses am 7. Februar 1575 verbrannt wurde. Zu sehen ist auch der erstmalig 1486 publizierte Buchtitel „Hexenhammer“ (Malleus malaficarum), den die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel leihweise zur Verfügung stellte. Das Originalwerk des deutschen Dominikanermönchs Heinrich Kramer (um 1430–1505) schuf die geistige Grundlage zur Legitimation einer aggressiveren Hexenverfolgung und erschien bis zum Ende des 17. Jahrhunderts in 29 Auflagen.

Dass die Figur der Hexe und Themen wie Aberglaube, Heilkunde und Spiritualität bis heute nicht die Faszination verloren haben, wird im letzten Teil der Sonderausstellung deutlich. In den vergangenen Jahrzehnten erschienen zahlreiche europäische und amerikanische Erwachsenen- und Kinderfilme, Jugendliteratur, Walt Disney-Comics mit der Hexe Gundel Gaukeley bis hin zu Groschenromanen wie „Geisterjäger John Sinclair“, in letzteren können die Besucherinnen und Besucher vor Ort blättern. Zur Einsichtnahme bereit liegt auch das „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens“. Die Besucherinnen und Besucher können ihnen bekannte Aberglauben auf einem Zettel notieren und mit Hilfe einer Stecknadel auf einer Landkarte markieren.

Aber auch heutige, moderne Hexen mit ihren Lehren, Ritualen und Vorstellungen haben ihren Platz in der Ausstellung gefunden. Eines der beigesteuerten Ausstellungsstücke verdeutlicht dies: ein Altar zum Gedenken an die im Lechlumer Holz als Hexen hingerichteten Personen.

„Es ist faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich der Begriff Hexe heute verstanden wird. In unserem museumspädagogischen Programm wollen wir Schülerinnen und Schülern ein umfassendes Bild zur weltweiten Hexenverfolgung seit der Frühen Neuzeit geben“, erklärte die Museumspädagogin Stella Gilfert. „Besonders eindrucksvolle Einblicke haben uns bei der Ausstellungsgestaltung neuheidnische Hexen der Region gegeben, deren Hexenbegriff sich nicht durch Besenflug und Teufelsbuhlschaft, sondern durch Naturverbundenheit auszeichnet.“

Ausstellungsbegleitendes Programm

Im Rahmen der Ausstellung gibt es ein breitaufgestelltes Programm mit Vorträgen, öffentlichen Führungen (durch die Ausstellung und an historischen Orten) und Filmvorführungen im Kino.

Termine für Führungen durch die Sonderausstellung "Hexenwahn"

An den Sonntagen 6. November, 20. November und 4. Dezember finden jeweils um 16 Uhr Führungen durch die Sonderausstellung „Hexenwahn – Glaube. Macht. Angst.“ statt.

  1. Flyer zur Sonderausstellung: Hexenwahn - Glaube. Macht. Angst.

    © Museum Wolfenbüttel

Kontakt

27.10.2022