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Kartoffel schälen für den guten Zweck

Kartoffeln schälen kann Spaß machen – erst recht in einer Gruppe guter Freunde. Das beweisen in regelmäßigen Abständen jene Ehrenamtlichen, die sich im Roncallihaus an der Krummen Straße treffen, um dort die kostenlosen Speisen der Suppenküche für Bedürftige vorzubereiten.

An einem Tisch sitzen acht Männer und Frauen und schälen Kartoffeln. © Stadt Wolfenbüttel
Gut gelaunt bei der Arbeit (von links): Rainer Porath, Marliese Schulz, Bürgermeister Ivica Lukanic, Christiane Döring mit Fairtrade-Kiste, Matthias Knoche-Herwig, Ex-Bürgermeister Thomas Pink (vorn), Suppenküchen-Leiterin Anja Kröger und Eckbert Schulze

Jetzt kam am frühen Samstag, 7. Januar 2023, ein Quartett zusammen, das schon über reichlich Routine verfügt an den Schälmessern. "Wir machen das schon seit mehr als zehn Jahren", erzählte Thomas Pink, der ehemalige Bürgermeister von Wolfenbüttel. Mit seinem Amtsnachfolger, Ivica Lukanic, sowie Rainer Porath und Eckbert Schulze sorgte er für gute Laune an den Töpfen, obwohl sie am Ende doch etwas die Zähne zusammenbeißen mussten: Am Grunde des Sacks wurden die Kartoffeln immer kleiner – und zwar schon bevor sie ihre Schale verloren.

"Ja, wir müssen sehen, was wir zur Verarbeitung bekommen", erklärte Anja Kröger, Leiterin der Suppenküche. Keine Frage: Sie hätte den Helfern auch größere Kartoffeln gewünscht. "Vorige Woche hatten wir solche, aber die waren sehr mehlig." Auf den Tellern war die Größe am Ende egal. Es gab Hähnchenschenkel mit Rahmwirsing und Kartoffeln, danach Rote Grütze mit Eis sowie für zuhause eine kleine Tüte Keksmischung pro Nase.

Bis zum 1. April laufe die Suppenküche nun im Winterbetrieb, danach gebe es wieder bis zum 1. November einmal pro Woche ein Frühstück, berichtete Anja Kröger. Trotz der milden Witterung kamen vor Weihnachten mehr als 40 Gäste. "Eigentlich spielt die Außentemperatur entgegen der üblichen Erwartung kaum eine Rolle", erzählte sie. Gerade die Stammgäste würden in jedem Fall kommen. "Der Austausch untereinander ist ein wichtiger sozialer Aspekt. Hier kennt man sich." Über das Angebot im Roncallihaus hinaus liefere die Suppenküche Lebensmittel-Taschen an die Obdachlosen-Unterkunft an der Salzdahlumer Straße. "Dort haben wir derzeit 17 Abnehmer."

Und warum hilft der Bürgermeister schon so lange bei dieser Aktion? "Erstmal ist es meine tiefste Überzeugung, dass wir hier etwas Gutes tun für die Schwächsten der Gesellschaft", betonte Ivica Lukanic. Darüber hinaus werfe er auch gern das Gewicht seines Amtes in die Waagschale, um für Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit zu sorgen: "Was die Ehrenamtlichen hier in der Suppenküche leisten, kann man nur unterstützen – darüber hinaus sind wir eine gute Truppe und treffen uns immer wieder gern in der Küche."

Für Gelächter sorgte Marliese Schulz, die erst seit Kurzem zum Team der Suppenküche gehört. Auch sie unterstrich den Einsatz für die Gemeinschaft und den sozialen Aspekt als Antrieb für ihre ehrenamtliche Mitarbeit. Bis vor Kurzem hatte sie das Thema Ernährung an den Berufsbildenden Schulen in Braunschweig unterrichtet. "Ich sehe hier in der Schältechnik einige Verbesserungsmöglichkeiten", scherzte sie mit Blick auf das engagierte Quartett.

Übrigens waren kurzerhand auch zwei Vorstandsmitglieder des Vereins Solidarische Welt ins Roncallihaus gekommen, der den Weltladen an der Okerstraße betreibt: Christiane Döring und Matthias Knoche-Herwig hatten dem Bürgermeister vor Weihnachten eine Kiste voller Fairtrade-Artikel überreicht. Dem anschließenden Gespräch entsprang die Idee, künftig bei städtischen Beschaffungen den Fairtrade-Gedanken noch stärker zu berücksichtigen.

"Nachhaltigkeit ist als Beschaffungsaspekt zugelassen", unterstrich Christiane Döring noch einmal. Wenn zum Beispiel neue Arbeitskleidung für Müllwerker angeschafft werde, könne der Weltladen die gesamte Produktionskette als nachhaltig garantieren. "Dafür gibt es ein eigenes Qualitätssiegel."

Nun brachte Ivica Lukanic diese Kiste als Geschenk mit ins Roncallihaus: "Ich möchte sie nicht behalten, es soll nicht nach Bestechung aussehen." Lecker gefüllt war der Behälter mit Wein, Keksen, Tee, Schokolade und anderen fair gehandelten Produkten. Sogar die Kiste selbst stammt aus einer kontrollierten Produktion in Bangladesh.

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10.01.2023