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Wolfenbütteler Theatergeschichte

Hoftheater (bis 1799)

Blick in das Wolfenbütteler Opernhaus von 1688, Computersimulation. Man sieht die dekorierte und beleuchtete Bühne und die Ränge im Zuschauerraum. © Schloss Museum Wolfenbüttel
Das Wolfenbütteler Opernhaus von 1688, Computersimulation.

Am Anfang der Wolfenbütteler Theatergeschichte steht das erste stehende Theaterensemble in Deutschland. Im Jahr 1592 holte Herzog Heinrich Julius eine englische Schauspielertruppe nach Wolfenbüttel, die hier sesshaft wurde und mehrere Gastspielreisen durch Deutschland unternahm. Das erste freistehende Theatergebäude entstand um 1688 mit der Einweihung des fürstlichen Opernhauses im Schlossbereich. Waren vor dessen Eröffnung an unbekannter Stelle im Schloss französische Barockopern gespielt worden, so standen nun hauptsächlich Opern von italienischen und deutschen Komponisten auf dem Spielplan. Nach dem Abriss des Opernhauses im Jahr 1748 wurde ein neues Komödienhaus eingerichtet, das bis 1799 bestand.

Schlosstheater (bis 1904)

Schlosstheater um 1900 © Schloss Museum Wolfenbüttel
Schlosstheater um 1900

Nach einer über 30 Jahre umfassenden theaterlosen Zeit öffnete schließlich 1835 ein neues Theater im Schloss Wolfenbüttel seine Pforten. Es entstand an der Stelle des großen Festsaals des Schlosses, dem Redoutensaal im Südflügel. Der Zuschauerraum und das Bühnenportal, ganz aus Holz und Pappmache geschaffen, war im "gothischen Styl" ausgebildet. Die Aufführungen in diesem Theater, das hauptsächlich von Herzog Wilhelm und den Wolfenbütteler Bürgern besucht wurde, bildeten zunächst Spielopern und Ballette, dann vor allem Schauspiele. Bis zur Schließung dieses Theaters aus Gründen des Brandschutzes im Jahre 1904 wurde es durch das Ensemble des Braunschweiger Hoftheaters bespielt.

Lessingtheater (bis zur Schließung 2007)

Stadttheater - Lessingtheater um 1909 © Schloss Museum Wolfenbüttel
Stadttheater - Lessingtheater um 1909

Schon wenige Monate nach der Schließung des Theaters im Schloss fiel die Entscheidung, ein neues Theater am Stadtgraben zu bauen. Es sollte jedoch noch fast sechs Jahre dauern, bis das neue Stadttheater am 25. September 1909 mit Lessings "Nathan der Weise" feierlich eingeweiht werden konnte. In den Anfangsjahren wurde das Stadttheater vom Braunschweiger Hoftheater und dem Hildesheimer Stadttheater bespielt. Später fanden auch Gastspiele anderer Tourneetheater statt. Auf dem Spielplan standen Opern, Operetten und Schauspiele. Zu Ehren Lessings wurde das Wolfenbütteler Stadttheater 1929 in "Lessingtheater" umbenannt.

Das Lessingtheater aus dem Jahr 1909, erbaut von Otto Rasche und Otto Kratzsch ist im reduzierten Jugendstil erbaut und zählt zu den schönsten Häusern Norddeutschlands. Im Jahr 2007 wurde das Theater wegen nicht einzuhaltender Vorgaben im Brandschutz geschlossen und nach grundlegender Sanierung im Jahr 2013 wieder eröffnet.

Lessingtheater nach der Sanierung (ab 2013)

Viele Personen stehen auf dem Platz vor dem Lessingtheater. Christan Bort © Stadt Wolfenbüttel
Das Lessingtheater zeugt von einer über 400 Jahre langen Theatertradition in Wolfenbüttel.

Das Architekturbüro Struhk aus Braunschweig hat von 2010 bis 2013 einen Entwurf von Springer-Architekten, Berlin, in die Tat umgesetzt. Das Gebäude wurde um zwei Wintergärten ergänzt, die dem bestehenden Gebäude einen Bezug nach außen geben und für kleinere Veranstaltungen und die Pausengastronomie genutzt werden können. Die Technik- und Bühnenausstattung wurde komplett erneuert und auf den aktuellen Stand gebracht, ebenso wie der Catering-Bereich. Um einen bequemeren Sitzkomfort zu erreichen, wurden die vorhandenen 700 Plätze auf 485 reduziert. Die Sanitär- und die Garderobenanlagen sind in das neu ausgehobene Kellergeschoss verlagert worden.

Das Theater soll als „kultureller Leuchtturm“ und kommunikatives Zentrum in der Stadt und der Region mit einem klaren Profil etabliert werden. Das facettenreiche Programm des Gastspielhauses bietet herausragende Produktionen aus allen Genres. Neben Schauspiel, Musiktheater und vielen Stücken für das junge Publikum stehen zahlreiche Lesungen, Tanztheater und Konzerte auf dem Programm. Vorhang auf und Bühne frei für das Lessingtheater Wolfenbüttel.