Stadtmarkt neu erleben: So wird die Innenstadt gesehen - und das wünschen sich Bürger
Der Wolfenbütteler Stadtmarkt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stets entwickelt. Seine Rolle als zentraler Platz und als Eingang zur Fußgängerzone hat er dabei nie aufgegeben. Das soll natürlich auch in den nächsten Jahrzehnten so bleiben. Unter dem Motto „Stadtmarkt neu beleben“ hat die Stadt daher in dieser Woche zu mehreren Veranstaltungen eingeladen.
Den Auftakt bildete ein Vortrag von Dr. Markus Preißner vom IFH KÖLN über die Ergebnisse der letzten Passantenbefragung (Vitale Innenstädte 2024). Wie haben sich die Besucherzahlen in der Innenstadt von 2021 bis 2025 entwickelt, was sind die Gründe für einen Besuch und wie sehen Gäste – und vor allem die Wolfenbütteler selbst das innerstädtische Angebot?
Grundsätzlich ist die Passantenfrequenz in der Innenstadt nicht schlecht. Seit dem Abschluss der Sanierung der Fußgängerzone steigen die Besucherzahlen auch wieder deutlich an. Auch war der Einbruch während der Bauphase nicht allzu groß, wie Dr. Preißner feststellte – und ein Rückgang der Innenstadtbesucher sei auch in den großen Einkaufsmeilen der Republik festgestellt worden.
Wolfenbüttel habe einen gesunden Mix an Besuchern – rund zwei Drittel aus der Stadt, ein Drittel von außerhalb. Der Altersdurchschnitt von den etwa 600 an zwei Tagen befragten Passanten liegt bei 51 Jahren, 54 Prozent der Besucher gehören der Altersgruppe von 26 bis 65 Jahren an. 75 Prozent der Passanten haben sich auch als Online-Käufer geoutet, nur 25 Prozent gaben an, nur im stationären Handel einzukaufen. Lokale Bevölkerung und Auswärtige sind dann aber auch bereit, Geld in der Stadt zu lassen. Zwei Drittel gaben an, mindestens 20 Euro bei ihrem Besuch auszugeben. Einkaufen ist somit auch weiterhin der Hauptgrund für einen Besuch in der Stadt. Häufig wird der Stadtbesuch aber noch mit anderen Stationen verbunden. Vom Besuch in der Gastronomie, für die Arbeit oder die Wahrnehmung einer Dienstleistung. Multifunktional ist das Stichwort.
Spannend wird es, wenn Auswärtige und Wolfenbütteler die Stadt bewerten. „Die Bürgerinnen und Bürger sind schon sehr kritisch ihrer Stadt gegenüber“, sagt Dr. Markus Preißner. Dies sei auffällig gewesen. So sehen Gäste die Stadt wesentlich fahrradfreundlicher (1,7) als Einheimische (2,1). Auch bei der Aufenthaltsqualität (1,8/1,5) oder beim Punkt Sauberkeit (2,6/2,4) sind die Bürgerinnen und Bürger kritischer. Wichtig: Insbesondere die Gruppe der unter 25-Jährigen bewertet bestimmte Punkte eher negativ – Lebendigkeit/Vitalität liegt nur bei 3,8, der Erlebniswert (Neues entdecken, inspirieren lassen, Spaß haben) bekommt eine 4,3. Hier sollte gegengesteuert werden.
Und welche Schulnote würden die Befragten der Innenstadt in Bezug auf ihre Attraktivität insgesamt geben? Hier gibt es von den Auswärtigen eine 2,3, von den Bürgerinnen und Bürgern nur eine 2,8. Allerdings: Auf die Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass Wolfenbüttels Innenstadt Freunden oder Bekannten weiterempfohlen wird, antworteten 42 Prozent mit neun oder zehn von zehn Punkten. 36,7 Prozent vergaben sieben oder acht Punkte. In Sachen Kundenzufriedenheit und -loyalität ergibt das für Wolfenbüttel einen Wert von 20,7. Der Durchschnittswert bei Städten vergleichbarer Größe liegt bei 5,4. „Mehr als die Hälfte der teilnehmenden Städte erzielt negative Werte. Nur jede vierte Stadt erreicht einen Wert über 20“, weiß Dr. Preißner zu berichten. Am Ende halten die Wolfenbütteler also trotz aller Kritik zu ihrer Stadt.
Wie sie sich ihre Stadt wünschen, beziehungsweise, welche Rolle dabei der Stadtmarkt spielen soll, konnten interessierte Bürgerinnen und Bürger dann am Dienstag loswerden. In einem von der CIMA Beratung und Management GmbH moderierten Ideen-Workshop konnten die rund 50 Anwesenden Ideen entwickeln und Bedürfnisse mitteilen. Natürlich ging es nicht darum, fertige Lösungen zu präsentieren oder zu erarbeiten, es ging darum festzustellen, was Wolfenbüttel für einen selbst zum Lieblingsort machen würde.
Los ging es mit einem gemeinsamen Rundgang. Bürgermeister Ivica Lukanic und Stadtführer Ulrich Higl führten über den Stadtmarkt und gaben allerlei Hintergrundinfos zum Platz, seiner Geschichte und den Problemen und Ängsten, die Architekten quälen, wenn es um Plätze geht. Im WOW wurde dann im Anschluss fleißig gearbeitet. In vier Gruppen wurde diskutiert, wurden Ideen erarbeitet und wurden Wünsche geäußert. Was alle Gruppen einte, war der Wunsch, den Stadtmarkt wieder stärker zu einer Begegnungsfläche, zu einem Treffpunkt zu machen – und das nicht nur zu Wochenmarktzeiten.
Die CIMA wird nun die Ergebnisse bündeln und gemeinsam mit der Verwaltung ein Konzept daraus erarbeiten.
Weitere Fotos
im Flickr-Album: Stadtmarkt neu erleben